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Wölfe als Angreifer in Blasdorf vermutet / Gehege war mit Zaun gesichert / Dritter Vorfall in einer Woche

Wölfe
Sieben Damhirsche gerissen

Betretene Mienen: Jenny Eisenschmidt und Florian Schmidt von der Stiftung Naturlandschaften, Axel Becker von der Oberförsterei Lieberose sowie Nachbar Manfred Fritsche (v. l.).
Betretene Mienen: Jenny Eisenschmidt und Florian Schmidt von der Stiftung Naturlandschaften, Axel Becker von der Oberförsterei Lieberose sowie Nachbar Manfred Fritsche (v. l.). © Foto: MOZ/Jörg Kühl
Jörg Kühl / 24.11.2017, 21:03 Uhr - Aktualisiert 25.11.2017, 08:39
Blasdorf (MOZ) Mutmaßlich Wölfe sind in Blasdorf in ein umzäuntes Wildtiergehege eingedrungen und haben sieben Damhirsche gerissen. Es handelt sich um den dritten Übergriff auf Nutztiere in der Region innerhalb einer Woche.

Die Kadaver liegen in dem weitläufigen Wildtiergehege verstreut. "Das muss eine wilde Jagd gewesen sein", meint Eigentümerin Irmgard Kupke. Die 80-Jährige kann es noch gar nicht fassen, was sich nur wenige Meter von ihrem Wohnhaus entfernt in der Nacht zu Freitag in Blasdorf abgespielt hat.

In der Koppel hat sich inzwischen eine Gruppe Menschen versammelt, um den Schaden zu inspizieren: Kai-Uwe Hartleb, vom Land bestellter Rissgutachter, der Leiter der Oberförsterei Lieberose, Axel Becker, Jenny Eisenschmidt und Florian Schmidt von der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg sowie Nachbar Manfred Fritsche, der Irmgard Kupke hilft, Haus und Hof in Ordnung zu halten. Er kümmert sich auch um die Damhirsche. "Da drüben stehen noch 15 Stück. Die sind jetzt natürlich völlig verängstigt." Alle sieben Kadaver weisen eine nur geringe Fleischentnahme auf. Die Angreifer müssen wohl gestört worden sein, vermutet Fritsche.

Dass es ein oder mehrere Wölfe gewesen sind, blieb am Freitag von allen Beteiligten unwidersprochen. Letzte Gewissheit können freilich nur die Gen-Proben bringen, die Hartleb mit Wattestäbchen von den Kadavern abstreicht. Der Gutachter betrachtet sich auch die Biss-Muster. Einer toten Hirschkuh deckt der Wolfsexperte das Fell im Halsbereich ab, um die Eintrittswunden von innen zu betrachten, wo kein Fell stört. Alles wird fotografiert und dokumentiert. Immer muss der Zollstock dabei liegen, um Rückschlüsse auf Maße und Gewichte ziehen zu können: Kriminalistische Arbeit im Wildtiergehege. Das hatte Irmgard Kupkes Ehemann Günter 1995 errichtet. Der Zaun ist rund 1,90 Meter hoch und in die Erde gegraben. Zusätzlich hatte der er schwere Betonschwellen rundum in den Boden eingelassen, um ein Unterwühlen zu verhindern. Doch genau da ist passiert. An zwei Ecken hatten die findigen Räuber Schwachstellen entdeckt. Eine davon wurde soweit aufgebuddelt, bis sie als Einschlupfloch geeignet war. Fritsche will nun einen elektrisch geladenen Draht in Bodennähe rund um das Gatter installieren, wie es der Rissgutachter vor Ort riet. Denn eine Rückkehr der Raubtiere hält der Blasdorfer für wahrscheinlich. "Hoffentlich bekommt Frau Kupke eine Entschädigung für die gerissenen Hirsche", so der Blasdorfer.

Jenny Eisenschmidt von der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, die vor Ort war, um ihre Kenntnisse über den Wolf zu erweitern, hält es für möglich, dass einjährige männliche Jungwölfe die sich im Winter von ihren Rudeln entfernen, die Urheber der Risse sein könnten. In der Gegend gibt es mindestens drei Wolfsrudel: Das Bärenklau-Rudel, das Siegadel-Rudel und das Rudel in der Lieberoser Heide.

Die Risse in Blasdorf sind der dritte Vorfall innerhalb dieser Woche. In der Nacht zu Mittwoch waren mutmaßlich Wölfe in einen Schafstall mit Auslauf in Hollbrunn eingedrungen und hatten vier Tiere getötet. In der Nacht zu Dienstag war in einem umzäunten und elektrisch gesicherten Gehege in Guhlen ein junger Muffelbock gerissen worden.

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