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Erster Bauabschnitt abgeschlossen: Senftenhütter Feldsteinkirche mit neuem Dach / Nun soll Turm angeglichen werden

Bauen
Für Geschichte der Zukunft gewappnet

Julia Lehmann / 08.01.2018, 21:16 Uhr
Senftenhütte (MOZ) Die Ortsmitte, wie es Dorfkirchen einst waren, in Senftenhütte wollte man sie nicht dem Verfall überlassen. Die im April begonnenen Arbeiten sind nun abgeschlossen, das Dach ist wieder dicht. Hier will der unterstützende Verein aber noch nicht aufhören.

Es ist vollbracht. Der erste Bauabschnitt der Dorfkirchen-Sanierung in Senftenhütte ist abgeschlossen. Für eine Weihnachtsandacht am heiligen Abend und eine kleine Silvesterfete konnte die Hugenottenkirche bereits genutzt werden, berichtet Cornelia Müller, Pfarrerin in der französisch-reformierten Feldsteinkirche. Sie ist auch Mitglied im Verein "Lebendiges Hugenottenerbe", 2016 gegründet, der sich für den Erhalt der Dorfkirchen in Groß und Klein Ziethen sowie Senftenhütte und des Pfarrhauses in Groß Ziethen einsetzt. Er organisiert Fördermittel, um die Gebäude zu sanieren, wieder nutzbar zu machen. Wie diese Nutzung in Zukunft aussehen kann, dazu können Interessierte gern Vorschläge bereiten, sagt Cornelia Müller.

Viele engagierte Bürger wie Uwe Schwert, der die Arbeiten fotografisch für das Online-Bautagebuch festhielt, haben geholfen. Eigentlich wollte Uwe Schwert nur seine Frau vertreten, die Mitglied in der Kirchengemeinde ist, aber an den wöchentlichen Baubesprechungen berufsbedingt nicht teilnehmen kann. Jeden Dienstag war er bei den Treffen mit Baufirmen und Architekt anwesend und hat so die Kirche immer mehr auferstehen sehen. "Daraus wurde schnell eine Herzensangelegenheit", sagt Uwe Schwert. "Die Kirche ist ein Symbol, ein Stabilitätsfaktor. Auch Nicht-Kirchenmitglieder haben Interesse an ihrem Erhalt", sagt Cornelia Müller. Die Menschen würden sich mit viel Herzblut für ihre Kirche einsetzen. Neben den bereits gestarteten Veranstaltungen wie "Ein Dorf macht Kino" sollen zukünftig weitere hinzukommen. Die Kirche solle wieder ein Ort der Begegnung werden, für Austausch und Gemeinschaft.

Im Falle der Dorfkirche in dem kleinen Choriner Ortsteil ist ein wesentlicher Schritt geschafft. Die Kirche hat vermutlich bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts existiert, musste aber womöglich wegen Baufälligkeit abgetragen werden. Der nun sanierte Neubau aus gespaltenen Feldsteinen entstand zwischen 1803 und 1806. 1936 erst kam der Glockenturm hinzu. Deshalb ist dieser heute noch in einem guten Zustand, schätzt Cornelia Müller. Heute befindet sich darin nur noch eine von vermutlich drei Glocken. An dieser Stelle möchte sich Cornelia Müller korrigieren. Statt aus Stahl, wie sie bislang angenommen hatte, ist die Glocke aus Bronze. Im Kirchenschiff steht eine weitere als Schmuckstück. Sie stammt aus dem Jahr 1728. In einem zweiten Bauabschnitt soll lediglich das Turmdach neu gedeckt werden, damit es zu den roten Biberschwanzziegeln auf dem Kirchenschiff passt.

Und darin bestand auch der Kern des ersten Bauabschnitts. Geplant hat das Vorhaben das Architekturbüro ibs. Das Dach war undicht, Wasser drang ins Innere und hatte so den Holzbalken stark zugesetzt. Auch Hausbockkäfer hatten sich ausgebreitet und zersetzten den Dachstuhl zunehmend. Im Laufe der Arbeit durch die Dachdeckerfirma um Carsten Weber mussten etliche Balkenteile und Balkenköpfe getauscht werden. Entsprechend des Denkmalschutzes ist "erhalten worden, was erhalten werden kann", hält Cornelia Müller fest. Steht man auf dem Dachboden sind die getauschten Elemente gut erkennbar: Das alte Holz ist nachgedunkelt, während das neue noch hell und frisch aussieht - und riecht. Den Dachboden auszubauen, ist nicht vorgesehen.

Wie für den Dachboden ist auch für die Decke im Kirchenschiff mit Kiefernholz restauriert worden. "Es ist sehr harzhaltig. Auf Konservierungsstoffe kann so verzichtet werden", erklärt Uwe Schwert. Auch bei der Decke wurde alles wiederverwendet, was unbeschädigt war. Etwa einige Zierleisten. Eine Restauratorin hat ihre Arbeit begonnen und Farbproben entnommen, um eine eventuelle Erneuerung des Innenraums vorzubereiten. Die Fenster sollen neu eingesetzt und Elektrik erneuert werden.

135 000 Euro waren für den ersten Bauabschnitt veranschlagt worden. Noch kann Cornelia Müller nicht sagen, wie hoch die Baukosten tatsächlich sind. "Es sind noch Rechnungen offen." Der Landkreis Barnim, der Verein Alte Kirchen, die Stiftung KiBa sowie der Förderkreis Alte Kirchen unterstützen die Finanzierung. Der Eigenanteil beträgt 65 000 Euro, den die Kirchengemeinde, der Kirchenkreis, die Landeskirche und Spender ausglichen.

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