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"Ruine" soll zu neuem Leben erwachen

Das rund 4000 Quadratmeter große Grundstück des ehemaligen "Kräuterhofs" liegt direkt an der Rosenbecker Schleuse.
Das rund 4000 Quadratmeter große Grundstück des ehemaligen "Kräuterhofs" liegt direkt an der Rosenbecker Schleuse. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Simon Rayß / 04.02.2017, 08:00 Uhr
Eichhorst (MOZ) Schorfheide sucht Interessenten, die ein Grundstück an der Rosenbecker Schleuse bewirtschaften wollen - den ehemaligen "Kräuterhof". Drei Bewerber haben nun ihre Konzepte vorgestellt. Doch nicht alle sind einverstanden mit den Bedingungen, die die Gemeinde stellt.

Für drei Jahre sieht es so aus, als würde der "Kräuterhof" an der Rosenbecker Schleuse einer goldenen Zukunft entgegenblicken. Ab 2012 gibt es Pizza, Pasta und Flammkuchen. Die Geschäfte laufen gut. Gästezimmer, Übernachtungsmöglichkeiten und eine Sauna sollen noch dazukommen.

Doch dann, vor der Saison 2015, zwingen familiäre Gründe die Betreiber zum Aufgeben. Ab diesem Zeitpunkt steht die Anlage - das Schleusenwärterhäuschen, eine alte Scheune und ein Stall - wieder leer. "Rein von der Bausubstanz her ist die Anlage ganz am Ende", sagt Wulf Gärtner, der Ortsvorsteher von Eichhorst, zu dem auch Rosenbeck gehört. "Schade, um den schönen Standort." Da müsse ein finanzkräftiger Investor ran, schlussfolgert er.

Momentan ist die Gemeinde Schorfheide Eigentümerin des Grundstücks, das ungefähr so groß ist wie ein halbes Fußballfeld. Die Verwaltung will neues Leben in die malerisch gelegene Anlage bringen, die im Flächennutzungsplan als "Sondergebiet für Freizeit und Erholung" ausgewiesen ist. Auf eine Ausschreibung hin haben sich drei Interessenten beworben. In einem nächsten Schritt sind sie in der vergangenen Woche nach Finowfurt gekommen, um in der Sitzung des Hauptausschusses ihre Ideen vorzustellen.

Unter den Bewerbern ist auch eine Partei aus Schorfheide. Frank und Rita Wenninger, die in Lichterfelde zu Hause sind, wollen sich dem Grundstück gemeinsam widmen. Er kümmert sich um die Sanierung, sie um die Bewirtschaftung - so ist der Plan. Zu tun, gibt es ihnen zufolge viel: "Das ist eine Ruine", sagt Frank Wenninger, der auch Geschäftsführer der Tischlerei Weisse in Eberswalde ist. "Gescheit wäre, man schiebt's weg und baut's neu."

Dennoch wollen die beiden das Unterfangen in Angriff nehmen. Erfahrung bringen sie mit: Die Wenningers haben eigenem Bekunden nach bereits ein Gebäude in Lichterfelde restauriert. Für Rosenbeck schwebt ihnen ein gastronomischer Standort mit regionalen Produkten sowie Übernachtungsmöglichkeiten, einer technischen Servicestation für Rad und Boot und einem Bootsverleih vor.

Der Haken an der Sache: Unter den Bedingungen, wie sie die Gemeinde vorgibt, wollen die Lichterfelder nicht in den Deal einwilligen. Die Kommune hat eine Vergabe über das Erbbaurecht ausgeschrieben, die den Boden in ihrem Besitz belässt, während die Vertragspartner das Recht erhalten, dort zu bauen. Allerdings von vornherein zeitlich begrenzt: im Fall des ehemaligen "Kräuterhofs" auf 50 Jahre. "Ich wüsste nicht, wie ich es im Erbbaurecht finanzieren könnte", sagt Frank Wenninger.

Wenn die Gemeinde hingegen entscheiden sollte, das Grundstück doch noch gänzlich zu verkaufen, müsste sie es komplett neu ausschreiben. Dazu müsste es allerdings gar nicht erst kommen. Die zwei übrigen Bewerber sind schließlich mit den Bedingungen einverstanden.

So auch Katja und Ludek Pachl aus Berlin. Ihre Idee für Rosenbeck liest sich zunächst ähnlich wie die der Wenningers: Gastronomie, Übernachtung, Fahrradwerkstatt, Reiseapotheke, Sauna, Bootsverleih und so weiter. Der Kniff: "Ich will tschechische Küche anbieten", sagt Ludek Pachl, der selbst 1971 in der damaligen Tschechoslowakei geboren worden ist. "Gulasch, Knödel, Karlsbader Oblaten", zählt er auf. Auch tschechisches Bier von einer kleinen Brauerei aus Svijany soll es geben.

Pachl ist in Berlin selbstständiger Künstler und führt dort obendrein ein Geschäft für Spezialitäten aus seiner Heimat. Gefragt nach gastronomischem Vorwissen gibt seine Frau Katja Pachl an, eine gebürtige Berlinerin, er bringe Erfahrungen im Catering mit. Außerdem seien sie mit einem Grillstand bei der Finowfurter Oldtimer-Veranstaltung "Roadrunner's Paradise" dabei gewesen.

Ein gastronomisches Angebot ist auch in der Bewerbung von Susanne Traumann und Oliver Döring vorgesehen. "Spätestens zu Ostern soll eine Minimalküche geöffnet werden", erklärt Döring, der allein zum Ausschuss erschienen ist. Seine Geschäftspartnerin sei krank.

Das Hauptaugenmerk des Vorhabens liegt aber woanders: "Es geht nicht darum, dort einen weiteren Biergarten zu eröffnen", sagt Döring, der bis vor Kurzem eine Werkstatt für Bootsbau, -reparatur und -design in Berlin betrieben hat. Für diese Werkstatt suchen er und Susanne Traumann einen neuen Standort. "Es geht nicht um ein neues Geschäftskonzept, sondern um einen neuen Ort", erklärt er.

Das ist allerdings nicht alles: Im Konzept fungiert das Schleusenwärterhaus als Anlaufstelle für Besucher - als "Café", wie er es ausdrückt. Drumherum soll Raum geboten werden für Workshops und psychosoziale Projekte. "Das Konzept würde als gemeinnützig angemeldet und anerkannt werden", sagt Döring.

Welcher Variante die Mitglieder des Ausschusses geneigt sind, erfahren Döring, Pachl und Wenninger nicht. Das Gremium spricht lediglich eine Empfehlung für die kommende Gemeindevertretersitzung aus, wo dann eine Entscheidung gefällt wird. Bei dieser Gelegenheit wollen sich auch die Bewerber um den ehemaligen "Kräuterhof" noch einmal präsentieren.

Sitzung: 15. Februar, 19 Uhr, Schule Finowfurt, Aula

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