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Schulinvestitionen
Randberliner Bereich hat Vorrang

Geht 2019 in die Trägerschaft des Landkreises über: die Oberschule am Rollberg samt Grundschulteil. Die Sekundarstufe I soll von jetzt drei auf vier Züge erhöht werden. Die Stadt Bernau rechnet mit einer Investitionssumme von mindestens 25 Millionen Euro.
Geht 2019 in die Trägerschaft des Landkreises über: die Oberschule am Rollberg samt Grundschulteil. Die Sekundarstufe I soll von jetzt drei auf vier Züge erhöht werden. Die Stadt Bernau rechnet mit einer Investitionssumme von mindestens 25 Millionen Euro. © Foto: Wolfgang Rakitin
Sabine Rakitin / 22.09.2017, 07:10 Uhr
Bernau/Eberswalde (MOZ) Der Kindertagesstättenbedarfs- und Schulentwicklungsplan des Landkreises Barnim für den Zeitraum 2017 bis 2022 ist am Mittwoch vom Kreistag bei nur einer Stimmenthaltung beschlossen worden. Zugleich gaben die Abgeordneten 39,5 Millionen Euro für Investitionen in Niederbarnimer Schulstandorte frei.

Selten hat der berlinnahe Raum des Landkreises eine so große Rolle bei der Kita- und Schulentwicklungsplanung im Barnim gespielt wie jetzt. Landrat Bodo Ihrke (SPD) spricht von einer "erfreulich positiven Bevölkerungsentwicklung" im südlichen Barnim, mit der eine steigende Anzahl von Kindern einhergehe. Drei Grundsätze für die Planungen im Kita-Bereich nennt er am Mittwoch im Kreistag:

"1. Alle Kinder vom ersten Lebensjahr bis zum Ende der Grundschulzeit sollen durch einen Kita- beziehungsweise Hortplatz versorgt werden.

2. Ausnahmegenehmigungen für zu kleine Einrichtungen sollen nach und nach abgebaut werden.

3. Außerhalb des Landkreises betreute Kinder sollen vorrangig ein Angebot in Einrichtungen innerhalb des Landkreises bekommen." Daraus ergebe sich die Notwendigkeit, in den Gemeinden Panketal, Wandlitz sowie in den Städten Bernau, Eberswalde und Werneuchen neue Plätze zu schaffen, stellt Barnims Verwaltungschef fest.

Was die Schulen im berlinfernen Barnim anbelangt, sieht Ihrke zwar keine in ihrem Bestand unmittelbar gefährdet, "an einigen Grundschulen könnte jedoch die Bildung jahrgangsübergreifender Klassen erforderlich werden", sagt er. Im berlinnahen Teil des Landkreises hingegen müssten "perspektivisch Kapazitäten im Grund- und Oberschulbereich erweitert werden", ist dem Landrat klar. Und was die Gymnasialplätze anbelange, da sei die tatsächliche Entwicklung der nächsten Jahre zu beobachten, "um auf einen eventuellen Engpass adäquat und zeitnah reagieren zu können", bemerkt Ihrke.

Groß Zeit verlieren will der Landrat nicht. "Die Neuschaffung von Kita- und Schulkapazitäten muss ohne weiteres Zögern umgesetzt werden", appelliert er an die Abgeordneten. Insgesamt 39,5 Millionen Euro soll der Kreistag für die Haushaltsjahre 2018/19 fest einplanen, um die Schullandschaft im Niederbarnim weiter zu entwickeln. Das Geld wird in die Gemeinden Panketal, Ahrensfelde und in die Stadt Bernau fließen.

In Panketal wird der Kreis die Trägerschaft für die Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe "Wilhelm Conrad Röntgen" voraussichtlich zum 1. Januar 2020 übernehmen. Dann sollen Teile der Schulanlage instand gesetzt werden.

In der Gemeinde Ahrensfelde wird der Landkreis am derzeitigen Standort der Grundschule "Friedrich von Canitz" in Blumberg eine Oberschule mit Grundschule errichten. Die Gemeinde gibt dazu ihre Schulanlage her und baut sich eine neue Grundschule, für die sie wiederum finanzielle Hilfe vom Landkreis bekommt.

Der Löwenanteil der 39,5 Millionen Euro wird allerdings in die Stadt Bernau fließen. Dort übernimmt der Landkreis zum 1. August 2019 die Trägerschaft für die Oberschule mit Grundschule am Rollberg. Die Kapazität der Sekundarstufe I soll auf vier Züge erhöht, die Kapazität der Primarstufe in Abstimmung mit der Stadt "den Erfordernissen angepasst werden". In diesem Zusammenhang kündigt der Landkreis "umfangreiche Maßnahmen zur Sanierung und Erweiterung der Schulanlage" an. Das werde eine Investition von mindestens 25 Millionen Euro, wird in Bernau frohlockt.

Für die Linken stellt Christine Poppitz am Mittwochabend fest, die Entwicklung der Schullandschaft mit großen Bildungsstandorten und hohen Investitionen, die die Verwaltung vorgestellt habe, sei ein Novum. Die Bernauerin führt das auch auf die erstmalige Anhörung der Städte und Gemeinden zur Kitabedarfs- und Schulentwicklungsplanung für den Barnim zurück. Sie hätten die aktuellen Zahlen zu den bestimmenden Faktoren der Bevölkerungsentwicklung - zu Geburten, Zu- und Fortzügen - geliefert und somit dafür gesorgt, dass die Rahmenbedingungen für die kommenden fünf Jahre mit gesicherten Zahlen abgesteckt werden konnten, lobt die Linke.

Dennoch macht sie für ihre Fraktion eine Reihe von Problemen geltend, die dringend im Bildungsausschuss des Kreistages behandelt werden müssten. Für den Kitabereich nennt sie beispielsweise die Forderungen der neuentstandenen Elternbeiräte in Kita und Hort nach mehr Erziehern, differenzierteren Kostensätzen und Zeitstaffelungen bei der Betreuung der Kinder. In der schulischen Bildung gehe es um Qualitätssicherung.

Dass trotz der vor 15 Jahren eingeführten Ganztagsschulen und deren guten pädagogischen Angeboten immer mehr Eltern auf Nachhilfeunterricht für ihre Kinder bei privaten Anbietern zurückgriffen, müsse untersucht werden, ist Christine Poppitz überzeugt.

Insgesamt gibt es für den neuen Kitabedarfs- und Schulentwicklungsplan des Landkreises aber viel Lob von den Kreistagsabgeordneten quer durch alle Fraktionen. Am Ende stimmen sie für das umfangreiche Planwerk mit mehr als 700 Seiten - bei lediglich einer Enthaltung.

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