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Fernmeldebunker in Kunersdorf öffnet seine Türen / Besucher erhalten Einblick in Schutzmechanismen und technische Ausstattung

Rettung bei atomaren Schlägen

Birte Förster / 27.03.2017, 07:25 Uhr
Kunersdorf (MOZ) Relikt aus Zeiten des Kalten Krieges: Im Rahmen der Barnimtage konnten Interessierte am Wochenende den Fernmeldebunker in Kunersdorf besichtigen. In den verwinkelten Gängen erhielten die Besucher einen Eindruck von den Räumlichkeiten und der technischen Ausstattung.

Etwas beengend ist die Atmosphäre, wenn man die verwinkelten Gänge des Fernmeldebunkers in Kunersdorf betritt. Für den Fall einer atomaren Bedrohung verfügte der Bunker über ein ausgeklügeltes System mit diversen Schutzmechanismen. Durch mehrere Eingänge oder Schleusen führt Manfred Oehler die Gäste, um ins Innere des Bunkers zu gelangen. "Die stabilen Türen hatten den Zweck, das Bauwerk gegen Druckwellen zu schützen", erklärt der Experte. "Bei chemischer oder atomarer Verseuchung der Luft konnte die Außenluft ferngehalten werden." Die Luft wäre in dem Fall vor allem nach außen geströmt, sagt Oehler. Aber wie konnten die Menschen so länger im Inneren überleben? Bei einem späteren Gang in den Keller des Bauwerks zeigt der Bunker-Experte die Druckluftanlage. Darin enthalten sei Zusatzluft, um den Sauerstoffgehalt der Luft zu verbessern, erklärt er. Über eine Filteranlage gab es zudem die Möglichkeit, Außenluft nach Innen zu führen und die darin enthaltenen Giftstoffe auszusondern. Als Oehler die Gruppe durch die verschachtelten Gänge geleitet, verweist er auch auf den Auskleideraum und die Duschen. Im Ernstfall hätten dort diejenigen, die den Bunker betreten, ihre Kleidung ablegen und sich waschen müssen.

Die Bauzeit des Bunkers mit einer 4,60 Meter dicken Betondecke war von 1975 bis 1981. "Der Bunker war nur für den Kriegsfall bestimmt", sagt Oehler. Das Gebäude sei niemals in vollem Umfang in Betrieb genommen worden. Betrieben wurde er bis 1990 laut Oehler von insgesamt 80 Armeeangehörigen der NVA sowie von Wartungsmechanikern. Nach der Auflösung der NVA wurde die ganze Anlage an die Bundeswehr übergeben. Von der damals vorhandenen technischen Ausstattung ist heute nur noch ein Teil vorhanden. Die Bundeswehr habe alle technischen Anlagen entfernen lassen, berichtet Oehler. Später sei aber wieder ein Teil zurückgekommen, hauptsächlich über Sachspenden.

Im Bunker zu entdecken gibt es auch eine Telefonzentrale. Aber nur noch ein paar Zuleitungen seien vorhanden, erklärt Oehler. Später geht es in den Raum des Funkdispatchers. Dort konnten Funkverbindungen hergestellt werden. Eine Besonderheit sei auch, dass dort geheim gehalten werden könne, von welcher Funkstelle eine Verbindung aufgebaut werden solle, erklärt der Experte. Die Anlagen seien alle weggeschafft worden, so Oehler. Aber einen Sender hätten sie inzwischen zurückbekommen. "Wir haben versucht, ihn wieder funktionstüchtig zu machen", sagt er. Das sei allerdings schwierig, da er lange Zeit nicht in Betrieb gewesen ist.

Gegen Ende der Tour bedauerten die Besucher vor allem eines: Dass die Heizungsanlage im Keller nicht in Betrieb genommen werden könne, wie Oehler zuvor erklärt hatte. Bei etwa zehn Grad Celsius im Inneren wurde es für den einen oder anderen mit der Zeit immer frösteliger. So war man dann doch froh, nach der Bunker-Führung wieder die Frühlingssonne zu erblicken.

Weitere Informationen über den Fernmeldebunker in Kunersdorf gibt es unter www.bunker-kunersdorf.de. Das Bauwerk befindet sich am Waldweg 2 in Kunersdorf, etwa 500 Meter von der B 158 entfernt.

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