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Fast 70 Teilnehmer bei "Wolfswache" an Libbenichener Osterquelle / Dirk Schulze: Wir Schäfer fühlen uns mit dem Problem allein gelassen

Schäfer fordern Lockerung des Wolfsschutzes

Schulterschluss: Landesbauernpräsident Henrik Wendorff (l.) stand den Schäfern aus dem Kurmark-Verein bei der Wolfswache zur Seite.
Schulterschluss: Landesbauernpräsident Henrik Wendorff (l.) stand den Schäfern aus dem Kurmark-Verein bei der Wolfswache zur Seite. © Foto: Cornelia Link-Adam
Cornelia Link-Adam / 18.09.2017, 07:00 Uhr
Libbenichen (MOZ) Mit dem Tenor "Wir haben das Recht, unsere Tiere gegen Wolfsangriffe zu verteidigen", haben am Freitagabend die Schäfer aus dem Kurmark-Verein gegen die unkontrollierte Ausbreitung des Wolfes protestiert. An der Osterquelle fanden sich zudem Vertreter aus dem Landesbauernverband und Bauernbund Brandenburg sowie Jäger ein. Die gut 70 Teilnehmer forderten die Senkung des Schutzstatus für den Wolf und Durchsetzung eines Wolfsmanagements, das es erlaubt, Problem-Wölfe zu erschießen.

Im Naturschutzgebiet an den Oderhängen trafen in der Dämmerung immer mehr Fahrzeuge ein. Viele Jäger, nicht nur aus Märkisch-Oderland, zeigten sich mit den Schäfern solidarisch. Der Dolgeliner Schäfermeister Wilfried Vogel hatte einige seiner Tiere mitgebracht. Sie grasten in einer Koppel. Auf der Wiese an der Quelle managten Aktive aus der Libbenichener Ortsfeuerwehr den Grillstand.

Gestärkt, versammelte sich dann fast ein Dutzend Schäfer in Tracht mit ihren Stäben vor dem lodernden Feuer. Dirk Schulze, stellvertretender Vorsitzender des Kurmark-Vereins, dankte den Anwesenden für ihr Erscheinen - auch wenn es bei der Mahnwache im April mehr gewesen seien.

Die Kurmark-Schäfer beteiligten sich an der europaweiten Aktion, weil sich seit der letzten Zusammenkunft nicht viel getan habe. - Nur die Übergriffe des Wolfes nahmen zu. Man fürchte um die Existenz. "Wir fühlen uns allein gelassen mit der Pflege der Landschaften", sagte der Altbarnimer Schäfer und forderte die Lockerung des Schutzstatus des Wolfes. "Der Jäger muss im Ernstfall berechtigt sein, einzugreifen." Dass das Wolfsmanagement nur darin bestehen soll, Zäune und Hunde zu fordern, sei in seinen Augen nicht hinnehmbar.

Den Schäfern zur Seite stand Henrik Wendorff, der Präsident des Landesbauernverbandes. Er kritisierte, dass im Landtag noch immer nur gesagt werde, was nicht geht. Als positives Beispiel nannte er Schweden, das 15 Mal so groß wie Brandenburg sei, wo es 350 Wölfe gibt und man die Population nicht gefährdet, obwohl man die Tiere bejagt.

Nicht zugelassen werden Isegrims dort in Wohngebieten und Regionen, wo Weide- und Rentiere gehalten werden. Dafür gebe man ihnen Rückzugsräume, wie Wälder und Truppenübungsplätze. "Das macht doch Hoffnung, dass es hier auch so gehen könnte", sagte Wendorff. In Brandenburg aber sollen Bauern und Schäfer ihre Weidetiere durch Hunde und Zäune schützen. "Wir haben doch nicht die Mitarbeiter, um ständig Zäune zu stellen", so der Lietzener, der als Chef eines Öko-Agrarbetriebes von der Problematik selbst betroffen ist.

Die Weidehaltung sei aufwändig, reich werde da keiner. "Aber sie gehört zur Kulturlandschaft. Daher müssen wir hin zur Schutzjagd und zu einem ausgewogenen Leben mit den Wölfen", forderte Wendorff unter großem Applaus.

Max-Georg Freiherr von Korff, der Vorsitzende des Jagdverbandes Altkreis Seelow, sprach sich ebenfalls für das Jagdrecht für den Wolf aus. Nicht, um ihn auszurotten, sondern um ihn zu erhalten. "Zäune sind nicht unser Ding, denn sie versperren auch dem wandernden Wild den Weg", so von Korff.

Märkisch Oderlands-Landrat Gernot Schmidt versprach, sich weiterhin für die Weidebewirtschafter einzusetzen. "Wir haben hier eine Kulturlandschaft, die nicht durch Zäune in Privatland zerstückelt werden darf. Dadurch wäre auch die Wanderschäferei nicht mehr machbar." Nach der Wahl werde sich die Politik des Themas annehmen müssen, wie schon bei der Biber-Problematik, so der Landrat. Man müsse weiter gegen Parlamente und Verwaltungen kämpfen, die sich vom wahren Leben abgekoppelt haben, sagte Schmidt.

Wenn nichts geschehe, werde es irgendwann keine Schafe und auch kein Wild mehr in freier Wildbahn geben. "Dann geben wir die Schafe gleich beim Nabu als Wolfsfutter ab", provozierte Schäfer Vogel. Dass man Rassen vorgibt, die als Herdenschutzhunde arbeiten dürfen, monierte Gabriele Stolz aus Döbberin.

Ihre Tochter züchtet Schafe, die schon vom Wolf angegriffen wurden. "Nochmal und sie verkauft sie", sagte die Mutter. Dass so viele Fördermittel für Zäune "verpulvert" werden, kritisierte sie ebenso wie Dirk Schulze.

Dass sich sein Jugendtraum mittlerweile zu einem Albtraum entwickelt habe, erklärte Schäfer Arno Laube aus Rehfelde. Er hält 600 Schafe bei Werneuchen.

Jäger, Bauern und andere Teilnehmer der Wolfswache einte mit den Schäfern die Forderung, dass endlich die Politik die wehrlosen Tiere besser schützen muss. "Wir hoffen, dass es zu keiner weiteren Mahnwache kommen muss", resümierte Dirk Schulze.

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