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Vom Handbetrieb zur Motorspritze

Jörg Kühl / 27.10.2016, 08:05 Uhr
Blasdorf (MOZ) Sonnabend feiert die Blasdorfer Ortswehr ihr 90-jähriges Bestehen. Die Feuerwehrleute sind nicht nur für die Gefahrenabwehr in der Region wichtig, sondern kümmern sich auch um das kulturelle Dorfleben.

Auf dem Tisch in Oliver Behrendts Partykeller stapeln sich alte Schwarz-weiß-Aufnahmen der Blasdorfer Feuerwehr. Drumherum sitzen neben dem 37 Jahre jungen Ortswehrführer dessen Vorgänger Helmut Lobback, der das Amt von 1995 bis 2012 ausübte sowie dessen Vorgänger Gerhard Deutschmann, der von 1977 bis 1992 Wehrleiter war. Zusammen decken die drei Herren 39 Jahre Löschwesen und Gefahrenabwehr in Blasdorf ab, das ist beinahe die Hälfte der gesamten Feuerwehrgeschichte im Ort.

Gerhard Deutschmann hat sich um die Geschichte der Ortswehr besonders verdient gemacht, schließlich führte er während seiner Wehrleiterzeit akribisch Buch über das Einsatzgeschehen. Außerdem verfasste er die historische Festschrift zum 80-jährigen Bestehen der Ortswehr. Am Sonnabend feiern die Feuerwehrleute das 90-jährige Bestehen ihrer Ortswehr.

Gegründet wurde sie im Jahr 1926. Der erste Wehrleiter war Friedrich Muschick, die frühen Mitglieder waren zwischen 25 und 36 Jahre alt, wie Deutschmann aus alten Unterlagen erfahren hat. Die Feuerwehrleute mussten in den Anfangsjahren mit der Handdruckspritze auskommen, die 1911, also 15 Jahre vor Gründung der Feuerwehr, von der Gemeinde angeschafft worden war. Das kutschenähnliche Gerät wird heute noch im Ort in Ehren gehalten. Erst im Jahr 1959 lief der Ortswehr die erste Motorspritze, eine TS 8, zu.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Feuerwehr erst wieder im Jahr 1950 unter der Leitung von Willi Schumann reaktiviert. Er habe es verstanden, die Jugend für die Sache der Feuerwehr zu begeistern, heißt es in Deutschmanns Feuerwehrchronik. Der Chronist, der 1953 in die Blasdorfer Feuerwehr eintrat, gehört selbst zu den Jahrgängen, die in dieser Zeit das Löschwesen im Dorf wieder aufleben ließen. Weiteren Schub habe es seit der Amtseinführung von Bürgermeister Werner Mocho gegeben, für den die Feuerwehr stets Chefsache gewesen sei. Die Leitung der Feuerwehr übernahm Gerhard Lehmann. Wie erfolgreich damals die Übungen, Schulungen und Brandschutzkontrollen waren, zeigte sich spätestens im Jahr 1967, als die Blasdorfer die Meisterschaft des Kreises Beeskow gewannen. 1967 ist noch aus einem anderen Grund eines der wichtigsten Jahre der Blasdorfer Feuerwehr: Denn es wurde eine Frauenmannschaft gegründet, die die Einsatzbereitschaft vor allem tagsüber, also während der Arbeitszeit der Männer, sicherstellte. 1970 wurde das heutige Gerätehaus gebaut, in dem der Tragkraftspritzenanhänger und die alte Handdruckspritze untergebracht sind. Das Jahr 1979 markiert mit dem Scheunenbrand am Radusch in Lieberose, bei dem ein angrenzendes Wohnhaus sowie ein Stall vor dem Übergreifen der Flammen zu schützen waren, einen der Einsatzhöhepunkte. Auch 1993 musste eine Scheune gelöscht werden, dieses Mal in Blasdorf. Heute verfügt die Ortswehr über 23 Mitglieder, darunter zehn aktive Männer, drei Frauen und zehn Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung. Nachwuchs ist derzeit wie bei vielen anderen Ortswehren auch, Mangelware.

Wie in den meisten Ortschaften ist die Feuerwehr in Blasdorf nicht nur in der Gefahrenabwehr und zur Brandbekämpfung aktiv, sondern gestaltet auch maßgeblich das öffentliche Dorfleben mit, wie Ortsvorsteher Joachim Rinza würdigt. So betreut der 1992 gegründete Feuerwehrverein den Gemeindesaal in der alten Schule. Erst in diesem Jahr wurden die Toiletten und die Küche saniert. Die jährliche Skat- und Rommé-Turniere sind seit Jahrzehnten Legende. Seit zwei Jahren organisiert die Feuerwehr ein Fest zur Sonnenwende - ohne Feuer, denn: "Mit Bränden wollen wir im Ort nichts zu tun haben!", so Rinza.

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