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Tempel der Kunst vernichtet

Blick in die Wagenitzer Dorfkirche. Rechts ist ein Bild zu sehen, das Hans-Christoph von Bredow (1623-1691) mit seiner Familie zeigt.
Blick in die Wagenitzer Dorfkirche. Rechts ist ein Bild zu sehen, das Hans-Christoph von Bredow (1623-1691) mit seiner Familie zeigt. © Foto: Born
Regine Born / 21.10.2016, 11:04 Uhr
Wagenitz (MOZ) Die Landschaft, in der Wagenitz (Amt Friesack) liegt, ist während der letzten Eiszeit entstanden, der sogenannten Weichseleiszeit - vor ca. 22.000 Jahren. Es sind die Formen dieser Landschaft, die die Standorte der Ansiedlungen bestimmen. Im Havelländischen Luch befinden sich gesicherte Funde von Siedlungsresten aus dem Neolithikum (ca. 5500 bis 3500 vor Christus). Bis zum 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung bewohnten germanische Völker die Gebiete zwischen Elbe und Oder. Im Verlauf der Völkerwanderung wanderten dann aus östlichen Richtungen slawische Völker ein.

Das kleine Dorf Wagenitz im Westhavelland, mit heute 250 Einwohnern, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Erstmals 1353 urkundlich erwähnt, war es Sitz und Heimat der Bredows. Dieses ehemalige Raubrittergeschlecht besann sich eines Besseren und hatte wesentlichen Anteil an der Entwicklung des Dorfes. Bis 1945 waren die Bredows die Herren von Wagenitz.

Der Grundstein für das spätere Wagenitzer Schloss wurde 1571 von Hartwig von Bredow II. gelegt, mit einem eigenen Wohn- und Wirtschaftshof. Es entstand der Bau der Meierei mit einem freistehenden Küchenhaus, dem heutigen Schwedenturm.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Wagenitz 1634 von marodierenden schwedischen Soldaten überfallen und die gesamte Familie der Bredows ermordet. Einzig ein Sohn, Hans-Christoph, 1623 geboren, entging dem Massaker, da er sich zur Ausbildung an einer Militärakademie befand. Er führte die Linie der Familie von Bredow fort und sorgte für die Wiederherstellung seiner durch den Krieg zerstörten Besitzungen. Hans-Christoph von Bredow starb 1691 und wurde in der Wagenitzer Kirche beigesetzt. In dieser befindet sich noch heute ein großformatiges Votivgemälde von 1667, das ihn mit seiner Frau Barbara Dorothea von Görne und den zehn Kindern zeigt. Er hinterließ insgesamt 52 Kinder und Kindeskinder.

Das Schloss wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrfach erweitert und zeigte sich Ende des 19. Jahrhunderts im Stile einer italienischen Renaissancevilla. Die gesamte damalige Anlage des Schlosses war seinerzeit eines der stattlichsten und schönsten Herrenhäuser im Havelland. Es galt als Tempel der Kunst mit einem eigenen Theater und mehreren Kunstkabinetten. Die Innenausstattung des Schlosses enthielt eine Vielzahl von Kostbarkeiten. All diese Pracht hatte 1945 ein Ende. Mit Rosemarie Freifrau von Bredow, der zweiten Frau des 1941 im Krieg gefallenen Joachim Ludwig von Bredow, endete die Geschichte derer von Bredow in Wagenitz.

Ein Zweig der Familie, der über fast 600 Jahre das Geschick des Dorfes geprägt hat. Joachim Ludwig von Bredow wurde im Schlosspark von Wagenitz bestattet. Dieser Park war einer der BUGA-Standorte 2015 und präsentiert sich heute für seine Besucher als ein unvergängliches Paradies. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs brannte das Schloss aus bis heute unbekannten Ursachen bis auf die Grundmauern nieder.

Aktuelle Infos zum Ort auf

www.wagenitz-im-havelland.de.

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