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Mehr als 100 Syrer über Polen eingeschleust

Grenzstadt Frankfurt (Oder)
Grenzstadt Frankfurt (Oder) © Foto: dpa
Dietrich Schröder / 18.01.2018, 19:02 Uhr
Frankfurt (Oder)/Pirna (MOZ) Nach fast einjährigen Ermittlungen haben die Bundespolizei und Polens Grenzschutz drei Mitglieder einer syrisch-polnischen Schleuserbande festgenommen, die mindestens 100 Landsleute nach Deutschland geschleust haben sollen.

An einer Razzia, die am Mittwoch zeitgleich in mehreren Bundesländern sowie in Polen stattfand, waren mehr als 200 Beamte beteiligt. Als Hauptverdächtige wurden in Berlin eine 26-jährige Frau verhaftet, die einen polnischen und einen syrischen Elternteil hat und dadurch die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt, sowie ein 40-jähriger Mann aus Syrien. In Polen wurde ein weiterer Mann mit doppelter Staatsbürgerschaft verhaftet, drei weitere Beschuldigte, gegen die die Staatsanwaltschaft Berlin Haftbefehle erlassen hat, konnten dagegen untertauchen.

Die Vorgehensweise der Schleuser war laut der Sprecherin der Bundespolizeidirektion Pirna, Janine Lumtscher, und dem die Ermittlungen führenden  Polizeioberrat Markus Pfau ungewöhnlich. „Die Beschuldigten erschlichen für die Geschleusten zunächst polnische Touristenvisa“, so Lumtscher. Mit diesen Visa reisten die Personen über arabische Golfstaaten auf dem Luftweg  nach Polen ein. „Von dort aus wurden sie vermutlich in Pkw nach Deutschland gebracht.“ Anschließend stellten die Geschleusten hierzulande Asylanträge.

Die Schleuser hatten sich zuvor schon selbst mit gefälschten Personalien in Deutschland als politisch verfolgte Asylbewerber angemeldet und Sozialleistungen erschlichen. „Für die Schleusungen verlangten sie pro Person rund 8000 Euro“, so Lumtscher weiter. Insgesamt dürften die Täter auf diesem Weg mehrere Hunderttausend Euro kassiert haben. Teilweise sollen sie erheblichen Druck auf die Migranten zur Begleichung dieses Schleuserlohns ausgeübt haben.

Die Ermittlungen waren ab Sommer 2017 gemeinsam mit dem Grenzschutz der Republik Polen geführt worden. Das gemeinsame Team war auf Grundlage des neuen deutsch-polnischen Polizeivertrags gebildet worden.

Unterdessen gibt es in einem ähnlich spektakulären Schleusungsfall, bei dem im vergangenen September 50 Iraker und ein Syrer  auf einem türkischen Lkw auf der A 12 bei Müllrose entdeckt worden war, eine neue Entwicklung. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) hat vor wenigen Tagen Anklage gegen den 46-jährigen, aus der Türkei stammenden Fahrer des Lkw erhoben. Der Mann befindet sich seit dem Vorfall in Untersuchungshaft. Wann ein Prozess gegen ihn beginnen könnte, ist allerdings noch nicht bekannt.

Dieser Fall sorgte auch deshalb für Schlagzeilen, weil 48 der eingeschleusten Personen zwei Tage später aus der Erstaufnahmeeinrichtung Eisenhüttenstadt verschwunden waren. Zehn davon tauchten nie wieder auf.

Leserforum

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Norbert Wesenberg 20.01.2018 - 05:28:11

Auch dieses Beispiel zeigt,...

...erneut, das die Bundesregierung längst jegliche Kontrolle darüber verloren hat wer sich berechtigt, oder unberechtigt, in Deutschland aufhält. Bei undichten EU Außen- und stichprobenartigen Kontrollen der Binnengrenzen ist das auch nicht verwunderlich. Dazu kommt noch die gängige Praxis gefasste Straftäter, gleich welcher Straftat sie beschuldigt werden, lediglich vorläufig fest zu nehmen. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass sie spätestens zu einem Prozessbeginn längst abgetaucht und nicht mehr auffindbar sind. Das beweist eindeutig die Tatsache, das derzeit in Deutschland sich 148000 Straftäter (Quelle: RTL Nachrichten vom 19.01.18) auf freiem Fuß befinden und Haftbefehle nicht vollstreckt werden können. Aber nicht nur die Straftäter, sondern auch die Bundesregierung sind bei diesem Problem hilflos abgetaucht. Hinzu kommen die damit ins Leere laufenden Aktivitäten von Polizei und Justiz.

Kurt Crampmeyer 19.01.2018 - 14:16:03

Fragen über Fragen?

Entweder man beantwortet unbequeme Fragen oder man löscht sie. Urteilen sie selbst.

Karl Napp 19.01.2018 - 13:47:51

Oops?!

Stand hier nicht vor kurzem noch ein Artikel?

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