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Rot ist eine gute Farbe für Fische

Gefährliche Schwerstarbeit: Werner Schulz, André Stöwe und Peter Klawitter bei der Probenentnahme auf der Großen Plötze in Neuendorf.
Gefährliche Schwerstarbeit: Werner Schulz, André Stöwe und Peter Klawitter bei der Probenentnahme auf der Großen Plötze in Neuendorf. © Foto: MZV
Volkmar Ernst / 10.02.2017, 07:00 Uhr
Neuendorf (GZ) Rot ist eine gute Farbe, zumindest wenn es sich um die Vergleichsskala handelt, mit der der Sauerstoffgehalt in einem Gewässer ermittelt wird. Je intensiver die Farbe, umso höher ist der Sauerstoffgehalt.

André Stöwe, Leiter der Geschäftsstelle des Kreisanglerverbandes Oberhavel, ist mit dem Ergebnis zufrieden. "Wir müssen die Große Plötze in Neuendorf noch nicht belüften", stellt er fest und zeigt Werner Schulz die Testflasche mit dem intensiv rot gefärbten Inhalt. Schulz ist nicht nur der Neuendorfer Ortsvorsteher, er ist auch der Chef der Petrijünger Teschendorf/Neuendorf. "Wir hätten unseren Arbeitseinsatz am Sonnabend ansonsten dafür genutzt, das Eis aufzubrechen und Pumpen in den See einzusetzen", sagt Schulz und freut sich, dass er nun die Helfer einsetzen kann, um Äste und Windbruch im Uferbereich zu beseitigen und den noch ausstehenden Teil des Wanderweges um die Große Plötze mit Holzschnitzel zu befestigen.

Gemeinsam mit Peter Klawitter waren Stöwe und Schulz am Mittwoch auf der Plötze, um Löcher ins Eis zu bohren und Wasserproben zu entnehmen. "Ein ganz normales Prozedere", wie Stöwe verdeutlicht. "Wenn es über mehrere Wochen kalt ist und sich auf den Gewässern eine durchgehende Eisschicht bildet, dann muss einfach geprüft werden, wie hoch der Sauerstoffgehalt im See ist. Die Fische könnten sonst ersticken", erklärt er.

Die Arbeit ist bei den Minusgraden nicht gerade leicht zu bewältigen. Alle Drei haben dicke Jacken und Hosen an, um sich vor der klirrenden Kälte zu schützen. Dann geht es los, Stöwe hat den Bohrer in der Hand, Schulz den Stab mit dem Probeentnahmebecher. Ganz vorsichtig setzt sich der Trupp vom Ufer aus in Bewegung. Behutsam wird darauf geachtet, ob sich das Eis bewegt und Geräusche zu hören sind, möglicherweise sogar ein Knacken.

Gut 20 Meter vom Ufer entfernt, setzt Stöwe das erste Mal den Bohrer an und dreht. Während sich der Bohrer ins Eis hineinbewegt, wird umgekehrt loses Eis an die Oberfläche befördert. Dann ist das Loch offen. Peter Klawitter äugt fachmännisch hinein, dann die Feststellung: "Sehen kann ich keinen Fisch." Die Drei lachen, auch das wärmt bei diesen Minusgraden, wie sie übereinstimmend versichern.

Jetzt ist Schulz an der Reihe. Er tunkt den Becker ins Wasser, um möglichst nah am Boden eine Wasserprobe zu nehmen. Zwischen 2 und 2,5 Meter tief ist die Plötze dort, wo die Proben genommen werden. Das Wasser wird nun in einen Glasbehälter gefüllt. Dann geht es weiter zur nächsten Bohrstelle.

Untersucht werden die Proben von Stöwe gleich vor Ort. Auf einer Bank am Rande des Sees hat er die wenigen Utensilien abgestellt, die zur Untersuchung des Wassers gebraucht werden: ein Messgefäß und mehrere Chemikalien. 40 Milliliter Wasser werden zur Untersuchung abgefüllt und nacheinander Tropfen verschiedener Chemikalien zugegeben. Die dritte ist sozusagen der Indikator, der die rote Farbe erscheinen lässt. "Mindestens vier Milligramm Sauerstoff pro Liter Wasser brauchen die Fische zum Überleben", erklärt Stöwe und zeigt auf die Farbskala mit den Rotschattierungen. Die weiße Farbe zeigt an, dass kaum Sauerstoff vorhanden ist, dann geht es in Schritten weiter bis zur Zehn - sozusagen der optimale Sauerstoffgehalt in einem Gewässer. Die Flüssigkeit aus der Großen Plötze, die sich im Reagenzglas befindet, das Stöwe in der Hand hält, färbt sich immer intensiver, bis schließlich die Zehn-Grad-Marke erreicht ist. Der Angler freut sich. "Für die Fische besteht keine Erstickungsgefahr", stellt er klar. Das gilt nicht nur für die Kleine und Große Plötze in Neuendorf, sondern auch für den Lehnitzsee, wo er bereits Proben genommen hat. Als Fachmann geht er davon aus, dass überall Farb- beziehungsweise Sauerstoffsättigungswerte zwischen acht und zehn erreicht werden. Nächste Stationen auf seiner Tour zu den Angelgewässern in Oberhavel sind der Börner See, der Hubertus- und der Wolfsee in Borgsdorf.

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