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105. Geburtstag
Landluft als Lebenselixier

Ellen Werner / 29.09.2017, 06:40 Uhr
Senftenhütte (MOZ) Ein Jahrhundertleben: Trudchen Spann gehört zu den ältesten Brandenburgern und ist trotzdem noch ziemlich fit. Ihren 105. Geburtstag begeht die Senftenhütterin heute im Haus ihrer Eltern, in dem sie auch zur Welt kam.

Die Erinnerungen liegen ausgebreitet auf einem Tisch. "Das sind meine Mutter und mein Vater vor unserem Haus", kommentiert Ururoma Spann eines der Fotos. "Hier in diesem Haus bin ich auch geboren." Ein anderes Bild zeigt sie inmitten ihrer Hochzeitsgesellschaft im Jahr 1937. "Von den Gästen lebt fast keiner mehr", sagt Trudchen Spann. Ihre heutigen Bekanntschaften sind allesamt deutlich jünger als sie. Geboren wurde sie am 29. September 1912.

Wie man so alt wird wie sie? "Das haben schon einige gefragt", sagt die heute 105-Jährige amüsiert. "Weil ich immer in der Landwirtschaft gearbeitet habe", antwortet sie schließlich. "Da hatte ich immer frische Luft." Außerdem genieße sie stets gesundes Essen, "alles öko", fügt ihre Tochter Brunhilde Keil (77) hinzu.

Angefangen mit der Arbeit hat sie schon als 14-Jährige. "Meine Eltern hatten eine kleine Landwirtschaft. Als ich eingesegnet war, musste ich immer helfen", berichtet sie. Lohn gab es dafür nicht, "sie hatten kein Geld". Trudchen Spann pflanzte unter anderem Bäume im Wald, um ein wenig hinzuzuverdienen.

Ihren Mann, einen Althüttendorfer, lernte sie bei einem Tanzvergnügen in einer der damals zwei Gaststätten im Ort kennen. Wie der gelernte Schlosser, der nach neun Jahren in Krieg und Kriegsgefangenschaft 1948 zurückkehrte, arbeitete sie später in der LPG. Bereits 61-jährig starb ihr Mann allerdings Mitte der 70er-Jahre. "Ich wollte allein bleiben", sagt sie heute.

Ihr gesamtes Leben hat Trudchen Spann in Senftenhütte verbracht, bis auf eine kurze Episode, als die junge Mutter mit der Erstgeborenen Brunhilde kurz vor Kriegsende in Richtung Mecklenburg floh. Tochter Edith kam 1949 zur Welt.

Heute umfasst Trudchen Spanns Familie fünf Generationen: Mit allen eingeheirateten Verwandten hat sie vier Enkel, drei Urenkel und sogar einen Ururenkel. Edith Ludwig, die jüngere Tochter, wohnt im Ort und sieht zwei- bis dreimal täglich nach der Mutter. Eine Woche im Monat lebt die Hochbetagte bei Brunhilde Keil in Eichhorst, wo sie einige Bekanntschaften pflegt. Auch in Senftenhütte besucht sie noch Bekannte. "Ein Kollege ist 94", erzählt sie. Die Töchter haben sie überredet, eine Warnweste zu tragen, wenn sie allein unterwegs ist.

Ob sie an frühere Zeiten denke, wenn sie tagsüber am Fenster sitzt und auf die vorüberziehenden Fahrzeuge sieht? "Ja, immer", sagt sie. "Wie wir auf dem Feld waren und so etwas, das erzählen wir uns auch mit den alten Bekannten."

Den Fernseher habe sie vor Jahren abgeschafft. "Ich kann nicht mehr so gut sehen", erklärt Trudchen Spann. Auch das Gehör hat nachgelassen. Mithilfe einer Brille liest sie aber noch jeden Tag die Märkische Oderzeitung. Das Weltgeschehen hat sie bestimmt schon studiert, wenn heute die Gratulanten eintreffen.

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