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Vom Teufel geholt: die Bredows

Der Teufel mit seinem Sack in Friesack.
Der Teufel mit seinem Sack in Friesack. © Foto: Wernitz
Rene Wernitz / 08.03.2017, 09:31 Uhr
Wagenitz/Havelland (MOZ) Aus erster Hand und berufenem Munde gibt es am 18. März eine Familiengeschichte in der Wagenitzer Kellergaststätte. Ein weiblicher Bredow-Spross nimmt die dortigen Gäste mit auf eine kleine Zeitreise durch die Geschichte derer von Bredow. Beginn ist um 19.00 Uhr. Eintritt frei!

Laut Regine Born vom gastgebenden Heimatverein Wagenitz habe schon Theodor Fontane bemerkt: "Von allen märkischen Adelsfamilien sind die Bredows die märkischste unter ihnen."

Tatsächlich stellt es eines der ältesten und bedeutendsten Adelsgeschlechter der Mittelmark dar. Das war im Mittelalter die Gesamtheit der Region zwischen Altmark im Westen und Neumark im Osten. Das Havelland gehörte demnach zur Mittelmark. Und in eben jener Gegend, die von der Havel förmlich umflossen wird, haben die von Bredows einst ihre Wurzeln geschlagen.

Als am 13. Oktober 1894 ein Denkmal zu Ehren des brandenburgischen Hohenzollern-Kurfürsten Friedrich I. im Beisein von Kaiser Wilhelm II. enthüllt wurde, soll der Kaiser die Frage an den neben ihm stehenden Wolf Dietrich Otto von Bredow gerichtet haben: "Sagen Sie mal Bredow, wie lange sind denn also die Bredows schon in Brandenburg?" Wie Regine Born berichtet, habe die Antwort das Gefolge des Kaisers erstarren lassen: "Also, die Bredows sind bereits 150 Jahre länger als seiner Majestät Familie in Brandenburg nachgewiesen."

Kaiser Wilhelm soll das mit Humor genommen haben. Seine Vorfahren waren erst um 1415 ins Kurfürstentum gekommen. Die von Bredows gab es demnach schon seit Mitte des 13. Jahrhunderts im Havelland. Über die Geschichte des zur Gemeinde Brieselang gehörenden Dorfes, das schon vom Namen her mit der Familie eng verwoben ist, heißt es auf www.bredow-dasdorf.de: "1251 wird in einer Urkunde zum ersten Mal ein Ritter Arnoldus de Bredow genannt, dessen Familie von nun mit der Geschichte des Ortes eng verbunden ist. Geschichtlich ungeklärt ist die Frage, ob die Ritterfamilie dem Ort oder der Ort der Ritterfamilie den Namen Bredow gegeben hat."

Die Bredows vermehrten sich prächtig und breiteten sich aus. Wohl in Unwissenheit über den familiären Ursprung im Havelland gelangte eine Sage in Umlauf, die aber an Friesack geknüpft ist. 1335 waren die damalige Burg und dazu gehörenden Ländereien als Lehen an die Bredows gegangen. Laut Sage hatte der Teufel die Sprösslinge in einen Sack gesteckt und war mit der Last losgeflogen. Eine Kirchturmspitze riss ein Loch in den Sack, durch das die Bredows ins Freie purzelten. Den Ort, wo die Kirche stand, sollen die dort Freigekommenen "Frie-sack" genannt haben.

Nach der Richtung des Weges, den sie danach nahmen, sollen die Namen anderer Orte entstanden sein. Die Rede ist von Pessin, Landin, Selbelang, Retzow und Bredow. Doch die Bredows gab es nicht nur dort. Unter anderem lebten Abkömmlinge auch in Görne.

Zu Zeiten von Otto Friedrich Ludwig Karl Ferdinand August von Bredow (1824-1894) besuchte Theodor Fontane das Herrenhaus im Ort. Dieses war im Mai 1889 das letzte Ziel der Wanderungen des Heimatdichters durch die Mark Brandenburg, ehe dieser den fünften und damit letzten Band fertigstellte. Weniger populär ist Senzke als bredow'scher Besitz. Womöglich brachten die Besitzer dort den eigenen Fortpflanzungstrieb nachhaltig unters Volk: "Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erzählen die Kirchenbücher von reichem Kindersegen und Vielweiberei in Senzke. So waren 14 bis 18 Kinder von zwei oder drei Frauen nicht selten, wie z.B. Bauer Säger von drei Frauen 14 Kinder, Kossät Frielitz von drei Frauen 18 Kinder und Bauer Zietmann mit zwei Frauen 16 Kinder".

Eine Vertreterin des Senzker Zweigs der Bredows ist die Referentin am 18. März in Wagenitz.

Bei ihr handele es sich um die älteste Enkelin des letzten Schlossbesitzers. Ihr Großvater hat die Güter in Senzke und Haage durch die Bodenreform verloren. Er und seine Familie mussten das Havelland 1945 verlassen. Ihr eigener Lebensweg hat die Referentin zwar nicht ins Havelland zurück geführt, aber sie sei gern und häufig vor Ort: "Davon zeugen auch ihre Vortragsreisen in unsere Region", erklärt Regine Born. Einen würdigen Rahmen für die nächste Veranstaltung, die auch ein wenig die eigene Vergangenheit erhellen würde, bilde das historische Backsteingewölbe der Kellergaststätte, der ehemaligen Brennerei des Bredowschen Gutes von Wagenitz, so Regine Born.

Laut Wikipedia handele es sich um den einst wohl schönsten Wohnsitz derer von Bredow. Er brannte 1945 aus. Übrig ist nur noch der sogenannte Schwedenturm, bei dem es sich aber früher um eine Küche handelte. Heute befindet sich in seinem Inneren eine museale Ausstellung.

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