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Anstieg der Anzahl Demenzkranker bei gleichzeitiger Personalnot macht Krankenkassen zu schaffen

Digitalisierung
Techniker für Pflege-Roboter

Igor Steinle / 11.09.2017, 06:49 Uhr
Berlin (MOZ) Um den demografischen Wandel zu bewältigen, fordert die größte gesetzliche Krankenversicherung Deutschlands, die Altenpflege und Medizin stärker zu digitalisieren.

Die Techniker Krankenkasse (TK) spricht sich dafür aus, im Kampf gegen den Pflegenotstand auf die Digitalisierung zu setzen. "Vernetzte Betreuungssysteme und Roboter können dazu beitragen, die Folgen der ansteigenden Pflegefälle zu bewältigen", sagte der Chef des wissenschaftlichen Instituts der TK "Wineg", Andreas Meusch, dieser Zeitung.

"Es wird erwartet, dass die Zahl Demenzkranker bis 2025 auf 2 Millionen steigt", so Meusch. 2008 seien es noch 1,2 Millionen gewesen. Gleichzeitig leidet die Altenpflege unter Personalmangel. Bereits heute wird die Lücke auf rund 30 000 unbesetzte Arbeitsstellen geschätzt. Bis 2025 könnte diese Zahl auf gut 200 000 steigen.

"Kritisch ist die regionale Verteilung, da gerade in den Regionen die Anzahl Demenzkranker besonders zunehmen wird, in denen es bereits jetzt wenig junge Erwerbstätige gibt", ergänzt Meusch. Besonders stark ist laut einer Studie des Berlin-Instituts die Gegend um die Hauptstadt betroffen. Aber auch in vielen Teilen Baden-Württembergs rechnet das Institut mit einer Zunahme von mehr als 50 Prozent. "Nur wenn wir die Digitalisierung nutzen, haben wir eine Chance, die demografische Herausforderung zu meistern", sagt Meusch.

Um trotz einer immer älter werdenden Bevölkerung die Versorgung gewährleisten zu können, müsse man alle Rationalisierungsreserven ausschöpfen, um die dadurch freiwerdenden Mittel effektiver einsetzen zu können. "Je weniger Digitalisierung, desto höher das Risiko für eine Zwei-Klassen-Pflege", so Meusch.

Digitalisierung und Vernetzung könnten bis zu 100 Millionen Routinekontakte mit Ärzten überflüssig machen, was etwa 20 Prozent aller Arztkontakte entspricht. "Apps sind bereits heute in der Lage, bei Diagnose und Therapie wirksam zu unterstützen. Hier brauchen wir ein nach Risikoklassen gestuftes Zulassungsverfahren. Sonst lassen wir echte Hilfe am Wegesrand liegen." Zudem könnten digitale Anwendungen die Pflege von Demenzkranken und älteren Menschen unterstützen und die Arbeit der Pflegenden erleichtern. Sie könnten sie von "zeitaufwendigen Routinetätigkeiten" entlasten und ihnen damit mehr Zeit für die Interaktion mit den Pflegebedürftigen verschaffen.

Begünstigt würde diese Entwicklung dadurch, dass Technik, zum Beispiel durch Sprachsteuerung, immer leichter zu bedienen werde und ältere Menschen ohnehin immer technikaffiner würden: Laut einer Studie der TK aus dem vergangenen Jahr benutzt mittlerweile jeder Zweite im Alter über 60 ein Smartphone.

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