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Ranger schulen in der Lieberoser Heide Kollegen aus ganz Deutschland und der Schweiz in Sachen Isegrim

Alle Augen auf den Wolf gerichtet

Ranger lassen auf der Besucherplattform zwischen Lieberose und Peitz ihren Blick über die Lieberoser Heide schweifen - in der Hoffnung, ein Wildtier zu entdecken:  Ein dicht vorbeisegelnder Seeadler sorgte für spontane Begeisterungsstürme.
Ranger lassen auf der Besucherplattform zwischen Lieberose und Peitz ihren Blick über die Lieberoser Heide schweifen - in der Hoffnung, ein Wildtier zu entdecken: Ein dicht vorbeisegelnder Seeadler sorgte für spontane Begeisterungsstürme. © Foto: MOZ/Jörg Kühl
Jörg Kühl / 28.09.2017, 06:20 Uhr - Aktualisiert 28.09.2017, 21:18
Lieberose (MOZ) 20 Naturpark-Ranger aus ganz Deutschland und der Schweiz haben am Mittwoch in der Lieberoser Heide an einem Wolf-Seminar teilgenommen. Dabei erlernten sie unter anderem das Handwerkszeug, um mögliche Wolfpopulationen zu erkennen und zu dokumentieren.

"Whow!", "Wahnsinn!", Wunderschön!", Beifall brandet auf. Die Bewunderung gilt nicht etwa dem Wolf, der eigentlich Grund des Zusammentreffens ist, sondern einem anderen Wildtier: Relativ dicht an der Tribüne, wo sich Naturpark-Ranger aus ganz Deutschland, und der Schweiz versammelt haben, schwebt der Raubvogel majestätisch vorbei. "Dass hier ein Seeadler vorbeikommt, hätte ich nicht gedacht. Diese Eindrücke nimmt man mit!", freut sich Dieter Westphal, Ranger im Naturpark Drömling, der sich über die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Niedersachsen erstreckt. In "seinem" Nationalpark gebe es den Wolf zwar noch nicht, aber etwa 30 Kilometer, für den Wolf ist das ein Katzensprung. Um den immer häufiger gestellten "Wolfsfragen" seiner Besucher gewappnet zu sein, ist Westphal nach Lieberose gekommen.

Schulung von Naturpark-Rangern in der Lieberoser Heide
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Auf den Spuren des Wolfs

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Nach einer kurzen Einweisung über die Geschichte des ehemaligen Truppenübungsplatzes Lieberoser Heide geht es mit geländegängigen Autos in die Heide. Nach mehreren Kilometern entlang des Brandschutzstreifens hält die Kolonne plötzlich an: Trittsiegel gesichtet, hundeartig, möglicherweise vom Wolf. Um dies näher zu untersuchen, heißt es: Absitzen!

Nico Brunkow, Ranger im Naturpark Schlaubetal, beugt sich mit seinen Kollegen und Medienvertretern über die Fährte. Der Ranger kramt eine Schachtel mit Mikadostangen, ein Lineal ("aus Holz, damit es im Blitzlichtgewitter nicht so glänzt"), und eine Messlatte hervor. Die Mikadostäbchen steckt er senkrecht in die Zehenabdrücke des Trittsiegels, anschließend misst er mit dem Lineal die Gesamtlänge der Fährte. Der Abdruck eines ausgewachsenen Wolfs ist im Durchschnitt acht Zentimeter lang. Dies allein reicht jedoch nicht aus, um auf Wolf zu votieren. Hinzu kommt der Abstand der Fährten: Da der Wolf die Angewohnheit hat, mit den Hinterpfoten in die selbe Stelle zu treten, die die Vorderpfote genommen hatte, ergibt sich die Besonderheit, dass die Tritte in einer Linie angeordnet sind. "Schnüren" heißt diese Gangart in der Fachsprache. Der Abstand von drei aufeinanderfolgenden Fährten ist beim Wolf etwa 110 Zentimeter lang, abhängig von der Marschgeschwindigkeit.

Die Teilnehmer des Seminars messen und stellen fest: alles passt. Die Fährte ist mit großer Wahrscheinlichkeit die eines Wolfs.

Währenddessen entfernt die Lieberoser Repräsentantin der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, Jenny Eisenschmidt, den Chip aus einer Wildkamera, die in etwa auf die Stelle ausgerichtet ist, an der die Fährte gefunden wurde. Und siehe da: Auf einer Bilderfolge, die Mittwochmorgen um 2.19 Uhr aufgenommen wurde, ist tatsächlich ein Wolf zu erkennen. Zufall? "Nein, eher nicht", meint Jenny Eisenschmidt, deren Arbeitgeber Eigentümer der betreffenden Wildnisflächen in der Lieberoser Heide ist. "Dies ist ein Rendezvouzplatz der Wölfe". Hier würden sich die Raubtiere regelmäßig aufhalten.

Für Rangerin Luzia Zust, die aus dem schweizerischen Brugg angereist war, ist das Wolfseminar in der Lieberoser Heide eine wichtige Erfahrung. "Wir haben es in unseren Bergregionen auch mit dem Wolf zu tun." Zwei Rudel seien aus dem Calandatal eingewandert. Ebenfalls aus Italien kämen auch Bären über die Gebirgsgrenze in die Schweiz. Da die Schafzüchter in den Bergen keine Gehege bauen können, arbeite man mit Herdenschutzhunden. "Damit haben wir in der Schweiz gute Erfahrungen gemacht."

Wölfe und Nutztierhaltung: Diese Paarung ist auch in Brandenburg ein Spannungsfeld. Aus diesem Grund haben Naturwacht und Stiftung als Ausrichter des Seminars auch ein Treffen mit dem Breslacker Schäfer Bernd Birkholz-Weise organisiert. Seine Schafe sorgen in der Reicherskreuzer Heide dafür, dass die Heide Heide bleibt und nicht zuwächst. Wie Brunkow berichtet, setzt der Schäfer auf ein ganzes Maßnahmenbündel, um sich den Wolf vom Leibe zu halten. Herdenschutzhunde, Elektrogatter, elektrische Litzen am Boden, um eine Untergraben zu verhindern.

Am Ende des Seminars ziehen gen die Teilnehmer eine positive Bilanz. "Sehr gut, dass so etwas durchgeführt wird", meint Dominik Joosten vom Natioalpark Berechtesgaden. Er und seine Kollegen wollten vorbereitet sein, wenn der Wolf tatsächlich einwandert. "Nicht, dass wir so überfordert sind, wie es seinerzeit mit dem Problembär Bruno war." Zwei Betriebe in Berechtesgaden - ein Züchter von Mini-Shetlandponys und ein Schäfer - würden bereits Herdenschutzhunde einsetzen. Bei uns ist es wie in Brandenburg. Man kann nicht alle Nutztiere flächendeckend eingattern."

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