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Zehnjähriger Kicker soll bis 30. Oktober gesperrt sein, weil sich zwei Vereine nicht einigen können

Magnus versteht die Fußball-Welt nicht mehr

Zum Zuschauen verbannt: der zehnjährige Magnus Brodersen
Zum Zuschauen verbannt: der zehnjährige Magnus Brodersen © Foto: Dirk Schaal
Dirk Schaal / 04.08.2017, 06:44 Uhr
Lichterfelde (MOZ) Der zehnjährige Magnus Brodersen will einfach nur Fußball spielen. Das tat er bislang in der Spielgemeinschaft beim SV Lichterfelde und wollte nun nach fristgerechter Abmeldung ganz zu Fortuna Britz wechseln. Nun droht dem Keeper eine Spielsperre.

Traurig steht der zehnjährige Magnus Brodersen auf dem Sportplatz. Wenn alles so kommt, wie es derzeit aussieht, wird er bis zum 1. November nicht mit seiner Mannschaft, den Britzer D-Junioren, auflaufen können. Der junge Torhüter ist nicht verletzt, er hat auch nichts angestellt - was zu dieser Strafe hätte führen können - es ist die Unstimmigkeit zwischen zwei Vereinen, die mal eine Spielgemeinschaft gebildet haben.

Dass junge Fußballer nicht an den Bäumen wachsen und gerade in der Region viele Vereine den Nachwuchs gern bei sich hätten, das ist nicht neu und trotzdem immer wieder einmal ein Zankapfel. Wenn dann gar nichts mehr geht, einer Mannschaft gar die Abmeldung droht, dann überlegen Vereine schon einmal, ob nicht eine Spielgemeinschaft sinnvoll wäre. So ging es dem SV Lichterfelde vor der Saison 2016/17. Fraglos machen sie eine gute Nachwuchsarbeit, was andere Vereine scheuen, da doch ein erheblicher Aufwand durch die Ausbildung entsteht. Aber trotz der Mühe waren in den Nachwuchsklassen nicht genügend Spieler vorhanden. So sprach man Vereine an, ob man denn nicht zusammenarbeiten wolle. "Es war nicht so, dass wir nicht selbst volle Mannschaften hätten, aber zum einen wollten wir die verstärken und zum anderen wollten wir auch etwas für den Lichterfelder Nachwuchs tun", erklärte der Britzer Jugendleiter Sven Krumbach, warum der Verein in die Verhandlungen ging. Man wurde sich einig. Die E- und D-Junioren liefen im Trikot der Britzer auf sowie die F-Junioren im Lichterfelder Dress.

Nicht alles klappte im organisatorischen Bereich. Aber das waren Kleinigkeiten, die halt Verbesserungspotential lieferten. "Wir haben auch Fehler gemacht, aber so ist es in einer Gemeinschaft, man muss erst zusammenwachsen", erklärte Krumbach. Spielerisch lief es gut, jedoch machte sich unter Eltern und Spielern Sorge breit, als im Lichterfelder Vereinsheim ein Plakat alle Aufmerksamkeit auf sich zog. "Da stand sinngemäß, dass sich der Verein auflösen würde, wenn sich nicht Leute für die Vorstandsarbeit finden würden. Das hat die Eltern und uns natürlich verunsichert", erzählte Krumbach. Eingeforderte Erklärungen zu diesem Thema soll der Verein schuldig geblieben sein, teilten Eltern mit. "Auch änderte sich in einem sehr kurzen Zeitraum dreimal der Ansprechpartner der Lichterfelder Nachwuchsarbeit, so dass wir zu dem Schluss kamen, die bestehende Vereinbarung mit Lichterfelde zum Saisonende zu kündigen", sagte Krumbach.

Ein neues Angebot an den SV folgte dann im April. "Wir wollten, dass alle Mannschaften unter einem Namen, in diesem Fall Fortuna Britz, auflaufen sollten", erklärte Krumbach. So könnten begabte Spieler durch den Wechsel in die nächsthöhere Altersklasse besonders gefördert werden, begründete der Britzer. "Nicht akzeptabel", nannte hingegen Andreas Segeth, Lichterfelder Vereinsvorsitzender, dieses Angebot. Auch wirft er den Britzern vor, dass sie Spieler in der gemeinsamen Zeit abgeworben hätten. "Das geht gar nicht und war eindeutig im Vertrag geregelt, dass es ausgeschlossen ist", fügte er hinzu. Gleichwohl lässt er erkennen, dass die Fronten nun verhärtet sind und gemeinsame Gespräche in weite Ferne gerückt sind.

Leidtragende des Streits sind die Kinder. Vier E- und zwei D-Junioren, die nach der Trennung nach Britz wechseln wollten, wollte deshalb Lichterfelde sperren. "Diese Möglichkeit gibt es bei den E-Junioren nicht, aber die D-Junioren sind nach Stand der Dinge erst ab 1. November für den neuen Verein spielberechtigt. Es sei denn, Lichterfelde lenkt noch ein", sagte Alfred Gebhardt, der Vorsitzende vom Jugendausschuss des Fußballkreises. "Ich wünsche es mir zumindest", ergänzte er noch.

Einer der gesperrten Spieler ist Torhüter Magnus Brodersen. Sein 24-jähriger Bruder Nils Schimmelpfennig ist sogar Trainer der D-Junioren bei Fortuna. Obwohl Magnus fristgerecht in Lichterfelde gekündigt hatte, kreuzte der Verein auf dem Wechselformular keine Zustimmung an, was die Sperre nach sich zieht. "Ich will doch nur Fußballspielen und bei meinem Bruder trainieren", sagte traurig der Zehnjährige, der die Welt der Erwachsenen nicht mehr versteht.

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Andrea Brodersen 04.08.2017 - 11:26:46

Magnus versteht die Fußball-Welt nicht mehr

Für mich als Mutter von Magnus ist das Vorgehen des SV Lichterfelde überhaupt nicht nachvollziehbar. Denn wir sprechen hier nicht von einem hochbezahlten Profifußballer, der vertragsbrüchig geworden ist. Ganz im Gegenteil! Hier geht es um zwei Jungs, die so überhaupt nichts falsch gemacht haben. Der Vereinswechsel sollte bereits vor Saisonbeginn 2016/2017 erfolgen. Das ist nur nicht passiert, weil der SV Lichterfelde Magnus mit der Spielergemeinschaft zu Fortuna Britz, die auf mehrere Jahre angelegt war, gehalten hat. Der Wunsch, bei seinem großen Bruder zu trainieren bestand schon viel länger. Aus diesem Grund fühlen wir uns extrem betrogen. Erst geht man davon aus, dass diese Spielergemeinschaft mehrere Jahre funktioniert und dann wird die Kooperation ohne Einbeziehung der Eltern aufgekündigt. Der Wechsel von Magnus, der für uns dann logischerweise erfolgte, wird jetzt einfach mit einer Sperre bestraft. Das ist ungerecht und lässt sich für mich auch nicht rechtfertigen. Weder für die Unstimmigkeiten innerhalb des Vorstandes des SV Lichterfeldes noch für die Probleme beider Vereine miteinander können die Kinder etwas. Dass der SV Lichterfelde zu solchen Mitteln greift, zeigt mir und hoffentlich auch anderen Eltern, sein wahres Gesicht und ich bin froh, dass mein Sohn nie wieder bei diesem Verein Fußballspielen wird. Es interessiert mich brennend, wie sich Herr Marcel Brendel als Präsident des SV Lichterfelde fühlen würde, wenn man mit seinen Kindern so ein Exempel statuieren würde. Dass der DFB bei 10jährigen Kindern so etwas überhaupt zulässt, ist doch traurig!!!

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