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Beim Zampern in Klein Schauen war auch in diesem Jahr wieder das Bla-Mu-Echo mit seinen Instrumenten dabei

Brauchtum
Bei Trompetenklängen füllt sich die Kasse

Elke Lang / 15.01.2018, 06:45 Uhr
Klein Schauen (MOZ) Am traditionellen Zampern in Klein Schauen haben sich am Sonnabend wieder zahlreiche Feierlustige beteiligt. Gezampert wurde am Wochenende außerdem auch in Mittweide, Ragow und Schadow.

Wenn bei Heidi Kubick das Bla-Mu-Echo vor dem Haus steht und das Lied "Heidi" spielt, dann ist es wieder soweit: In Klein Schauen wird gezampert, und um die Kapelle herum tanzen bis zu dreißig Narren, unter ihnen bis zu zehn Kinder.

Bei Siegbert und Valentina Bleul intonieren die Musikanten in jedem Jahr "Kalinka", denn die Hausfrau stammt aus der Ukraine. Auch vor Jürgen Brackis Grundstück wird einer guten und liebgewonnenen Tradition folgend immer dasselbe gespielt, um ihn herauszulocken, auf dass er sich freue und eine milde Gabe spende. Jürgen Bracki hat einmal in ganz früher Jugend in einer Band gesungen, und es hatte sich herumgesprochen, dass sein Lieblingslied damals "Ganz in Weiß" gewesen ist.

In Klein Schauen richtet sich der Termin des Zamperns nach dem Kalender des Bla-Mu-Echos, auf das hier niemand verzichten will. "Sie spielen mit Trompete und Saxophon die klassischen Instrumente und viele alte Schlager, die bei den Leuten sehr beliebt sind", erklärt dazu Andreas Batke, der als Hüter der Zamperkasse in Klein Schauen so ziemlich die wichtigste Aufgabe hat. Begleitet wird er stets von Petra Roth, die mit einem Kinderwagen voller Schnaps mitzieht.

"Zampern gibt es bei uns schon mindestens seit einhundert Jahren", ist Andreas Batke überzeugt. "Es hat sich alles organisatorisch über die Zeit eingespielt: Eine Familie übernimmt die Getränke, einer sorgt für die Kapelle, ein anderer für die Musikanlage am Abend bis nach Mitternacht, wenn das Zampern im Gemeindehaus seinen Ausklang findet."

Einige Klein Schauener schlüpfen jedes Jahr in die gleiche Figur. So kann man sich darauf verlassen, dass Uwe Wolff als Mönch dabei ist, und dass Andreas Gossing als Brasilianer mit Poncho durch den Ort zieht. Diesmal fielen die Hexenfamilie Klehr und Olaf Schilling als Engel besonders auf.

Andreas Batke war am Sonnabend wieder zufrieden: "Wir sind jedes Jahr erstaunt, wie freigiebig die Leute sind und welches Gemeinschaftsgefühl sichtbar wird, wenn wir auf die Höfe kommen", sagte er erfreut. Der gesellig-gemütliche Abend im Gemeindehaus konnte also beginnen.

Das Zampern ist eine sorbische Karnevalstradition, die vor allem in der Lausitz verbreitet ist. Der Begriff entstand aus dem sorbischen "camprowanje" (heischen, einfordern). Ursprünglich sollten durch das Maskieren, das Lärmen und das Musizieren böse Geister und der Winter vertrieben werden. Während das Zampern früher eher der Dorfjugend vorbehalten war, ziehen heutzutage auch Erwachsene durch die Straßen.

Die Dorfbewohner, vor deren Häusern die Zampergesellschaft auftritt, spendeten traditionell in erster Linie Lebensmittel wie Speck und Eier, aber auch Schnaps. Mittlerweile ist es aber auch weit verbreitet, Geld zu geben, mit dem die Zamperer dann ihre abendliche Feier im Gemeindehaus oder in einer Gaststätte finanzieren können.

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