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Die Markgrafpieskerin Ilse Halle wollte eigentlich Schriftstellerin werden / Engagement für Heimatgeschichte und Vereine

Kartoffelernte mit Notizbuch

Kennt jedes Ausstellungsstück: Ilse Halle hat das Heimathaus gemeinsam mit ihrer Tochter, der Vorsitzenden des Heimatvereins, ausgestattet. Regelmäßig führt sie Besucher durch die Räume.
Kennt jedes Ausstellungsstück: Ilse Halle hat das Heimathaus gemeinsam mit ihrer Tochter, der Vorsitzenden des Heimatvereins, ausgestattet. Regelmäßig führt sie Besucher durch die Räume. © Foto: MOZ/Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 11.08.2017, 05:47 Uhr
Markgrafpieske (MOZ) Zu Hause in ... lautet der Titel unserer Serie, in der Menschen aus der Region vorgestellt werden. Das können Frauen und Männer sein, die schon immer hier leben oder hier ihre Wahlheimat gefunden haben. Heute: Ilse Halle aus Markgrafpieske.

Das graue Haar zum hohen Dutt, tiefblaue Augen und ein rosiges Gesicht, das jetzt im Sommer sonnengebräunt ist - das ist Ilse Halle. Das ist auch Ilse Halle. Denn so oft man sie auch auf ihrem Fahrrad, früher auf ihrem Motorrad, in Markgrafpieske sieht, mal hier, dann wieder dort, nie ist die 81-Jährige nur für sich unterwegs. Immer hat sie etwas zu tun - für ihre Tochter, das Heimathaus, die Kirche, den Chor.

"Wer rastet, der rostet", sagt Ilse Halle. Und so findet das Treffen mit ihr nicht in dem Haus statt, in dem sie gemeinsam mit Tochter Claudia wohnt, sondern im Heimathaus. "80 Kannen haben wir gesammelt", die Markgrafpieskerin deutet auf ein Regalbrett mit weißem Porzellan. "Kaffee im Wandel der Zeiten" lautete der Titel der Ausstellung, die sie einst zur Langen Nacht der Museen auf die Beine gestellt hat.

Nach der Wende nahmen sich Mutter und Tochter dem Heimathaus an, innerhalb von einem Jahr sammelten sie sämtliches Inventar von Dachböden und aus Scheunen zusammen. "Ich habe einen Hänger, mit dem sind wir überall hin."

Auto fährt Ilse Halle noch immer. Nicht mehr so oft, wie sie sagt, aber warum auch? Die Wege im Ort sind kurz. Mit dem Fahrrad radelt sie zum Sport im Bürgerhaus, zur Kirche - 18 Jahre lang war sie Mitglied im Gemeindekirchenrat - und zu den Chorproben des Gesangsvereins. "Von Anfang an, seit 52 Jahren, bin ich dabei." Mittlerweile darf sie sich Ehrenmitglied des Chores nennen.

So richtig weg aus Markgrafpieskewollte Ilse Halle nie. "Mitt 22 bin ich mal kurz in den Westen", sagt sie. Gerne hätte sie studiert, doch das Geld reichte nicht. Wegen ihrer Mutter, die seit dem Krieg ohne Mann war, kam sie schnell wieder. Arbeit fand sie erst in einer Fürstenwalder Schneiderei - lernte dort ihren inzwischen verstorbenen Mann kennen -, später in der Wäscherei.

Ohne Arbeit kann die 81-Jährige noch immer nicht. Im Garten erntet sie Kartoffeln und Johannisbeeren - bis ihr plötzlich eine Idee kommt. Dann greift Ilse Halle zu ihrem Notizbuch und schreibt nieder, was ihr durch den Kopf geht. "Eigentlich wollte ich mal Bücher schreiben", sagt sie, blickt dann schnell zu Boden. Ihre Einfälle fließen nicht nur in die Reden von Tochter Claudia für den Markgrafpiesker Carnevalclub. "Ich dichte gerne, zurzeit Biografien", erklärt Ilse Halle nach einigem Zögern.

Freunden aus dem Schwarzwald macht sie eine Freude, indem sie deren Lebensstationen in Reime kleidet. Eigentlich wollte die Markgrafpieskerin mit ihnen 50 Jahre Bekanntschaft, entstanden durch ein von der Kirche organisiertes Ost-West-Treffen, feiern. "Zur gleichen Zeit ist aber die Chorfahrt." Auch wenn ihre Umtriebigkeit darauf schließen lässt, überall kann Ilse Halle nicht dabei sein. Die Küche, auch das Inventar von Schlaf- und Wohnzimmer im Heimathaus hat Ilse Halle inzwischen erläutert. Die Tour ist damit nicht vorbei. Nächster Halt: Kirche.

Markgrafpieske

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