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Vereinte Aktion für Heidekrautbahn auf Originalwegen bleibt Thema der Gemeinden entlang der Schienenstränge

Unter Volldampf zur Stammstrecke

Im NEB-Depot Basdorf: Daniel Kurth, Dietmar Seefeldt, Stefan Zierke, Sven Tombrink, Sven Dehler aus Oranienburg, Filippo Smaldino-Stattaus, Verkehrsplaner Helmut Knieper, der Wandlitzer Bauamtsleiter Lars Gesch und Stefan Reinsberg (v.l.) wollen gemeinsam
Im NEB-Depot Basdorf: Daniel Kurth, Dietmar Seefeldt, Stefan Zierke, Sven Tombrink, Sven Dehler aus Oranienburg, Filippo Smaldino-Stattaus, Verkehrsplaner Helmut Knieper, der Wandlitzer Bauamtsleiter Lars Gesch und Stefan Reinsberg (v.l.) wollen gemeinsam © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Andrea Linne / 04.09.2017, 06:15 Uhr
Basdorf (MOZ) Dietmar Seefeldt ist sichtlich genervt. Seit Jahrzehnten kämpft der Vorsitzende der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Region Heidekrautbahn mit vielen anderen aus den Anrainer-Gemeinden für die Reaktivierung des Stammastes der Bahn. Bislang ohne Erfolg. Bei einem Treffen in Basdorf wurde jetzt eine neue Strategie besprochen.

Dass es von Schönwalde über Mühlenbeck, Schildow zum Wilhelmsruher Damm nach Gesundbrunnen nicht endlich in modernen Zügen vorwärtsgeht, versteht kaum jemand. Die Notwendigkeit ist in Analysen belegt worden, die Landkreise Oberhavel und Barnim kämpfen ebenso dafür wie die Gemeinden Mühlenbecker Land, Wandlitz, Liebenwalde und Oranienburg.

Die Gleise für das 13,9 Kilometer lange Stück sind vorhanden. Eine Baugenehmigung, die Heidekrautbahn über die Weiche Schönwalde bis Wilhelmsruh zu führen, liegt bis 2021 vor. Zerrieben zwischen Länderinteressen und fehlendem Engagement bringt Bürgermeister Filippo Smaldino-Stattaus (SPD) aus dem Mühlenbecker Land seinen Frust auf den Punkt: "Man verliert die Kraft. Wir kommen einfach nicht weiter. Trotz der Genehmigung bauen wir nicht, das ist doch unverständlich."

Der Kollaps auf den Straßen im Norden Berlins stehe kurz bevor. Ob auf der Landesstraße 200, die im kommenden Jahr ausgebaut und gesperrt werden soll, nach Bernau Richtung Eberswalde, auf der L 109 durch Wandlitz nach Prenzlau oder auf den Oberhaveler Verkehrswegen wie der B 96 und L 21 - alles ist schon jetzt dicht. Verschärft wird das Ganze durch den geplanten Bau der Autobahn 114 parallel zur L 200. "70 Prozent der Mühlenbecker arbeiten in Berlin", macht der Bürgermeister klar. "Wir können in Bussen und S-Bahnen sowie vor allem beim Parken keine Kapazitäten mehr aufbringen."

Die nötige Entlastung über die Heidekrautbahn zu schaffen, sei vordringlich, macht Sven Tombrink, Prokurist der Niederbarnimer Eisenbahngesellschaft (NEB), deutlich. "Es droht der Verkehrsinfarkt. Die Länder müssen die Strecken bestellen, wir können alles fahren."

Aktuell läuft im Land die Diskussion um den Nahverkehrsplan. Deshalb haben sowohl der Barnimer Landrat Bode Ihrke (SPD) als auch die Oberhaveler Kreisverwaltung vehement auf das Problem hingewiesen. Als Vertreter Oberhavels berichtet der Verkehrsplaner Stefan Reinsberg von dem Bemühen, die Anbindung zu erreichen. Nach seiner Kenntnis wurden aber in den noch laufenden Korridoruntersuchungen vorhandene Ergebnisse der Analysen der NEB zur Stammstrecke nicht berücksichtigt. Oberhavel sei bereit, 15 Millionen Euro zur Vorfinanzierung zur Verfügung zu stellen, sagt Reinsberg. Landrat Ludger Weskamp (SPD) dränge außerdem wie Ihrke auf ein Gespräch mit Brandenburgs Verkehrsministerin Katrin Schneider (SPD).

Die Berliner Senatsleiterin Regine Günther für Verkehr und Umweltschutz habe Interesse an dem Treffen gehabt, berichtet KAG-Vorsitzender Seefeldt. Er werde sie auf dem Laufenden halten. Auch aus Pankow und Reinickendorf gebe es Zustimmung. "Dennoch werden wir zwischen den Länderinteressen zerrieben", macht Smaldino-Stattaus deutlich.

Schon jetzt reisen täglich 4000 Fahrgäste mit der NE 27 von Groß-Schönebeck nach Karow oder Gesundbrunnen. Durch den Bau am Karower Kreuz entfällt der Halt in Karow. 6000 Nutzer könnten es sofort werden, wenn die Zugverdichtung entsprechend erfolgt, schätzt NEB-Prokurist Tombrink. Wie groß der Zulauf auf der Stammstrecke wäre, lässt sich nur erahnen. Denn allein im Märkischen Viertel, das an die Heidekrautbahn angeschlossen wäre, leben 31 000 Menschen. Im Pankow Park mit dem Fahrzeugbetrieb Stadler gibt es 80 Firmen, deren 2000 Arbeiter partizipieren würden. In der Gemeinde Glienicke, die über Schildow Nutznießer wäre, leben genug Menschen, mit Mühlenbeck gemeinsam wären es mehr als 15 000 Kunden.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Stefan Zierke, der wieder kandidiert, und der SPD-Landtagsabgeordnete Daniel Kurth, beide sitzen mit in der Runde, wollen nun richtig Dampf machen.

Kurth verspricht, alle Landtagsabgeordneten, Landräte, Bürgermeister und Bundestagsabgeordneten zu mobilisieren. Ministerin Schneider und Senatorin Günther sollen mit auf den Zug aufspringen. "Das Ganze muss kurzfristig gehen", sagt Kurth. Zierke, selbst Mitglied im Verkehrsausschuss, will sich einsetzen, gemäß dem Spruch: "Wer am Lautesten trötet...!"

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