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Neubarnimer Ortsvorsteher initiierte Aktion, die an Jubiläen im Zusammenhang mit der Oder erinnert

Schilder zeigen Wasserstand 1947

Hochwassermarke: Sie wurde auch am Haus von René Feldmann und Katja Birkle gesetzt. Sohn Remo (5) war mit Ortsvorsteher Ulrich Seifert-Stühr und Sylvia Gerhardt dabei. (v.r.
Hochwassermarke: Sie wurde auch am Haus von René Feldmann und Katja Birkle gesetzt. Sohn Remo (5) war mit Ortsvorsteher Ulrich Seifert-Stühr und Sylvia Gerhardt dabei. (v.r. © Foto: Johann Müller
Doris Steinkraus / 01.05.2017, 19:38 Uhr
Neubarnim (MOZ) Mit einem etwas anderen Auftakt begrüßte der Letschiner Ortsteil den Mai. Der Ortsbeirat hatte zum Hochwasserspaziergang eingeladen - und vor allem "Neu-Neubarnimer" kamen.

Katja Birkle und René Feldmann haben sich vor drei Jahren in das langgezogene Straßendorf verliebt. Sie leben in Berlin, hatten aber schon viele Jahre mit einem Häuschen draußen auf dem Lande geliebäugelt - fürs Wochenende und für die Ferien. Der Zufall führte sie nach Neubarnim. "Wir waren sofort begeistert vom Fachwerkhäuschen", sagt Katja Birkle. "Auch wenn wir wissen, da noch viel Arbeit und Geld nötig sind, um es wieder ganz herzurichten." 1780 erbaut, gehört ihr Haus in der Hauptstraße 63 zu den ältesten im Dorf. Die alten Häuser wirken wie geduckt an der langen Dorfstraße, da sie auch recht tief stehen und deshalb 1947 besonders betroffen waren. Ortsvorsteher Ulrich Seifert-Stühr macht mit dem Tross von Besuchern - es sind vor allem viele Berlin-Wochenendler und Zugezogene - Station an einigen der alten Häuser. An der Nr.63, so berichtet Seifert-Stühr, habe das Hochwasser 1947 bis zum Fensterbrett gestanden. Die damalige Lehrerin Gertrud Wilke war, als das Hochwasser schon weite Teil des Oderbruchs eingeschlossen hatte, durchs Dorf marschiert und hatte für jedes Haus aufgelistet, wie hoch das Wasser stand. Bei einigen Häusern reichte es bis zur Eingangsstufe, bei den tiefer liegenden stand es in Wohnzimmer und Küche einen Meter hoch. Auch an der Nummer 63.

Feuerwehrfrau Sylvia Gerhardt hat Arbeitsgerät mitgebracht. In der Höhe, an der einst das Wasser stand, werden an diesem Tag Hochwasser-Schilder geschraubt. "Wir waren uns von Anfang an bewusst, dass wir im Oderbruch auch immer mit der Hochwassergefahr leben", sagt René Feldmann. Dennoch habe die Familie, zu der drei Kinder gehören, ihr Herz in Neubarnim verloren, wolle bleiben. Dass Neubarnim vor 20 Jahren zu den Dörfern gehörte, die komplett evakuiert wurden, da wieder ein Deichbruch alles zu überschwemmen drohte, erfahren sie allerdings erst an diesem Tag. Auch von der großen Solidarität aus ganz Deutschland und dem Miteinander sowohl der Oderbrücher als auch der Bewohner auf der Höhe. Fast alle waren damals bei Verwandten untergekommen, mussten nicht in Turnhalle campieren.

"Wir brauchen hier im Oderbruch die große Gemeinschaft", appelliert Letschins Bürgermeister Michael Böttcher. Er lobt die Initiative des Neubarnimer Ortsbeirates. Die Hochwassergefahr dürfe nicht unterschätzt werden. Und auch nicht die Notwendigkeit, sich einzubringen, wenn der Fluss seine Macht dokumentiert. Böttcher erinnert an die Deichläufer, an die viele erst denken, wenn Gefahr nahe ist. "Wir müssen sie aber schulen und brauchen deshalb einen ständigen zuverlässigen Stab einsatzbereiter Helfer", sagt er. Die Jubiläen 300 Jahre Deichverband, 70 Jahre Hochwasser und 20 Jahre überstandene Flutkatastrophe würden die Dörfer das ganze Jahr über begleiten. "Sie sind Anlass, um uns der Gefahr stets bewusst zu sein."

Die Hochwasserschilder sollen neugierig machen und auch zum Nachfragen ermuntern. Ulrich Seifert-Stühr hat mit 14 Familien im Ort gesprochen und die Zustimmung erhalten, an ihren Häusern die Schilder anzubringen. Mit Zollstock wird auf Grundlage der Aufzeichnungen der Lehrerin exakt ermittelt, wie hoch das Wasser an welchem Haus stand.

Nach der Runde bleiben alle noch zusammen. Die Feuerwehr stellt den Maibaum mit dem neuen schmucken Kranz auf. Dann war Gelegenheit, um zu plauschen und die Dorfkontakte aufzufrischen.

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