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Die Döbberiner Michael und Ramona Schulze haben Herdenschutzhunde für ihre Quessantschafe angeschafft

Forderung
Bodyguards für schwarze Schafe

Hoch dekoriert: Schafbock Coco hat es 2014 zum Bundessieger in seiner kleinsten europäischen Schafrasse, den Quessantschafen, geschafft. Er ist der Stolz von Züchter Michael Schulze.
Hoch dekoriert: Schafbock Coco hat es 2014 zum Bundessieger in seiner kleinsten europäischen Schafrasse, den Quessantschafen, geschafft. Er ist der Stolz von Züchter Michael Schulze. © Foto: Johann Müller
Ines Weber-Rath / 20.02.2018, 22:00 Uhr
Döbberin/Jahnsfelde (MOZ) Für die Landesregierung gehören sie zu einem effektiven Schutz von Weidetieren - Herdenschutzhunde. Die gleichnamige Arbeitsgemeinschaft hat auf ihrer Mitgliederversammlung jetzt eine Beteiligung des Landes an den Unterhaltskosten für die Hunde gefordert. Denn die sind hoch, wie der Döbberiner Michael Schulze weiß.

Coco von Ostbrandenburg und seinen Brüdern und Schwestern soll der Wolf vom kostbaren Schafpelz bleiben. Die latente Gefahr war für Michael Schulze der Grund, auf den Hund zu kommen - und zwar auf einen Herdenschutzhund. "Der ideelle Verlust wäre für mich noch größer als der materielle", sagt der Schafzüchter. Würde der Wolf seine Zuchtböcke reißen, hätte es Schulze schwer, Ersatz zu bekommen. Denn seine Quessant-Schafe gehören zur noch immer vom Aussterben bedrohten kleinsten Schafrasse Europas. Und zu den besten ihrer Art im Land.

Zuchtbock Coco wurde 2014 zum Bundessieger in der Kategorie Wolle, auf der Bundesschau 2016 zum Champion aller Klassen seiner Rasse und auf der BraLa im Vorjahr zum "Schönsten Schaf der Landschaftrassen" gekürt.

Auslöser für den Entschluss, sich kräftige Bodyguards für seine kleinen, teils schwarzen Schafe zu besorgen, waren indes nicht nur die vierbeinigen, sondern auch zweibeinige Räuber: Im Herbst 2015 habe eine Nachbarin beobachtet, wie ein Transporter an der Weide hinter Schulzes Haus vorfuhr, berichtet Michael Schulze. Eines Morgens fehlten zwei Schafe.

Der 57-jährige Schäfer im Nebenerwerb und seine Frau Ramona wandten sich daraufhin an Frank Hahnel. Der Müncheberger Schäfer ist Mitglied im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde und züchtet selbst. Von ihm bekamen die Döbberiner im Frühjahr 2016 ihre "Lotte", die laut Zuchtbuch Charlotte vom Marienfeld heißt und eine Herdenschutzhündin der Rasse Pyrenäenberghund ist.

Im Müncheberger Schafstall geboren und erst-ausgebildet, sind Schulzes und ihre derzeit 30 Quessantschafe schon nach kurzer Zeit zu Lottes "Rudel" geworden. Inzwischen geht mit Rüde Birko noch ein Artgenosse bei der schneeweißen Hündin in die Schule. Der aus Mecklenburg stammende Herdenschutzhund kam im Vorjahr nach Döbberin.

Weil der "Teenager im Flegelalter", wie Schulze sagt, noch nicht reif für die Zucht ist, musste Birko kürzlich während Lottes Läufigkeit ins "Frankfurter Exil", blieb eine Zeit lang mit zwei Schafen auf der Wiese an Michael Schulzes Autowerkstatt an der Birnbaumsmühle.

Er sorgte dort für einiges Aufsehen, wie der Schafzüchter berichtet. Kein Wunder, sind Lotte und Birko doch von stattlicher Größe und gut 50 Kilo schwer - was ihren Unterhalt teuer macht. Die Mitglieder der Herdenschutzhunde-AG haben auf ihrer Versammlung am Sonnabend in Jahnsfelde deshalb gefordert, dass das Land nicht nur die Anschaffung der Hunde fördert - Schulzes erhielten für Lotte 4700 Euro - sondern auch den Unterhalt mit jährlich 1000 Euro.

Dass die Gefahr für ihre Zuchtschafe akut ist, wissen die Döbberiner seit etwa vier Wochen ganz genau. An einem späten Freitagabend hätten Lotte und Birko am Rand des Weidezauns gestanden und gebellt wie noch nie, erzählt Michael Schulze. Als seine Frau zwei Tage später spazieren ging, habe sie den Verursacher auf einem Feld in Richtung des Kleinen Krebssee gesehen - einen Wolf.

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