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Nabu
Neues Revier für den Schreiadler

Besonderer Dank: Tilmann Disselhoff vom Nabu Regionalverband überreichte dem Eigentümer der Fläche, Gerhard Müller, sowie Pächter Peter Puls (von rechts) eine Urkunde.
Besonderer Dank: Tilmann Disselhoff vom Nabu Regionalverband überreichte dem Eigentümer der Fläche, Gerhard Müller, sowie Pächter Peter Puls (von rechts) eine Urkunde. © Foto: MZV
Sandra Jütte / 23.11.2017, 17:58 Uhr
Wendefeld (GZ) Der Schreiadler ist in Deutschland vom Aussterben bedroht, er kommt nur noch in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg vor. Um die Lebensbedingungen des Greifvogels zu verbessern, hat der Granseer Regionalverband des Nabu vier einstige Feldzölle aus der letzten Eiszeit revitalisieren lassen.

Ein Foto in der Planungsmappe zeigt, wie das Areal vor den Arbeiten aussah: kniehohes Gras, wuchtige Büsche und hohe Weiden waren dort, wo nun vier Teiche in der Sonne glitzern. Wo einst viele Frösche quakten, wie Eigentümer Gerhard Müller berichtet, nahm der Bestand an Amphibien zunehmend ab, da ausreichend Licht und irgendwann auch das Wasser zum Laichen fehlte.

Das hat sich nun geändert. Für insgesamt 90000 Euro ließ der Granseer Nabu vier Feldzölle revitalisieren, die vor 12000 Jahren nach Abschmelzen der letzten Eisblöcke an den Stellen entstanden waren. Da diese aber im Laufe der letzten Jahrzehnte nach und nach mit organischem Material verlandeten, bemühten sich Tom Kirschey und Tilmann Disselhoff vom Granseer Nabu ab 2015 darum, den Schlamm abtragen zu lassen. "Der Schreiadler hat eines seiner letzten Jagd- und Brutreviere direkt hier an der Areal-Grenze. Wenn das verloren geht, ist es sehr schwer, diese Art wieder anzusiedeln", verdeutlichte Disselhoff am Donnerstag bei der offiziellen Bauabnahme die Wichtigkeit des Projektes.

Um das Nahrungsangebot für den Greifvogel aufzuwerten und den Lebensraum für Amphibien wie die Knoblauchkröte, den Teichmolch oder auch den Laubfrosch - die allesamt noch in der Gegend vorkommen - zu schützen, rückten Mitte September diesen Jahres die Bagger von Norbert Lück an.

Mit ihnen wurden die organischen Materialien ausgehoben und zur Bodenverbesserung auf den umliegenden Feldern verteilt. Zudem wurden auch die hochgewachsenen Weiden gestutzt. Das Wasser kam dann, nach Aussage von Planer Hermann Wiesing, von ganz alleine zurück. "Es hat ja ausreichend geregnet, zudem ist das Areal flach genug", erklärte der Experte für Agrar- und Umweltplanung, der schon viele Revitalisierungen begleitet hat.

Die vielen Niederschläge hatten zwischenzeitlich auch die Arbeiten erschwert, da die schweren Gerätschaften im Schlamm versackten. "Stellenweise sind wir da an unsere Grenzen gekommen", gab Norbert Lück zu. Letztendlich konnten aber alle Ziele umgesetzt und die eigentlich verplante Investitionssumme von 100000 Euro noch unterboten werden. Finanziert wurde das Projekt zum einen aus Mitteln der Heinz-Sielmann-Stiftung sowie zum großen Teil aus Geldern des Naturschutzfonds Brandenburg. Dieser finanziert sich mit Ausgleichszahlungen, die etwa als Ersatzmaßnahme für das Fällen von Bäumen oder andere Eingriffe in die Natur geleistet werden müssen.

Damit die Arbeiten überhaupt durchgeführt werden konnten, mussten natürlich der Eigentümer der insgesamt acht Hektar großen Fläche, Gerhard Müller, sowie der aktuelle Pächter Peter Puls ihr Einverständnis geben. Zudem sind die Gewässer auch für die kommenden 25 Jahre geschützt und dürfen nicht verändert werden. Für die gute und offene Zusammenarbeit bedankte sich Tillmann Disselhoff am Donnerstag mit einer Urkunde bei den beiden. "Das ist auch ein schönes Beispiel dafür, dass man Hand in Hand viel erreichen kann", lobte auch Silke Orloff vom Naturpark Stechlin-Ruppiner Land, der direkt an das Areal grenzt.

Im kommenden Jahr soll nun noch ein Graben, der zwischen den Teichen verläuft einen Staudamm bekommen, damit die Wassermengen auch in Trockenzeiten erhalten bleiben.

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