Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Brückenschlag von und nach Erkner

Handskizzen gehören dazu - auch für eine Künstlerin wie Ewa Ratajczyk aus Polen, die lieber abstrakt arbeitet. Ihre Freundin Karen Patton Orr aus Schottland schaut zu. Die Kekse im Vordergrund hat sie aus ihrer Heimat mitgebracht.
Handskizzen gehören dazu - auch für eine Künstlerin wie Ewa Ratajczyk aus Polen, die lieber abstrakt arbeitet. Ihre Freundin Karen Patton Orr aus Schottland schaut zu. Die Kekse im Vordergrund hat sie aus ihrer Heimat mitgebracht. © Foto: MOZ/Joachim Eggers
Joachim Eggers / 24.06.2017, 07:06 Uhr
Erkner (MOZ) "Brücken verbinden" ist der Titel eines Pleinairs, zu dem die Kunstfreunde Erkner neun Künstler eingeladen haben - aus Georgien, Polen, Schottland und Südkorea.

Am Mittwoch saß das bunt gemischte Völkchen an der Bahnunterführung in der Fürstenwalder Straße - eine Brücke, die selbst dank der Graffiti-Gestaltung zum Kunstwerk geworden ist. Am Freitagmorgen wollten sich alle neun Teilnehmer und einige hiesige Kunstfreude am Friedensplatz vor den Motiven versammeln, die auch die Postkarte zu dem Künstler-Treffen zieren: die Bahnbrücke mit darüberfahrenden Güterzügen, dahinter die Baekeland-Brücke. Allerdings hat das Unwetter in der Nacht zum Freitag die Kunstfreunde und ihre Gäste dazu bewogen, diesen Termin zu streichen. Stattdessen arbeiteten alle in ihren Unterkünften.

Im Fall von Ewa Ratajczyk aus Poznán, dem einstigen Posen, und Karen Patton Orr aus der Nähe von Glasgow ist das der Bungalow, den Brigitte Leischner in der Bahnhofsiedlung als Ferienwohnung vermietet. Ewa Ratajczyk ist nicht nur Künstlerin, sondern auch Kunstlehrerin; ihre Schüler haben sich schon am Jugendkunstpreis Erkner beteiligt, voriges Jahr war Ewa Ratajczyk zur Preisverleihung in Erkner. Die 45-Jährige hat zwar einen Skizzenblock, in dem sie Zeichnungen von Brücken in Erkner angefertigt hat. Sie lässt aber keinen Zweifel daran, dass sie mehr zu abstrakter Kunst neigt. Ewa Ratajczyk hat ein Studio in Kalisz, der ältesten Stadt Polens, ganz in der Nähe von Erkners Partnergemeinde Goluchów. In Kalisz gebe es einige Brücken, erzählt sie. Aus ihren Skizzen will sie ein abstraktes Werk entwickeln - aber wie genau, das wisse sie noch nicht.

Ewa Ratajczyk hat auch die Schottin Karen Patton Orr nach Erkner gelotst. Die beiden Frauen sind enge Freundinnen, und zwar seit 1993. Damals bekam die junge Studentin aus der Nähe von Glasgow ein Stipendium für einen zehnmonatigen Aufenthalt an der Kunstakademie in Poznán - nachdem eine Ausstellung über polnische Kunst sie fasziniert hatte. Heute betreibt die 47-jährige Schottin mit ihrem Mann eine Wohltätigkeitsorganisation, in der Künstler unter anderem mit psychisch kranken Menschen zusammenarbeiten. Regen und Unwetter kennt sie gut - und hat die Nacht zum Freitag für ihre künstlerische Tätigkeit genutzt, um auf quadratischen Leinwandstücken mit etwa 20 Zentimetern Länge und Breite Farben im Regen verfließen zu lassen. Für sie ist das ein Weg, den konkreten Ort, an dem sie sich befindet, in ihre Arbeit einzubeziehen. Vielleicht, überlegt sie, fixiert sie all die getrockneten Stücke aneinander und übermalt sie mit Acrylfarbe. "Aber nageln Sie mich nicht fest", sagt sie. Brücken gibt es in Schottland sehr viele - und Karen Patton Orr denkt schon darüber nach, ob es wohl gelingen könnte, mit den anderen Teilnehmern und den Erkneraner Kunstfreunden ein Pleinair in Schottland zu veranstalten, den Brückenschlag gleichsam zu erwidern.

Die anderen Teilnehmer - das sind sechs Georgier, darunter ein Jugendkunstpreis-Träger, und eine Koreanerin; letztere haben Elke und Werner Hampf von den Kunstfreunden kennen gelernt, als sie ein Jahr in dem ostasiatischen Land verbrachten, erzählt Sigrid Riedel, die Vorsitzende des Vereins. Sie unterhält schon seit vielen Jahren enge Verbindungen nach Georgien. Bei Fahrten nach Berlin, Potsdam und in den Spreewald wird nicht nur gemalt, sondern auch gezeichnet und fotografiert.

Die Ergebnisse des Pleinairs "Brücken verbinden" sind im Juli und August im Rathaus zu sehen. Dort ist auch Vernissage, am Donnerstag, ab 18.30 Uhr.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG