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Aufregung wegen geplanter Mastanlage

Im Winterschlaf: Auf diesem Gelände am Alten Postweg in Gölsdorf soll in der Nähe von Wohngebäuden eine Bullen- und Schweinemastanlage entstehen. Die Gölsdorfer-Agrar-Produkte GmbH will für den Aufbau rund 2,5 Millionen Euro investieren.
Im Winterschlaf: Auf diesem Gelände am Alten Postweg in Gölsdorf soll in der Nähe von Wohngebäuden eine Bullen- und Schweinemastanlage entstehen. Die Gölsdorfer-Agrar-Produkte GmbH will für den Aufbau rund 2,5 Millionen Euro investieren. © Foto: MOZ
Bettina Winkler / 13.01.2017, 08:24 Uhr
Gölsdorf (MOZ) Die geplante Bullen- und Schweinemastanlage am Alten Postweg war am Mittwochabend Thema einer Einwohnerversammlung im Gölsdorfer Kulturhaus. Die Investoren Christian-Ulrich Beckmann und Martin Schott sowie die Sachverständige Annette Hofele erläuterten das Projekt und stellten sich Fragen.

Das 117-Seelen-Dorf Gölsdorf ist in Aufruhr. Die Nachricht, dass auf dem verwaisten Gelände am Alten Postweg eine große Mastanlage für 900 Bullen und 768 Schweine, nur wenige Meter entfernt von Wohnhäusern, entstehen soll, verbreitet sich wie ein Lauffeuer.

Am Mittwochabend stellten die künftigen Betreiber Christian-Ulrich Beckmann und Martin Schott sowie die Sachverständige Annette Hofele, die das Immissionsschutz-Gutachten für den Genehmigungsantrag erstellte, das 2,5-Millionen-Euro-Projekt erstmalig öffentlich vor. Rund 60 Bürger kamen, nicht nur aus Gölsdorf. Geplant sind: Fünf Ställe für Rinderbullenmast, zwei große Güllebehälter, ein Fahr- und sieben Außensilos, Fahrzeugwaage, Kadaverplatte, Flüssiggas-Container sowie der Neubau eines 420 Kubikmeter fassenden Löschwasserteichs. Für die Mast von 768 Schweinen soll der schon vorhandene Stall saniert, zudem eine alte Halle zur Futteraufbereitung mit Mühle umgebaut werden. Das Tierfutter soll selbst angebaut werden. "Dafür haben wir 265 Hektar Ackerland gepachtet", erläuterte Beckmann, dessen Firma noch in Trebus ansässig ist, aber, sobald die Genehmigung erfolgt, nach Gölsdorf umzieht, damit die Steuern der Gemeinde zugute kommen.

Aufgebrachte Bürger äußerten in meist sachlicher Atmosphäre ihre Bedenken. Bürgermeisterin Renate Wels beendete hitzige Diskussionen mit ihrer eigens dafür angeschafften Glocke.

Stephanie Kratzsch wollte wissen, wo die Tiere herkommen und wie sie im Stall leben. "Unsere Jungtiere werden wir zum größten Teil aus Deutschland beziehen. Die Buchten für Rinder sind mit Gummi ausgelegt", erläuterte Beckmann und betonte, dass rund um die Uhr Futter und Wasser zur Verfügung stehen.

Laut Antragsunterlagen stehen jedem Schwein weniger als ein Quadratmeter zu. Die "Verweildauer" der Mastschweine soll 110 Tage betragen. Für die Reinigung des Schweinestalls werden etwa 50 Liter Wasser pro Tierplatz im Jahr veranschlagt. Dieser enorme Wasserverbrauch macht auch den Bürgern Sorge. "Wir bekommen unser Wasser von Fürstenwalde. Wenn der Druck nicht reicht, wie soll dann das Dorf versorgt werden?", fragt sich Heiko Brudlo. Mehr über Brandschutzauflagen und Evakuierung der Tiere wollte Siegfried Pieper wissen. "Geplant sind einzelne Brandschutzabschnitte, die Lüftungsanlage im Schweinestall fungiert im Notfall quasi als Rauchabzugsanlage", erklärte Annette Hofele. Jörg Moritz aus Eggersdorf, der neben einer bestehenden Schweinemastanlage wohnt, berichtete von Gestank und Fliegen besonders im Sommer.

"Mit wie vielen Arbeitskräften rechnen Sie bei vollem Betrieb?", wollte Landwirt Martin Suhr wissen. Die Antwort: "Voraussichtlich vier bis fünf."

"Das Projekt erfordert keine öffentliche Auslegung. Die Gemeinde gibt lediglich eine gesetzliche Stellungnahme an das Landesamt für Umwelt in Frankfurt ab", sagte Bauamtsleiter Marco Jonscher. Im Flächennutzungsplan ist an der geplanten Stelle eine Fläche für landwirtschaftliche Nutzung ausgewiesen, damit das Projekt möglich ist. Bei der Stellungnahme würden aber auch die Einwände der Bürger berücksichtigt.

Dafür wurde am Donnerstag eine Fristenverlängerung beantragt. Im Bauausschuss der Gemeindevertretung Steinhöfel am 24. Januar und im Gölsdorfer Ortsbeirat am 31. Januar ist das Projekt wieder ein Thema.

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