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Mit dem Versprechen, ein Trainingscenter für Krisen-Einsatzkräfte zu schaffen, wurden Firmen geködert

Seifenblase statt Investition

Ines Weber-Rath / 28.12.2016, 19:54 Uhr
Gorgast (MOZ) Es hörte sich alles so gut an: Im Oderbruch sollte ein Trainingszentrum für internationale Krisen-Einsatzkräfte entstehen. Ein vermeintlicher Investor gründete eine Firma und kaufte Immobilien. Doch die Kaufsummen sind nie gezahlt worden, so der Vorwurf der Betroffenen.

"Lieber sollen die Leute in der Region drei Tage lang über mich lachen, als den ungestraft davonkommen zu lassen", sagt Hans-Jürgen Mühe. Der Gorgaster ist froh, dass dieses "verrückte Jahr" zu Ende geht. Mit "den" meint Mühe Herrn E. Der gebürtige Belgier war Anfang Februar mit einem Tross von Leuten auf das Gelände von Mühes einstigem Baumarkt in Gorgast gekommen. "Was der mir erzählt hat, was er schon alles gemacht hat und noch vor hat, welche Verbindungen in alle Welt er hat: Der konnte einen so richtig einwickeln", sagt der frühere Unternehmer, der jetzt im Ruhestand ist.

In E.s Gefolge seien Doktoren und eine Architektin gewesen, die den Plan für die Entwicklung des Areals schon dabei hatten. Und ein älterer Herr, der sich als Bauunternehmer vorstellte. Das Angebot, Mühes Firmengelände mit Ostbahnanschluss, auf dem man so praxisnah für den Einsatz in Krisengebieten trainieren könne, zu kaufen, kam dem Gorgaster gerade recht. Am Tag darauf unterschrieb er den Kaufvertrag, in dem eine sechsstellige Kaufsumme vereinbart wurde. Das Geld hat der Gorgaster bis heute nicht gesehen.

Nach mehreren vergeblichen Mahnungen und Fristverlängerungen betrieb Hans-Jürgen Mühe schließlich die Rückabwicklung des Verkaufs. Jetzt, zum Jahresende, ist er wieder Herr über sein Grundstück. Doch die Sache hat den Gorgaster einiges an Lehrgeld gekostet. Nicht nur die Mietausfälle. Denn Hans-Jürgen Mühe hatte den Leuten, die ihre Wohnwagen auf seinem Gelände untergestellt haben, wegen des Kaufinteressenten gekündigt. Er blieb auf den Anwalts- und sogar den Notarkosten sitzen, die der "Käufer" nicht zahlte. Schadenersatzforderungen kann Mühe zwar stellen. Doch ob er je einen Cent sieht, ist fraglich. Denn E. hat keine zustellfähige Adresse mehr in Deutschland oder innerhalb der EU, ist derzeit unauffindbar.

Als Käufer war allerdings nicht der umtriebige Belgier selbst aufgetreten, der sich im Internet und in den sozialen Netzwerken als Krisenmanager präsentierte, sondern seine AKE Finance Holding B.V. mit Sitz in Amsterdam. Unter dem Schirm einer Mutterfirma namens Corax International Holding AG hat der Belgier ein Geflecht von Tochterfirmen gegründet, die sich allesamt den Bereichen Rettung, Sicherheit und Medizinische Versorgung in Krisengebieten widmen sollen.

Eines der jüngsten Kinder der Corax Holding ist die Corax International Trainingscenter Oderbruch - kurz CitO GmbH. Sie soll am 4. Januar dieses Jahres in Frankfurt gegründet worden sein. Ins Handelsregister ist sie bis heute nicht eingetragen. Zweiter Geschäftsführer der CitO ist der Reitweiner Jens Masuck - ein Mann mit gutem Namen im Oderbruch. Sein Privathaus diente als Gründungsadresse für die CitO. Er habe sich in E. einen "professionellen Partner" versprochen, erklärt Masuck, der selbst in Flüchtlingslagern im Nahen Osten und in anderen Krisenregionen der Welt tätig ist. Die CitO habe Mieter des Gorgaster Geländes werden sollen, so Jens Masuck. Er erklärt: "Die CitO GmbH ist auf Eis gelegt." Und: Es sei ein Gesellschafterwechsel erfolgt.

Es sind gute Namen wie die von Hans-Jürgen Mühe und Jens Masuck, mit denen E. offenbar immer wieder neue "Partner" ködert. Er verspricht Projekte mit Zukunft, an denen sich die Beteiligung lohne. Die CitO hatte der Belgier Ende Januar auf der Jahreshauptversammlung des American German Business Club Berlin vorgestellt, der er auch gleich beitrat. Doch E. soll nicht einmal den Mitgliedsbeitrag bezahlt haben. Für seine in den Niederlanden gegründete Corax Holding hatte der Belgier zwischenzeitlich sogar eine renommierte Firmenadresse im Oderbruch verwendet - bis ihm der geprellte Firmenchef dies untersagte. Bei ihm hatte E. bis zur Rückabwicklung eines Verkaufs eine Millionen-Rechnung offen. "Wir sind über uns selbst erschrocken, dass wir 25 Jahre nach der Wende auf so einen reingefallen sind", sagt der Firmenchef, der seinen und den Namen seiner Firma nicht nennen will.

Hans-Jürgen Mühe wünscht sich nur eins: Dass Leuten wie E. das Handwerk gelegt wird. Die Schweizer Justiz hat das schon einmal geschafft: E. saß wegen Betrugs 2015 in Zürich ein. Danach machte er in Deutschland weiter. Jetzt soll er sich irgendwo im Nahen Osten aufhalten, heißt es. Doch genau weiß es niemand. Für eine Stellungnahme war er nicht zu erreichen.

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