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Saftige Rechnung vom Land

© Foto: Stefan Csevi
Michael Dietrich / 15.06.2017, 19:15 Uhr
Criewen (MOZ) Kurzzeitig stand das 46. Sängertreffen am Sonntag auf der Kippe. Für die Nutzung des Rasens vor dem Schloss soll der Chor 767 Euro ans Land zahlen. Kann er nicht. Die schöne Tradition will der Verein aber auch nicht sterben lassen. In letzter Sekunde gab es gestern ein Rettungsangebot.

Zwei Monate hat der Chor auf die versprochene Ausnahmegenehmigung für das 46. Criewener Sängertreffen gewartet. Am Freitag, eine Woche vor dem Konzert kommenden Sonntag, flatterte der Nutzungsvertrag dann ins Haus. Chorchef Lothar Göhler kippte fast aus den Latschen. 767,46 Euro soll der Nationalparkchor Criewen als Veranstalter des Sängertreffens zahlen, wenn er einen Teil des Rasens vor dem Schloss Criewen nutzen will, um dort Stühle für die Konzertbesucher aufzustellen.

"Das ist eine Sauerei sondergleichen", empörte sich Ingrid Fenske vom Chor. "Wir sind ein gemeinnütziger Verein und leisten großen Aufwand, um ein Konzert mit neun bis zwölf Chören auf die Beine zu stellen, das jedes Jahr Hunderte von Besuchern anzieht. Mit Unterstützung der Stadt und dem Eintritt können wir geradeso plus minus Null wirtschaften. Uns so eine Rechnung zu präsentieren, ist einfach eine Frechheit." Am Dienstag beriet der Chor darüber und war sich einig, dass man so einen Vertrag nicht unterschreiben kann.

Der Landesbetrieb, der für den Lenné-Park verantwortlich ist, hatte Anfang des Jahres erst alle Nutzungen wie Sängertreffen, Nationalparklauf, Weihnachtsmarkt und Dorffest mit der Begründung des Denkmalschutzes im Park grundsätzlich verboten. Nach einem Aufschrei der Entrüstung in der Region und Vorwürfen des Bürgermeisters, das Land trete hier nach Gutsherrenart auf, musste der Landesbetrieb einlenken. Stadt und Parkherr einigten sich, einige Veranstaltungen wie den Nationalparklauf zu verlegen, das Sängertreffen aber vor dem Schloss zu belassen.

Ziel des Nutzungsentgelts sei die Erhaltung des Parks als öffentliches Kulturgut, erklärte der Landesbetrieb und sprach von marktüblichen Stundensätzen. Am Donnerstag scheiterte ein letzter Versuch des Chores, die Kosten abzuwenden. Die Vertreterin des Landes beharrte darauf, dass das Entgelt für Übernahme, Übergabe und Pflegearbeiten zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes nach dem Konzert zu zahlen seien.

"Die saftige Rechnung für ein Stückchen Rasen klingt jetzt wie eine Retourkutsche. Wir wollen das beliebte Sängertreffen aber auch nicht fünf vor Zwölf absagen. Deshalb haben wir notgedrungen unterschrieben", erklärte Lothar Göhler.

Als Bürgemeister Jürgen Polzehl davon erfuhr, rief er sofort im Landesbetrieb an und protestierte. Am Abend meldete er: "Der Verein bleibt nicht auf den Kosten sitzen, Landesbetrieb und Stadt teilen sich die Rechnung."

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Hasso Isenhagen 16.06.2017 - 11:08:42

angesichts solcher Possen

verspürt doch niemand mehr Lust auf Gesang in Criewen. Auch so kann man alles totmachen. Es wird Zeit, dass man alles Grüne zurück zu den Wurzeln schickt.

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