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Lichtenower Verein bietet Raum zur Entspannung - ohne Internet und Fernsehen

Einkehr
Auszeit im Vaterhaus

Alte Schule: Susann Branzk (l.) und Hildegard Fabig sind umsichtige Gastgeberinnen und ausgebildete Seelsorgerinnen.
Alte Schule: Susann Branzk (l.) und Hildegard Fabig sind umsichtige Gastgeberinnen und ausgebildete Seelsorgerinnen. © Foto: MOZ/Irina Voigt
Irina Voigt / 24.01.2018, 07:59 Uhr
Lichtenow (MOZ) In die alte Schule in Lichtenow ist neues Leben eingekehrt. Aber ohne laute Schulklingel oder Diskomusik wie zu Jugendklubzeiten. Der gemeinnützige Verein Vaterhaus Alte Schule gibt gestressten und ausgepowerten Mitmenschen Raum, um zur Ruhe zu kommen.

Geplant war eigentlich, dass die 1938 eingeweihte Dorfschule einmal das neue Zentrum von Lichtenow werden sollte. Das ist sie bis zum Ende des Schulbetriebs 1956 nicht geworden. Nun steht das Haus etwas abseits der Siedlungen, nicht weit von der rauschenden Bundesstraße entfernt, umgeben von großen, alten Bäumen, mit Blick auf Felder bis zum Horizont.

"Wir haben lange nach einem solchen Hof gesucht und sind hier fündig geworden", sagen Hildegard Fabig und Susann Branzk. Drei Familien waren es - Familie Branzk, Familie Fabig und Helmut Saß -, die sich vor etwas über zehn Jahren als Käufergemeinschaft und Vereinsgründer auf die Suche nach einem Neuanfang für sich und andere begeben hatten. Rudi Fabig und Helmut Saß als Pastoren, Susann Branzk mit Mann und drei Kindern ist die Tochter von Hildegard und Rudi Fabig.

Inzwischen hat sich auf dem 3500 Quadratmeter großen Grundstück allerhand verändert. Im Haus mit den zwei Klassenzimmern, der Hausmeister- und der Lehrerwohnung sind nun vier Wohnungen entstanden. Zwei davon können "gemietet" werden.

"Wir wollten nicht nur das Generationen-Wohnen für unsere Familien, sondern diese Gegebenheiten auch anderen anbieten", sagt Susann Branzk. Und weil sie ein Mehrgenerationenhaus sind, liegen ihnen Familien und ihre Beziehungen besonders am Herzen. "Ob Alleinerziehende, Ehepaare, Familien, Alte mit Jungen - hier können sie alle ungestört vom Trubel der Berufswelt und ihres Alltags Zeit miteinander verbringen", sagt Hildegard Fabig.

Der gemeinnützige Verein, der hier seinen Sitz hat, ermöglicht enges, aber unaufdringliches Agieren und Aufeinander-Eingehen, ist man sich sicher. Die christlichen Werte, die sie von Haus aus einbringen, seien nicht Bedingung oder gar Voraussetzung, hier entspannen zu können. Schon manch ein gestresster Mensch habe hier die nötige Ruhe gefunden, um zu sich zu finden, sagt Hildegard Fabig. Und "es ist eine Freude, zu beobachten, wie Paare wieder ins Gespräch miteinander kommen, wie Kinder und Jugendliche plötzlich ohne Fernseher und Smartphone überleben".

Rudi Fabig, Pastor im Ruhestand, hat schon viel mit Alkoholikern gearbeitet. Seine Frau Hildegard und Tochter Susann haben beide eine Ausbildung als Seelsorgerinnen. Damit stehen sie als Ansprechpartner, die bei Bedarf beratend oder seelsorgerisch tätig werden können, zur Verfügung. "Wir sind aber bei Weitem keine Therapieeinrichtung im medizinischen Sinne", sagen beide. Auch der Andachtsraum stünde denen, die es wollen, offen. "Wir sind Christen, die für die Welt offen sind", sagen die Frauen und hoffen jedes Mal, wenn ein Gast abreist, dass der wieder "seine eigene Kostbarkeit entdeckt" habe und als Aussteiger auf Zeit genug Kraft geschöpft hat für den Alltag.

Das Vaterhaus Alte Schule, wie der gemeinnützige Verein sich nennt, öffnet sich aber auch mehrmals im Jahr für Nachbarn und alle Interessierten darüber hinaus. "Wir haben Tage der offenen Türen, wir feiern Ende Juni unser Kräuterfest - was sehr beliebt ist - wir sitzen am Oktoberfeuer, und eine Woche vor dem dem ersten Advent basteln wir Adventsgestecke", zählt Hildegard Fabig auf. Und zweimal im Jahr gibt es die Bauwochen, die vom katholischen Bauorden unterstützt werden.

Da kommen junge Leute von überall her und helfen beim Ausbau des Gehöftes. "Zu tun ist hier immer viel", sind sich alle einig. Und so freut man sich über die fleißigen Helfer aus Italien, der Ukraine, die in den verschiedensten Berufen Zuhause sind, die ihrerseits in den Genuss der Gastfreundschaft der hier wohnenden Familien kommen.

Und so hat das Vaterhaus bisher noch recht wenig Werbung für sein Angebot für Aussteiger, Gestresste oder einfach nur Ruheliebende zu betreiben brauchen.

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