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Vom alten Schrot und Korn

Erhard Herrmann / 10.06.2017, 08:40 Uhr
Ketzür (MZV) Mühlen zählen zu den ersten schweren Maschinen, die Menschen die Arbeit erleichtert haben. Noch Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in der damaligen Provinz Brandenburg zum Beispiel 1.141 Getreide-Wassermühlen und 2.198 Getreide-Bockwindmühlen, aber auch 381 Ölmühlen und 110 Lohmühlen. Die Dampfkraft hatte zu dieser Zeit erst in 57 Mühlen Einzug gehalten. Sie standen in jedem größeren Dorf bis zu den 1950er-Jahren als das große Mühlensterben einsetzte. Damit diese technischen Denkmäler nicht ganz vergessen werden, stellten am Pfingstmontag die Mühlenfreunde ihre Arbeit der Öffentlichkeit vor und luden zum Deutschen Mühlentag ein. Auch in Ketzür kümmern sich Liebhaber um das letzte verbliebene Exemplar aus dem Jahr 1862. Der Mühlenverein ist darum bemüht, dass das alte Handwerk des Windmüllers auch weiterhin erlebbar bleibt. "In einer Windmühle frisch gemahlenes Mehl, das schmeckt einfach besser", ist Anne Beck vom Mühlenverein überzeugt. Sie ist nicht nur die Vorsitzende des Vereins, sondern hat eine Ausbildung zur Windmüllerin abgeschlossen. "Es riecht und duftet ganz anders als das gekaufte Mehl. Die Besonderheit liegt darin, dass das Korn langsam und schonend bei niedriger Drehzahl nur einmal zerrieben wird. Industriell hergestellte Mehlsorten werden mehrmals gemahlen und verlieren dabei ihre Nährstoffe", erklärte die Windmüllerin. Es kommen viel Kindergärten oder Schulklassen zu der Bockwindmühle. "Hier erleben sie, wie anstrengend es ist, ein Pfund Mehl zu mahlen", sagte Anne Beck. Zurzeit demonstriert sie den Besuchern nur an kleinen Handmühlen wie aus Getreide Mehl wird. Der große Traum der Vereinsmitglieder ist es, dass in der Bockwindmühle bald wieder Getreide mit Windkraft gemahlen wird. Bis zur Stilllegung 1955 war es die alltägliche Arbeit des Müllers und seinen Gehilfen. Der Verfall drohte. 1988/89 wurden das Dach und Teile der Außenhaut provisorisch erneuert und 1992 auch Teile der Flügel. Im November 2000 kaufte die Gemeinde Ketzür die Mühle für den symbolischen Preis von einer D-Mark. 2005/07 wurde die Mühle dann unter denkmalgeschützten Gesichtspunkten restauriert und dem Mühlenverein zur Nutzung und Wartung übergeben. "Seit der Stilllegung drehten sich die schweren Mühlsteine, angetrieben durch die Flügel, nur etwa zwei Stunden", bedauert Anne Beck. Um die Betriebsbereitschaft wieder herzustellen, braucht die Mühle nicht nur neue und größere Flügel für etwa 60.000 Euro. Insgesamt müssen etwa 100.000 Euro investiert werden. Der Verein sammelt dafür fleißig Spenden und nutzt den Mühlentag, um ihr Vorhaben publik zu machen. Von Ostern bis Mitte Oktober kann man die Bockwindmühle unter fachkundiger Führung besichtigen. Der Verein freut sich natürlich auf viele Besucher und auf neue Mitglieder, die helfen die alte Mühle wieder zum Leben zu erwecken.

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