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Glyphosat ja, aber nicht im Spargel

Auf rund 450 Hektar Land rund um Rauschendorf wird in der kommenden Saison Spargel geerntet. Landwirt Gregor Hufmann rechnet mit etwa 3 500 Tonnen Edelgemüse bis zum Saisonende.
Auf rund 450 Hektar Land rund um Rauschendorf wird in der kommenden Saison Spargel geerntet. Landwirt Gregor Hufmann rechnet mit etwa 3 500 Tonnen Edelgemüse bis zum Saisonende. © Foto: GZ/Mandy Oys
Mandy Oys / 22.03.2017, 05:27 Uhr
Rauschendorf (GZ) Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist eine Frage der Einstellung, aber vor allem der Wirtschaftlichkeit. Natürlich gibt es auch schwarze Schafe, sagt der Chef der Agrar GmbH Sonnenberg, Gregor Hufmann. Die große Mehrheit der Landwirte führe ihre Betriebe aber vernünftig.

Doch Hufmann sieht sich immer öfter mit Misstrauen konfrontiert. Zuletzt, als vergangene Woche die Spritze über seine Felder fuhr. Darin: biologische Bodenhilfsstoffe, "flüssiger Humus", sagt Hufmann, Produkte, die für den Bio-Anbau zertifiziert sind".

Dass er auch Glyphosat einsetzt, darum macht der Landwirt keinen Hehl. Natürlich kommt das Mittel zum Einsatz. Allerdings auf lediglich einem Fünftel seiner Flächen. Die Betriebe in Deutschland setzten wenig Glyphosat ein, anders als in den USA oder anderen Ländern. "So reglementiert wie wir es in Deutschland einsetzen, ist es sonst nirgendwo." Außerdem kosten Pflanzenschutzmittel Geld. Soll ein Betrieb funktionieren, müsse er effizient arbeiten. Klare Sache, eigentlich. Landwirten vorzuwerfen, sie setzen Glyphosat übermäßig ein, nennt Hufmann haltlos und kommt wieder auf die Wirtschaftlichkeit zu sprechen.

Wird Glyphosat ausgebracht, wird das Kraut auf den Äckern "totgespritzt". Die Pflanzenmasse werde später untergearbeitet und diene als Humus. Der Pflug komme bei ihm auch deshalb wenig zum Einsatz, weil der Pflanzenbewuchs gewollt sei, um der Erosion der Böden vorzubeugen.

Auf den 490 Hektar Spargeläckern wird allerdings gar kein Glyphosat ausgebracht, erklärt Gregor Hufmann. Die Gefahr, dass die Spargelpflanzen Schaden nehmen, sei ihm zu groß - der Grund sei ihre große Blattmasse. Auch Stickstoff benötige Spargel kaum, nur etwa halb so viel wie Weizen, verdeutlicht Gregor Hufmann. Nach der Düngung vergangene Woche passiert auf den Spargelfeldern vorerst nichts mehr. Die Folien werden gelegt. Nach dem Sturm am Wochenende müssen die teilweise erneuert werden. Bis nach der Ernte Ende Juni bleiben die Felder unbehandelt. "Danach dämmen wir den Spargel ab." Die Erdhügel werden heruntergenommen, und es kommt ein Herbizid gegen Unkräuter und Gräser zum Einsatz.

Der Spargel selbst komme gar nicht mit Herbiziden in Berührung, denn der wachse erst ein halbes Jahr später. Im vergangenen Jahr genügte eine Anwendung. Es könne aber auch sein, dass eine zweite Behandlung durchgeführt werden muss. Das komme immer auf die Witterung an, sagt Hufmann deutlich.

Gesunde und vitale Pflanzen seien schließlich das Ziel. Wenn die Pflanzen beobachtet werden und früh genug etwas gegen Unkräuter, aber auch Pilzkrankheiten unternommen wird, muss sehr viel weniger Pflanzenschutzmittel und auch Düngemittel gespritzt werden. Einmal im Monat schickt Hufmann eine Handvoll Blattmasse ins Labor, um zu erfahren, was den Pflanzen fehlt, ob er Kalk zusetzen muss oder andere Mittel. Außerdem könne man vorbeugen, dass Herbizide nicht in tiefere Erdschichten vordringen. Es gebe Hilfsstoffe, die das ausgebrachte Mittel im Oberboden halten. Das ist sowohl für den Gewässerschutz als auch die Wirtschaftlichkeit des Betriebes gut.

Doch Hufmann experimentiert auch mit anderen Methoden. Auch dabei ist die Wirtschaftlichkeit der Schlüssel. Ein Beispiel: das Strip-Till-Verfahren auf Getreide- und Rapsfeldern. Dabei wird Hufmann zufolge der Boden nur auf den Streifen tief gelockert und gedüngt, wo später auch die Pflanzen stehen. Das spart erneut Ressourcen. Der Dünger müsse nicht auf der gesamten Fläche ausgebracht werden. Zudem werde der Boden geschont. Seit drei Jahren experimentiert Hufmann damit. Dabei läuft alles computergestützt. Von seinem PC aus, schickt er dem Fahrer aufs Feld, welche Spur er nehmen muss. Es wird die immer gleiche gefahren, um möglichst wenig kaputt zu machen und den Boden nicht unnötig zu verdichten.

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Martin Sauer 22.03.2017 - 10:43:17

Nur ein Teil des Problems.

Die Spargelsaison naht, da wird es wieder Zeit für die "Aufklärung" des Verbrauchers durch die Erzeuger, bald kommen dann auch wieder die Bilder der glücklichen Erntehelfer. Der neue Radweg von Gransee nach Schulzendorf bietet hinreichend Gelegenheit, sich das selbst anzusehen: Auf den Spargelfeldern gibt es keine Pflanzen ausser dem Spargel, wie auch immer der Landwirt das hinkriegt. Glyphosat ist sicher nur ein (kleiner) Teil des Problems. Von der Bekämpfung tierischer Schädlinge wird hier nicht gesprochen... Zudem ist es bewiesen, dass in Regionen, in denen über einen längeren Zeitraum Spargel angebaut wird, die Nitratwerte im Grundwasser steigen. Aber vielleicht hat das Geisenheimer Institut, dass dazu seit Jahren forscht, schon eine Lösung gefunden?

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