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Aktion
Protest gegen Bauschuttdeponie in Neuendorf

Großes Interesse: Jung und Alt trafen sich zur Kundgebung in Neuendorf.
Großes Interesse: Jung und Alt trafen sich zur Kundgebung in Neuendorf. © Foto: Landschaftsförderverein
Claudia Duda / 18.09.2017, 06:34 Uhr
Neuendorf (OGA) "Wir wollen keine Mülldeponie und keine Windräder in Neuendorf" - bereits die jüngsten Neuendorfer haben eine klare Position. Sie formulierten ihren Protest auf Plakaten, die sie am Samstagnachmittag mit zur Kundgebung gebracht hatten. Der Landschaftsförderverein Oberes Rhinluch und die Bürgerinitiative "Neuendorfer Wald" hatten dazu eingeladen. Etwa 120 Menschen waren gekommen, um ihren Protest kundzutun. "Die Leute sind wütend darüber, was in ihrer Umgebung passiert", erklärte Sebastian Partzsch vom Landschaftsförderverein.

In Neuendorf wollen die Naturschützer einerseits 20 geplante Windräder verhindern. Darüber hinaus fordern sie genaue Informationen darüber, was in der alten Kiesgrube geplant ist. Es wird befürchtet, dass der Baukonzern Matthäi aus dem Areal am Ortsrand eine Deponie für Bauschutt machen will. Zurzeit ist die Betriebstätigkeit dort reduziert; nach Berechnungen der Bürgerinitiative könnten jedoch Tag und Nacht Schwerlaster durch den Ort rollen, um den Bauschutt abzuladen. Außerdem müssten Bäume gefällt und eine Zufahrt gebaut werden.

Zehn Gründe hat die Bürgerinitiative als Argumentationsgrundlage zusammengetragen, um gegen die Deponie vorzugehen. Peter Hofmann, Sprecher der Akteure, nahm in seiner Rede am Samstag darauf Bezug und erklärte: "Wir haben aufgeführt, warum eine Bauschuttdeponie hier unzulässig ist. Ein Grund ist die Deponieverordnung, die einen Mindestabstand von 300 Metern vorsieht. Bei uns wären es nur zwischen 30 und 50 Meter."

Sebastian Partzsch sagte gegenüber dieser Zeitung, dass die Menschen vor allem darüber erbost seien, dass sie im Ungewissen gelassen werden, was passiert. "Sie fürchten sich davor, dass die neue Deponie die zweitgrößte im Land Brandenburg werden könnte", sagte Partzsch.

Neben der Protestaktion wurde im Gemeindehaus die Informations- und Fotoausstellung "Rettet unseren Wald" eröffnet. Die Naturfotografen Detlef Hase und Volker Fischer, beide Mitglieder im Kremmener Landschaftsförderverein Oberes Rhinluch, hatten sie zusammengetragen. Dazu waren sie im geplanten Windeignungsgebiet 34 im Wald bei Beetz, Sommerfeld, Hohenbruch, Neuendorf und Neuhof viel unterwegs, um dort zu fotografieren. "Dieser Wald ist viel zu schön, um in ein Windindustriegebiet umgewandelt zu werden", so die Überzeugung der beiden Fotografen. 14 Waldaufnahmen werden ergänzt um zehn Informationstafeln mit vielen Aussagen zu den Problemen, die Windräder im Wald für die Natur bedeuten. So wird eindringlich auf die Gefahren für Fledermäuse und Greifvögel hingewiesen.

In seiner Ansprache erklärte Fotograf Detlef Hase: "Es ist aus meiner Sicht völlig unverantwortlich, in unmittelbarer Nähe eines solchen Naturerbe-Waldes ein Windeignungsgebiet ausweisen zu wollen. Auch deshalb fordern wir - rettet diesen Wald!"

Hase griff Landrat Ludger Weskamp (SPD) direkt an: "Dass der größte Waldeigentümer der betroffenen Waldflächen, die als Windeignungsgebiet industrialisiert werden sollen, der Landkreis Oberhavel ist und dass der zuständige Landrat zugleich auch noch Vorsitzender der zuständigen Regionalplanungskommission ist, das macht aus meiner Sicht aus dieser Planung einen regionalen Umweltskandal der besonderen Art." Von den Zuhörern erntete er für diese Aussage Beifall.

Die Ausstellung ist etwa vier Wochen lang, im Neuendorfer Gemeindehaus, Weg zum See 1, zu sehen. Geöffnet ist Mittwoch und Sonnabend von 17 bis 19 Uhr, Sonntag von 10 bis 12 Uhr.

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