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Familie aus Kamerun muss mit kurzfristiger Ausweisung rechnen / Willkommensinitiative kämpft um humanitäres Bleiberecht

Bärenklauer Flüchtling von Abschiebung und Tod bedroht

Hoffen auf ein Bleiben in Deutschland: Annie Njanda und ihrer Kinder Odile und Jovial.
Hoffen auf ein Bleiben in Deutschland: Annie Njanda und ihrer Kinder Odile und Jovial. © Foto: MZV
Robby Kupfer / 30.03.2017, 07:55 Uhr - Aktualisiert 30.03.2017, 11:52
Bärenklau (OGA) "Ist das noch mein Land?", fragt Werner Moll von der Initiative "Willkommen bei uns in Oberkrämer, Leegebruch und Velten" (WOLV). Der Fall, der den erfahrenen Flüchtlingshelfer zum Verfassen eines Offenen Briefes und zum Initiieren einer Unterschriftenaktion veranlasst hat, betrifft Annie Njanda und ihrer Kinder Odile und Jovial.

Die 29-Jährige, ihre achtjährige Tochter und ihr vier Jahre alter Sohn stammen aus Kamerun. Bis Mai vergangenen Jahres lebten sie in Bazou, einer Stadt im Südwesten des afrikanischen Landes. Seit November 2016 wohnen die drei im Flüchtlingswohnheim in Bärenklau. Die Monate dazwischen waren geprägt von der verzweifelten Flucht der jungen Mutter, die auf dem Weg über den halben afrikanischen Kontinent und übers Mittelmeer mehrfach um ihr eigenes und ihrer Kinder Leben bangen musste. Auslöser waren laut Aussage der Kamerunerin mehrere Morddrohungen sowie ein Überfall maskierter Männer gewesen, die sie unmissverständlich zum sofortigen Verlassen der Heimatstadt und des Landes aufforderten.

Was den Fall im Kontext des Asylrechts besonders schwierig macht, ist der Fakt, dass die Drohungen im Rahmen von Erbstreitigkeiten aus dem Familienumkreis, insbesondere vom Halbbruder Annie Njandas, stammen. Zwar war die 29-Jährige mit den auch per SMS eingegangenen Morddrohungen zur kamerunischen Polizei gegangen, hatte von dort aber keinerlei Hilfe erfahren. "Ich war mir sicher, dass er mich umbringen lässt, wir mussten so schnell wie möglich weg", flüstert Annie Njanda mit gesenktem Kopf, während Odile und Jovial durchs Zimmer im Bärenklauer Heim toben. Insbesondere die Kinder haben sich schnell eingelebt. Odile geht in die Vehlefanzer Grundschule und spricht nach wenigen Monaten schon erstaunlich gut Deutsch. Und auch Jovial, der laut Werner Moll von der Flucht noch immer traumatisiert ist, hat im Bärenklauer Kindergarten Freunde gefunden. "Annie hat sich vom ersten Tag an im Heim um Integration bemüht", weiß der Flüchtlinghelfer.

Doch die Familie, und deshalb auch der öffentliche Hilferuf der WOLV-Aktivisten, ist akut von Abschiebung bedroht. Nach der schnellen Ablehnung ihres Asylantrags als "offensichtlich unbegründet", wurde auch eine von der Initiative unterstützte Klage gegen diesen Bescheid vom Verwaltungsgericht Potsdam - ohne Anhörung und nur nach Aktenlage - am 14. März abgewiesen. In beiden Fällen ist die Begründung nahezu identisch: So liege "keine politische, das heißt staatliche Gewalt" vor. Zudem sei "von inländischen Fluchtalternativen in Kamerun auszugehen".

Werner Moll und mehr als 100 Unterzeichner der Online-Petition sehen das definitiv anders. "Es gibt nicht nur politische Fluchtgründe, sondern auch ganz persönliche - zum Beispiel, wenn man als Mutter von zwei kleinen Kindern mit dem Tode bedroht wird." Auch die so betitelte inländische Fluchtvariante hält Werner Moll für "schlichtweg lebensbedrohlich". Der Halbbruder habe Annie Njanda mehrfach versichert, so Moll, dass er sie überall im Land aufstöbern könne.

Da mit der Abweisung der Klage gegen den Asylbescheid der Rechtsweg ausgeschöpft ist, ist die Gefahr der Abschiebung in den vergangenen Tagen akut geworden. "Annie Njanda wurde behördlich aufgefordert, sich bis zum 3. April zu erklären, wie und wann sie aus Deutschland auszureisen gedenkt", so Moll. Um auf das Schicksal der Familie aufmerksam zu machen, und gegen die drohende Abschiebung zu protestieren, hat die Willkommensinitiative zusätzlich zum offenen Brief auf einer Facebook-Seite die Möglichkeit geschaffen, mit seiner Unterschrift für Annie Njanda und ihre Kinder einzutreten.

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