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Zum neuen Jahr hat Joachim Hoffmann die Verantwortung für die Granseer Familien-Werkstatt an Neffe Michael Fehlberg übergeben

Generationswechsel in Traditions-Tischlerei

Die Arbeit mit Holz ist ihre Leidenschaft: Joachim Hoffmann (links) und Michael Fehlberg.
Die Arbeit mit Holz ist ihre Leidenschaft: Joachim Hoffmann (links) und Michael Fehlberg. © Foto: GZ/Sandra Jütte
Sandra Jütte / 18.01.2018, 12:00 Uhr
Gransee (GZ) "Holz ist unsere Leidenschaft" steht in schwarzen Buchstaben auf dem neuen Gewerbeschild an der Hauswand. Das ist in der Granseer Tischlerei Hoffmann, nun heißt sie Fehlberg, bereits seit drei Generationen so. Mit dem 1. Januar übergab Tischlermeister Joachim Hoffmann den Staffelstab für die Fertigung von Türen, Fenstern, Möbeln und anderem aus Holz an seinen Neffen Michael. Ebenso wie sein Onkel, der nun den Ruhestand antritt, ist der 44-Jährige gelernter Tischler und auch Meister.

Gegründet wurde die Werkstatt aber schon 1976 von seinem Großvater Alfred Hoffmann. Der Standort in der Ruppiner Straße blieb in 42 Jahren immer derselbe, bereits nach wenigen Jahren musste der Senior jedoch anbauen, weil das Unternehmen stetig wuchs. "Die alte Werkstatt war da einfach zu klein", erinnert sich Michael Fehlberg, der damals noch ein Kind war. Schon zu dieser Zeit keimte in dem Granseer ebenfalls der Wunsch auf, den umfangreichen Tischlerberuf zu ergreifen. "Ich wollte nie etwas anderes machen", betont er heute. Die Lehre absolvierte er aber nicht etwa im Familienunternehmen, sondern in einem Betrieb in Schönermark. "Es ist wichtig, dass man mal etwas anderes kennenlernt, sonst wird man betriebsblind", bemerkt Joachim Hoffmann.

So übernahm er 1989 zunächst die Holzwerkstatt - mitten in der Wendezeit. "In der DDR haben wir eher für größere Betriebe gefertigt wie das Lokomotivwerk in Hennigsdorf. Da wussten wir in einem Monat genau, was kommt und mit welchen Einnahmen wir rechnen konnten", berichtet der 65-Jährige. Mit dem Fall der Mauer fielen diese Aufträge schlagartig weg und auch die ganzen Normen änderten sich. "Das war eine schwere Zeit, wir mussten alles komplett umstellen", weiß der Rentner noch. Er erinnert sich an zahlreiche Schulungen im Westen: "Da hatte man manchmal das Gefühl, die wollen uns unseren Beruf noch mal beibringen." Dafür war aber zumindest das Problem mit dem Materialnachschub gelöst.

Trotz ständig neuer Vorschriften und mal einfachen, mal schwierigen Zeiten hat sich der Betrieb bis heute aber gut gehalten. "Vielleicht, weil wir uns nicht auf ein bestimmtes Produkt spezialisiert haben", mutmaßt Joachim Hoffmann. Heute arbeiten in der Tischlerei neben jetzt Michael Fehlberg noch ein Geselle und zwei Lehrlinge.

Ausgebildet wurde zwischen den Werkbänken und Maschinen schon immer, Nachwuchsprobleme kannte Joachim Hoffmann bisher nie. Zudem ist der Meister seit 40 Jahren Mitglied der Prüfungskommission für die Landkreise Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin, mittlerweile sogar deren Vorsitzender. Den Posten wird er auch noch bis zur nächsten Wahl 2020 behalten. "Dann muss irgendwann auch Schluss sein", sagt der 65-Jährige. Seinem Neffen, der ebenfalls in der Prüfungskommission sitzt, wird er wohl noch darüber hinaus in der Werkstatt aushelfen. "Ich fühle mich noch nicht so alt, dass ich mich jetzt einfach in den Schaukelstuhl setze", so Hoffmann.

Michael Fehlberg, der nun zum ersten Mal sein eigener Chef ist, hat sich für die kommenden Jahre vorgenommen, den Betrieb so gut es geht weiterzuführen. "Ich habe jetzt ja auch Verantwortung, aber ich bin da optimistisch", sagt der 44-Jährige. Auch, wenn man, wie der Onkel betont, als Tischler nie auslernt. Gefeiert wird der Generationswechsel übrigens am 26. Januar, ab 14 Uhr, in der Ruppiner Straße 16.

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