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"Südwind" aus der Toskana

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Matthias Henke / 20.04.2017, 23:35 Uhr
Bergsdorf (GZ) Das Kurt-Mühlenhaupt-Museum Bergsdorf bleibt ein Anziehungspunkt für hochkarätige Künstler. Neuester Coup der Einrichtung: Am 7. Mai wird die Ausstellung "Vento del sud - Südwind" mit Werken von Achim Freyer eröffnet. Freyer stellte auch schon bei der Documenta in Kassel aus.

"In das Kurt Mühlenhaupt Museum lädt man gerne Gäste ein, welche nicht nur die große weite Welt raus aufs Land bringen, sondern vor allem auch Künstler, welche eine Seelenverwandtschaft mit Kurt Mühlenhaupt verbindet", heißt es in der Einladung des Museums. Kurt Mühlenhaupt sei auch so ein künstlerischer Tausendsassa gewesen wie Achim Freyer einer sei. Mühlenhaupt war Maler und Schriftsteller, aber auch Grafiker, Bildhauer, Landschaftsarchitekt und Musiker. Und auch Freyer lässt sich nicht auf ein Berufsbild festlegen: Er ist Maler, Bühnenbildner und Regisseur. Auch als Kunstsammler hat er sich einen Namen gemacht.

Der gebürtige Berliner Achim Freyer, Jahrgang 1934, studierte Grafik und begann zunächst als Maler. Mit 23 kam er ans Berliner Ensemble und sollte dort Plakate entwerfen. Dort begegnete er Berthold Brecht, woraufhin Freyer sein Meisterschüler wurde. Freyer entwarf in der Folge Bühnenbilder auch für Adolf Dresen. Dessen Inszenierung von Goethes "Clavigo" am Deutschen Theater wurde 1971 in Ost-Berlin verboten. Freyers Bühnenbild wurde nach der Premiere politisch kritisch gedeutet wurde, woraufhin er gefeuert wurde und Hausverbot erhielt. Praktisch entsprach dies einem Berufsverbot. Daraufhin plante Freyer seine Flucht in den Westen. Er nutzte dafür 1972 ein Gastspiel der Volksbühne in Italien. Am Ende der Tournee blieb er dort und ging später nach Westdeutschland. Seine Frau Ilona und seine zwei Töchter folgten ihm in die Freiheit.

Italien blieb er aber eng verbunden. Die Toskana ist bis heute noch neben Berlin sein Wohnsitz. In den Sommermonaten arbeite er dort in seinem Atelier. Die Bilder, die in der Ausstellung des Kurt Mühlenhaupt Museums gezeigt werden, sind dort entstanden.

1977 und 1987 sind seine Bilder auf der Kasseler Documenta zu sehen. Er hatte überdies internationale Einzelausstellungen in Florenz, Venedig, Los Angeles, Moskau, Warschau, Linz und Wien. Doch in der Öffentlichkeit spielt die Malerei einer zunehmend geringere Rolle. Seit Ende der 1970er-Jahren widmet Freyer sich wieder verstärkt den Bühnenbildern. Ebenso als Opernregisseur machte er Karriere und wurde international bekannt.

In Berlin-Lichterfelde hat er seit 2012 seine Kunstsammlung öffentlich gemacht. Gut zweitausend Bilder sind dort versammelt, darunter etwa Werke von Matisse und Neo Rauch. Auch ein Aquarell Kurt Mühlenhaupts ist im Kunsthaus der Achim-Freyer-Stiftung vertreten.

Die Vernissage am 7. Mai beginnt um 15 Uhr. Achim Freyer spricht ein Grußwort. Die Eröffnungsrede hält Matthias Flügge, Rektor der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Eintritt: acht Euro.

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