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Türkanten-Hocker vom Holzwurm

Die Werkstatt ist winzig: Hier fertigt Ernst Bernsee Steck-Puzzle, Holzpferdchen und Prinzessinnen-Lampen für Kinder und Eltern. Zum Leben erwecken - wie etwa bei Pinocchio - kann er seine Figuren zwar nicht, dafür bringen sie Fröhlichkeit ins Kinderzimme
Die Werkstatt ist winzig: Hier fertigt Ernst Bernsee Steck-Puzzle, Holzpferdchen und Prinzessinnen-Lampen für Kinder und Eltern. Zum Leben erwecken - wie etwa bei Pinocchio - kann er seine Figuren zwar nicht, dafür bringen sie Fröhlichkeit ins Kinderzimme © Foto: MOZ/Oliver Schwers
Oliver Schwers / 14.03.2017, 06:20 Uhr
Frauenhagen (MOZ) Ein Unfall machte Ernst Bernsee aus Frauenhagen erwerbsunfähig. Der gelernte Maurer bekommt seitdem eine winzige Rente. Auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung entdeckte er den Holzwurm in sich. Jetzt baut er Spielzeug und Osterdekoration.

Die Werkstatt ist so eng, dass jede Bewegung Staub und Späne aufwirbelt. An den Wänden des früheren Stalls hängen Sägen, Zangen und Bohrer. Es riecht nach frischem Holz. Der Schemel von Ernst Bernsee findet gerade noch Platz hinter der Werkbank. Hier beginnt sein Reich. Hier sucht er die Ruhe, um seinen Händen wieder Arbeit zu geben und mit seinen Ideen vor allem Kindern eine Freude zu machen.

Sorgsam lässt er die Säge durchs Sperrholz rattern. Sie zieht Linien, Kurven und Kreise. Jeder Schnitt wird behutsam nachgeschliffen. Die dünnen Brettchen bekommen nach und nach eine erkennbare Form, verwandeln sich in eine Prinzessin. Ein Kleid aus rosaroter Farbe vollendet die Figur. Jetzt noch ein paar Löcher und fertig ist die originelle Kinderzimmerlampe. Für Jungs macht ein behelmter Ritter Licht.

An Dekorationsideen mangelt es Ernst Bernsee nicht. Rollende Pferdchen und Namensschilder, Fensterschmuck und Tischbrettchen, Kerzenleuchter und Pyramiden entstehen unter seinen Händen. Auf die Ursprungsidee kamen seine Kinder. "Bau uns doch einen Schwibbogen", schlugen sie vor, als der Vater nach einer sinnvollen Beschäftigung suchte. Das hatte er schon früher mal gemacht. Aus der Idee wurde ein Hobby und nun eine echte Beschäftigung mit angemeldetem Nebenerwerb. Rund 100 verschiedene Vorlagen für Schwibbögen kann er mittlerweile anbieten. In allen Formen und Größen. Sonderwünsche mit Holzfällerwagen oder Hundemotiven sind keine Seltenheit. Sogar den Kopf des geliebten Vierbeiners als Wandlampe.

Seine Motive findet der 57-Jährige in Zeitungen, im Internet oder im Fernsehen. Leute vom Lande brauchen Außenthermometer. Ernst Bernsee baut das Dach darüber. Frauen suchen nach Windlichtern und Herbstdekoration. Kinder sind vom Steck-Puzzle oder von Türkantenhockern begeistert: Dabei lässt ein frecher Holzrabe die Buchstaben des jeweiligen Namens am Türrahmen herabhängen.

Was ihm fehlt, ist ein großes Schaufenster für all seine hölzernen Bären, Hirsche, Weihnachtsmänner und Osterhasen. Die Kunden kommen zu ihm in die Wohnstube. Aus Platzmangel lässt er sie in Fotokarteien blättern. Denn bisher hat sich Ernst Bernsee nur wenig auf größere Märkte getraut. Unter Peterchens Holzstube zeigt er dafür bei Facebook Beispiele seiner unerschöpflichen Sägerei. Und in Magdeburg mietet er in einem Fächerei-Geschäft ein eigenes Verkaufsfach - neueste Idee in Großstädten.

Ansonsten lagert sein immer größerer Bestand an Taufgeschenken, Deko-Arbeiten und Kinderspielzeug in großen Kartons in der Garage. Reich kann er damit nicht werden. Und den Stundenlohn mag er sich gar nicht ausrechnen, schließlich bastelt er an den größeren Sachen bis zu einer Woche. Doch die Aufgabe in seiner Werkstatt gleich neben dem Häuschen am Rande von Frauenhagen erfüllt ihn mit Zufriedenheit. Zurzeit haben Hasen und Eier Hochkonjunktur. Bis Ostern muss die Säge noch ganz schön rattern, um allen Ideen eine Form zu geben.

Tag der offenen Tür: 18. März, 13 bis 17 Uhr, Frauenhagen, Alte Dorfstraße 39.

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