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Ständig im Einsatz

Vertrauter Anblick: André Wollburg vor dem Feuerwehrgerätehaus in Schönfelde
Vertrauter Anblick: André Wollburg vor dem Feuerwehrgerätehaus in Schönfelde © Foto: MOZ/Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 26.05.2017, 07:08 Uhr
Schönfelde (MOZ) Zu Hause in ... lautet der Titel unserer Serie, in der Menschen aus der Region vorgestellt werden. Das können Frauen und Männer sein, die schon immer hier leben oder hier ihre Wahlheimat gefunden haben. Heute: Wehrführer André Wollburg aus Schönfelde.

"Alarm", dringt eine helle Stimme in das Büro von André Wollburg. Verwundertes Gesicht, lauschen, dann wieder: "Alarm". Der Schönfelder Wehrführer lächelt, verlässt seinen Drehstuhl, blickt im Türrahmen um die Ecke, vorbei am roten Tanklöschfahrzeug zum Tor des Feuerwehrhauses, und tatsächlich: "Meine Oma." "Denkst du dran, mir was mitzubringen", fragt die alte Dame. Ihr Enkel bejaht. "Körner für die Hühner", erklärt er, als sie schon wieder auf ihrem Rad sitzt.

Wer André Wollburg in Schönfelde sucht, findet ihn. In seinem Garten, im frisch sanierten Dorfgemeinschaftshaus, wo er regelmäßig anpackt, am wahrscheinlichsten aber im Feuerwehrhaus. Auf sein Drängen hin gründete 1999 der damalige stellvertretende Gemeindewehrführer Jürgen Böhnert eine Jugendfeuerwehr. Nachdem André Wollburg der Wehr jahrelang beim Ausrücken nur zugucken durfte, schnupperte er mit 14 Jahren endlich selbst Feuerwehr-Luft.

"Ich fühle mich hier einfach wohl und bin froh, an diesem Ort zu sein." Die Antwort auf die Frage, ob es den inzwischen 32-Jährigen nie woanders hingezogen hat, kommt prompt. Gut, für die Bundeswehr sei er mal eineinhalb Jahre in Kassel gewesen. "Dann habe ich mich nach Storkow versetzen lassen." In die Ferne zieht es André Wollburg nicht. Nur den täglichen Weg nach Fürstenwalde, wo er als Maler arbeitet und wo sein fünfjähriger Sohn lebt, nimmt er in Kauf. Ansonsten: Ruhe, Natur, Feuerwehr.

"Mit 18 war ich zwei Jahre Jugendwart, später stellvertretender Ortswehrführer", denkt Wollburg zurück. Seit Mai 2016 leitet er eine 14 Mann starke Truppe, bildet sie zweimal im Monat weiter, schreibt Einsatzberichte und Haushaltspläne. Was Wollburg Spaß macht, dafür haben nur noch wenige im Ort Zeit. "Der Nachwuchs fehlt", sagt der hochgewachsene Mann, der es bedauert, dass die Jugendfeuerwehr eingeschlafen ist.

Übel nehmen kann er es niemandem. "Ich denke, dass man um eine Aufwandsentschädigung für Freiwillige Feuerwehrleute in Zukunft nicht mehr drumrum kommt." Die Fahrten zu Lehrgängen - unbezahlt und an den Wochenenden - würden Zeit kosten und viele davon abhalten, sich in der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren.

André Wollburgs Engagement scheint dagegen kaum Grenzen zu kennen. "Ich nehme mir Zeit und helfe eben." Wer Beispiele hören will, muss nachhaken; fast scheint es ihm unangenehm, seine guten Taten zu nennen. "Am Sonntag habe ich eine Bank gebaut, damit die älteren Leute sich hinsetzen können, wenn der Fleischerwagen nach Schönfelde kommt." Außerdem werkelt der mit der Ortsvorsteherin Stephanie Braun Liierte im sanierten Gemeinschaftshaus, hilft dort zurzeit die neuen Möbel auszupacken, und organisiert bereits das Blumenfest am 1. und 2. Juli.

Und wenn mal nichts zu tun ist? "Dann angle ich im Trebuser See oder sitze im Garten", sagt er, schließt dann das Tor des Feuerwehrhauses und macht sich davon. Körner für die Hühner seiner Oma besorgen.

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