Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Hans-Werner Hintze hat ein Riesenwerk über die Geschichte von Alt Golm verfasst / Am 10. November stellt er es vor

Dorfgeschichte
1100-Seiten-Chronik als Krönung

Zweibändige Ortschronik mit mehr als 1100 Seiten: Hans-Werner Hintze aus Alt Golm hat zuvor bereits zahlreiche Heimathefte (rechts) herausgegeben - über das Dorf, das erst seit 1999 sein Zuhause ist.
Zweibändige Ortschronik mit mehr als 1100 Seiten: Hans-Werner Hintze aus Alt Golm hat zuvor bereits zahlreiche Heimathefte (rechts) herausgegeben - über das Dorf, das erst seit 1999 sein Zuhause ist. © Foto: MOZ/Bernhard Schwiete
Bernhard Schwiete / 26.10.2017, 20:28 Uhr
Alt Golm (MOZ) Zu Hause in ... lautet der Titel unserer Serie, in der Menschen aus der Region vorgestellt werden. Das können Frauen und Männer sein, die schon immer hier leben oder hier ihre Wahlheimat gefunden haben. Heute: Hans-Werner Hintze aus Alt Golm.

430 Einwohner hat Alt Golm aktuell, und obwohl das Dorf nicht wirklich zum Berliner Speckgürtel gehört, sind das deutlich mehr als zum Ende der DDR. Nur 255 Alt Golmer gab es 1989. Zu verdanken ist diese Entwicklung der Ausweisung neuer Baugebiete; 76 neue Einfamilienhäuser wurden errichtet. In einem von diesen wohnt seit 1999 Hans-Werner Hintze. Mit seiner Frau Eva-Maria kehrte er damals im Ruhestand seinem vorherigen Wohnsitz Strausberg den Rücken, um im neuen Haus seines Sohnes Thomas eine Einliegerwohnung zu beziehen.

Strausberg, wo er als Oberst bei der Nationalen Volksarmee und im Verteidigungsministerium der DDR beschäftigt war, liegt dem heute 86-Jährigen noch immer am Herzen. Hintze lässt sich das "Märkische Echo", die Strausberger Lokalausgabe der Märkischen Oderzeitung, nach Alt Golm liefern. Doch auch die Identifikation mit seiner Wahlheimat könnte größer kaum sein. Hintze ist Ortschronist von Alt Golm, und diese Arbeit erfüllt er weit über das Übliche hinaus.

Zahllose Heimathefte hat der Rentner herausgegeben, und jetzt hat er seinem Schaffen die Krone aufgesetzt. Eine umfassende Chronik hat er herausgegeben. "Das Dorf zwischen Scharmützelsee und Spree" lautet der Titel, aufgeteilt auf zwei Bände umfasst das Werk mehr als 1100 Seiten. Nahezu drei Seiten pro Einwohner sind das rechnerisch. Das ist ein Verhältnis, als würde eine Fürstenwalder Stadtchronik mit mehr als 80000 Seiten erscheinen.

"Ich wollte wissen, wo ich wohne", antwortet Hintze, der in Pommern aufwuchs, auf die Frage, was ihn zu einer derart tiefgründigen Beschäftigung mit der Geschichte von Alt Golm veranlasst habe. Als er mit seiner Recherche begann, habe er lediglich "Ansätze einer Chronik" durch den früheren Lehrer Kurt Steinbring vorgefunden. "Das hat mich aber nicht befriedigt. Das war nicht recherchiert, ich wollte aber an die Quellen ran", sagt Hintze. Bei seiner Arbeit machte er sich unter anderem das Landeshauptarchiv in Potsdam zunutze.

So entstand nach und nach ein Werk, das mit Funden aus der Eis- und Steinzeit in der Region beginnt, auf natürliche Gegebenheiten wie die Berge in der Umgebung eingeht und sich im ersten Band bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges vorarbeitet. Band zwei beschäftigt sich mit der LPG, mit der Feuerwehr, mit dem Sportverein, mit dem Förderverein Pro Alt Golm, mit der Linzmühle, mit der nicht mehr vorhandenen Gaststätte und dem ebenfalls verschwundenen Dorfladen und vielem mehr. Auch den Bürgerentscheid im Jahr 2002 thematisiert Hintze. 89,6 Prozent der Einwohner hätten sich im Zuge der damaligen Gemeindegebietsreform für einen Anschluss an Bad Saarow ausgesprochen, berichtet der Chronist. Am Ende wurde Alt Golm trotzdem ein Ortsteil von Rietz-Neuendorf.

"Ein Jahr lang habe ich an der Fertigstellung der Chronik gearbeitet", erzählt Hintze. Viele der bebilderten Texte seien in seinen Heimatheften bereits vorhanden gewesen. Das Problem, das er lösen musste, sei ein technisches gewesen. "Die Dateien waren zu groß, um mit ihnen arbeiten zu können." Ein spezielles Computerprogramm brachte die Lösung. Letzter Arbeitsschritt vor dem Druck war dann das Lektorat. Sämtliche gut 1100 Seiten prüfte Hintze alleine in seinem Arbeitszimmer im Keller seiner Einliegerwohnung auf Fehler. "Da war ich das zwischendurch auch mal leid. Aber jetzt bin ich auch ein bisschen stolz auf mein Werk", sagt er.

Am Freitag, 10. November, 19 Uhr, stellt Hintze seine Chronik bei einem Abend im Dorfgemeinschaftshaus der Öffentlichkeit vor. Dazu hat er einen Powerpoint-Vortrag vorbereitet. Außerdem kann sein Werk dann käuflich erworben werden, für 55 Euro für zwei Bände inklusive einer Schatulle. Zum Selbstkostenpreis, wie Hintze sagt.

Alt Golm

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG