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Drei Jahreszeiten im Glas

Die Ernte kann beginnen: Das erste Gemüse im Gewächshaus des Biohofes Kepos ist reif. Leo Tiede und Susanne Ludwig helfen bei Anbau und Pflege.
Die Ernte kann beginnen: Das erste Gemüse im Gewächshaus des Biohofes Kepos ist reif. Leo Tiede und Susanne Ludwig helfen bei Anbau und Pflege. © Foto: MZV
Mandy Oys / 22.04.2017, 07:00 Uhr
Altglobsow/Neuglobsow (GZ) Obst und Gemüse verwerten, wenn es wächst. Susanne Ludwig und Leo Tiede verwirklichen ihren Traum, den von der eigenen Manufaktur. Kommenden Sonnabend eröffnen sie auf dem Kepos-Hof von Frank Rumpe in Altglobsow.

Die Jungunternehmer haben die Marmeladenkocherei vor drei Jahren begonnen, um etwas Geld neben dem Studium zu verdienen - gemeinsam. Leos Großmutter verriet den beiden, wie das Einmachen funktioniert. Die ersten Gläser waren noch gut abgekochte Fundstücke, die Früchte selbst gesammelt. Inzwischen sind Susanne und Leo erfahrene Marmeladenköche - und haben sich Verstärkung geholt mit Freund Phil Hartmann. Die Früchte kommen noch immer aus der Region, von Feld und Flur und vom Biohof. Dessen Besitzer Frank Rumpe hat den "Drei Jahreszeiten" die Gelegenheit gegeben, die Gläserne Manufaktur einzurichten. Ursprünglich sollte im Haus direkt an der Seestraße eine Eierpackstation entstehen, erzählt Susanne Ludwig. Allerdings waren die behördlichen Auflagen so hoch, dass sich Frank Rumpe von der Idee verabschiedete und stattdessen auf einen Hofladen setzte. Mit der Manufaktur wird beides verwirklicht. "Eine Kooperation" nennt Leo Tiede die Zusammenarbeit. Die "Drei Jahreszeiten" und den erfahrenen Biohof-Betreiber verbinde die gleiche Idee. Heimisches Obst und Gemüse vernünftig anzubauen und jedem Gast die Gelegenheit zu geben, frische Zutaten selbst zu ernten. Was Oma noch beherrscht, sei der jungen Generation abhanden gekommen: das Wissen um Fruchtfolge, richtige Ernteweise und Haltbarmachung, sagt Leo. Dank Oma und unzähliger Gelierproben kennt er sich heute aus. "Hier in Altglobsow sollen die Leute erleben, wie aus Erdbeeren, Rhabarber, Tomaten und Kürbis Brotaufstriche werden." Dazu Kaffee, Kuchen und ein Gespräch zwischen Kupferkesseln und Marmeladengläsern, Likören und Säften. Ihre Familien unterstützen die beiden. Leos Oma ersetzt die Etikettiermaschine, sagt Susanne lachend. Darauf steht übrigens nicht "Marmelade", sondern Frucht- oder Brotaufstrich. Denn laut EU-Konfitürenverordnung darf nur Marmelade genannt werden, was Zitrusfrüchte enthält. Der Umgang mit der Fülle von Vorschriften ist eine Erfahrung, die die jungen Unternehmer machen mussten.

Was sie nicht selbst herstellen können, beziehen sie von Bio-Produzenten. Mit einer Reihe von ihnen sind Vereinbarungen getroffen worden. Das Apfelpektin kommt aus der Region um Werder. Gelierzucker verwenden die beiden nämlich nicht. Äpfel lassen sie in einer nahen Mosterei pressen. Mehl, Reis, Brot, Wurst und Weine wollen sie in kleinem Rahmen anbieten.

Die nächsten Projekte der "Drei Jahreszeiten" sind die Biozertifizierung und das eigene Café im Neuglobsower Stechlinseecenter. Eine zweite Gläserne Manufaktur einzurichten, war die erste Idee. Die lasse sich aber auch aus bautechnischen Gründen nur schwer verwirklichen. Susanne Ludwig, Leo Tiede und Phil Hartmann werden dort frisch Zubereitetes aus Altglobsow anbieten. Der Vertrag mit dem Verein Stechlinseecenter sei vergangene Woche unterzeichnet worden. Die Kochlöffel sollen in den kommenden Jahren noch um einiges größer werden. Irgendwann wollen sie 4 000 bis 5 000 Produkte im Monat herstellen, um von ihrem Traum leben zu können, sagt Susanne. Wenn die 86 Hochstämme auf der hofeigenen Streuobstwiese tragen. Wenn Leo sein Gartenbaustudium und Phil das der Agrarwissenschaften abgeschlossen hat. Dieses Jahr haben die Drei 500 Rhabarberpflanzen gesetzt. Kürbisse soll es im Herbst reichlich geben, für Chutneys und Suppen im Weckglas. Denn was wächst, wird verwertet.

Eröffnet wird die Gläserne Manufaktur in der Seestraße 1b am 29. April mit einem Hoffest von 10 bis 19 Uhr. Geöffnet ist der Laden freitags bis sonntags, während der Sommerferien an sieben Tage pro Woche.

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