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Nach elfjähriger Pause folgen mehrere Tausend Gäste der Einladung zum 5. Dampfpflügen in Friedersdorf

Alte Technik, die begeistert

Der Kipppflug wird zwischen den beiden jeweils 20 Tonnen schweren Dampfloks via Drahtseil von einer Ackerseite auf die andere gezogen.
Der Kipppflug wird zwischen den beiden jeweils 20 Tonnen schweren Dampfloks via Drahtseil von einer Ackerseite auf die andere gezogen. © Foto: Johann Müller
Josefine Jahn / 27.08.2017, 19:46 Uhr - Aktualisiert 28.08.2017, 17:16
Friedersdorf (MOZ) Mehr als ein Jahrzehnt ist es her, dass das Dampfpflügen in Friedersdorf gezeigt wurde. Das Dampfpfluggespann, Baujahr 1928, brachte mehrere Tausend Besucher in das Vierlindener Dorf, die sich die einst innovativen landwirtschaftlichen Arbeitsgeräte ansahen.

Zur Nennung einer konkreten Besucherzahl wollte sich Georg-Wilhelm König am Sonntag noch nicht hinreißen lassen. Die 5000 Autos, die bis Sonnabendmittag bereits auf dem Parkplatz des Festgeländes gezählt wurden, lassen allerdings auf mehrere Tausend Besucher schließen. Der 24-Jährige Fest-Koordinator ist in jedem Fall zufrieden. Alles lief so, wie er und viele andere Helfer es über Monate geplant hatten.

Das 5. Dampfpflügen in Friedersdorf bei Seelow zog am Wochenende wieder mehrere Tausend Besucher an. Das Highlight war wieder das Dampfmobil-Gespann, das mit einem Kipppflug den Friedersdorfer Acker umgrub.
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5. Dampfpfügen in Friedersdorf

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Im Mittelpunkt des 5. Dampfpflügens in Friedersdorf stand das Gespann der Dampfmobile mit dem Kipppflug. Bereits vor der offiziellen Eröffnung am Sonnabend bestaunten Gäste die beständig vor sich her zischenden Dampfmobile. Auf je einer Seite des Feldes warteten sie auf ihren ersten Einsatz. Hans-Georg von der Marwitz, der zuletzt vor elf Jahren ein Dampfpflügen auf seinem Dorfgut ausgerichtet hatte, fiel es nicht ganz leicht, die Besucher von den Maschinen weg an die Hauptbühne zur Eröffnungsrede zu locken. Dort bat er Carl-Albrecht Bartmer, Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, ans Mikrofon. Dieser erinnerte an den Ingenieur Max Eyth, der die vom Engländer entwickelten Dampfpflüge weiterentwickelte und weltweit für sie warb. "Max Eyth ist wirklich der Mann, der Innovation in der Landwirtschaft in die Breite getragen hat", sagte Bartmer. Wie häufig bei innovativen Ideen, mussten Landwirte zu Beginn des letzten Jahrhunderts aber erst von der neuen Technik überzeugt werden: "Was wir uns heute mit einer gewissen Wehmut angucken, sahen viele damals als Teufelsmaschinen, die sie von ihren Feldern fernhalten wollten", sagte Bartmer.

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5. Dampfpflügen

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Auch Landrat Gernot Schmidt begrüßte die Gäste und hob die dörfliche Gemeinschaft hervor, die fähig ist, ein Fest wie dieses auf die Beine zu stellen. Im Vergleich zum letzten Dampfpflügen sei das diesjährige Fest noch viel größer, sagte Jozef Kruczkowski. Der ehemalige Landrat des polnischen Partnerkreises Gorzów war der Einladung nach Friedersdorf ebenso gefolgt und beglückwünschte die Veranstalter zur Entwicklung ihres Festes.

Nach der offiziellen Eröffnung, die musikalisch von der Laub'ner Blaskapelle begleitet wurde, drängten sich die Besucher um die etwa 100 Meter lange Ackerbahn, die der Kippflug zwischen den beiden 20 Tonnen schweren Pfluglokomotiven gebildet hatte. "Das geht ja richtig schnell", staunte eine Zuschauerin, als der Pflug an ihr vorbeifuhr. "220 PS links und rechts von unserem Feld", warf Moderator Ralf Nowak während der Vorführung ein. Mit dieser Kraft beackert der Dampfpflug bis zu 1,3 Hektar Boden in der Stunde. Eine Revolution für den Ackerbau, da für die gleiche Fläche mit Pferdepflügen vorher ein ganzer Tag gebraucht hatte.

"Diese alte, historische Technik sieht man sonst nicht mehr", begründete Marius Thiel aus Neuhardenberg seinen Besuch mit der Familie. Er bestaunte die Ausstellungsstücke des Hobbysammlers Jörg Kühn aus Werneuchen, darunter einer der ersten elektrischen Miele-Waschmaschinen. "Mich faszinieren auch die Ornamente, die auf die alten Modelle gemalt wurden und wie detailliert alles vernietet wurde. Es ist schön, wenn man sich das heute noch angucken kann", sagte Landwirt Manfred Wercham aus Wilhelmsaue.

Auch um die Dreschmaschinen drängten sich die Gäste, sahen sich die Teilung zwischen Körper- und maschineller Arbeit an. "Vorsicht, da wird es gleich staubig", warnte Ralf Nowak regelmäßig. "Es wird gut angenommen, wir sind sehr dankbar", lautete von der Marwitz' Bilanz.

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