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Auf dünnerem Fördergeld-Polster

Mehrere tausend Kiefern kamen am Mittwoch in die Storbecker Walderde.
Mehrere tausend Kiefern kamen am Mittwoch in die Storbecker Walderde. © Foto: MZV
Christian Schönberg / 27.10.2016, 18:34 Uhr
Storbeck (MZV) Eine rund 80-mal 50Meter große Fläche ist am Mittwoch bei Storbeck aufgeforstet worden - mit prominenter Hilfe: Enno Rosenthal, Chef der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Neuruppin hatte Landesforstminister Jörg Vogelsänger eingeladen. Und der Gast aus Potsdam kam, um mitzuhelfen, Kiefern, Linden und Birnbäumen in die Erde zu setzen.

Dass der Blickpunkt auf einen kleinen Privatwald gelegt wird, ist nicht selbstverständlich. Rosenthal machte deutlich, dass es schwierig für die kleinen Waldbauern ist, sich Gehör zu verschaffen. Die großen Forstgesellschaften bestimmen die Politik. "Wie sollen wir die strukturelle Förderung für unseren Wald aufrecht erhalten, wenn die Bundesförderung zurückgefahren wird?", fragt er sich. Auf dem Markt haben die Kleinen ohnehin Nachteile: "Wir vertreten 344Privatwaldbesitzer - müssen für jeden Einzelnen eine Rechnung machen", so Rosenthal. "Dieser unheimliche Aufwand muss staatlich honoriert werden."

Vogelsänger kann zwar nicht über Bundesförderung bestimmen. Aber in Ministerkonferenzen tauschen sich Bund und Länder regelmäßig aus. Brandenburg kann da ein Wörtchen mitreden. In der Mark gibt es 291 nicht zu vernachlässigende forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse. Vogelsänger richtete den Blick auch auf die vielen Arbeitsplätze, die ein gesunder Wald schafft: Transport und Verarbeitung inbegriffen, hängen 30000Arbeitsplätze im Land an der Holzwirtschaft. In Zeiten des von Menschen gemachten Klimawandels wird auch das Augenmerk darauf gerichtet, dass sich die Forstflächen weg von anfälligen Nadelholz-Monokulturen hin zu Mischwald entwickeln: 78000Hektar seien schon mit Laubholz unterforstet worden, sagte Vogelsänger. Die stolze Summe von 318Millionen Euro seien in den Waldumbau geflossen. "Da waren auch viele Fördermittel dabei", sagte er.

Nichtsdestotrotz standen Kiefern im Mittelpunkt. Auf der 4000-Quadratmeter-Fläche sind sie am Mittwoch hauptsächlich gepflanzt worden. "Sie sind und bleiben unser Brotbaum", sagte Steffen Nowak, der Chef der FBG Rathenow. Denn nur Kiefern kommen mit den sandigen, relativ nährstoffarmen Ruppiner Böden wirklich gut zurecht. So wird für die Pflanzung vom Mittwoch mit Anwachspotenzial von mehr als 90Prozent gerechnet.

Allerdings ist es aus klimaökologischer und wirtschaftlicher Sicht sinnvoll, Laubgehölze unterzumischen. Deshalb kamen auch Birnen, Äpfel und Linden in die Erde. Denn sie sorgen dafür, dass der Boden nicht übersäuert. Die Nadelfracht der Kiefern nämlich lässt über kurz oder lang den ph-Wert des Untergrunds sinken. Die Mischung mit Laub puffert diese ungünstige Boden-Entwicklung ab.

Geerntet werden die Bäume erst nach mehreren Generationen. Die Bäume, die auf der Fläche zuvor gefällt worden waren, erreichten ein Alter von 146Jahren, so Enno Rosenthal. Gutes Holz war es aber nicht mehr, da die Stämme für die Harzgewinnung präpariert worden waren. Das macht ihre Bearbeitung für die Holzindustrie schwierig. Der Stamm nimmt eine ellipsenartige Form an. Die mechanisierten Werkzeuge der Sägewerke sind aber auf kreisrunde Stämme eingestellt. Der wertsetzende Qualität geharzter Stämme ist also nicht so hoch.

Ohnehin plagt die Waldbauern das, was auch die Landwirte klagen lässt: Niedrige Absatzpreise. Sie liegen zwar deutlich über denen von Mitte der 1990er-Jahre, sind aber in der jüngsten Vergangenheit nach unten gegangen. Das hat laut Rosenthal auch mit der Import-Konkurrenz aus Osteuropa zu tun. "Wir können aber selbst bestimmen, was wir dem Markt anbieten", sagt er. Wenn Holz zu billig ist, lassen die Grundeigentümer es eben weiter wachsen. Die Vermarktungssituation könnte sich Rosenthal zufolge auch bald bessern: Denn Ende November setzen die Importe bei Großabnehmern wie Kronotex aus. Generell haben die Waldbauern aber einen schweren Stand, was den Einfluss auf die Marktpreise betrifft.

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