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Archäologen begleiten Straßenau in Kiehnwerder / Trockenes Klima machte vor 2800 Jahren Siedlung dort möglich

Archäologie
Eisenzeit-Relikte unterm Pflaster

Ton, Steine, Scherben: Marlit Seeger und Olga Gabelmann (v.l.) von der Firma Archaeofakt begleiten die Arbeiten an der Kreisstraße in Kiehnwerder.
Ton, Steine, Scherben: Marlit Seeger und Olga Gabelmann (v.l.) von der Firma Archaeofakt begleiten die Arbeiten an der Kreisstraße in Kiehnwerder. © Foto: Ulf Grieger
Ulf Grieger / 16.05.2018, 06:00 Uhr
Kiehnwerder (MOZ) Beim Ausbau der Ortsdurchfahrt in Kiehnwerder kommt die Baufirma Oevermann gut voran. Sie wird von Berliner Archäologinnen begleitet, die bereits einige historische Funde gemacht haben.Mit Verzögerung wie in Eichwerder wird aktuell nicht gerechnet.

Etwa fünf Minuten steht man an der Ampel in der Ortsmitte von Kiehnwerder. Zeit, um den Motor abzustellen und mal über Zeit nachzudenken: Vor etwa 2800 Jahren befand sich genau dort, wo man gerade auf Grün wartet, eine Siedlung. Ein Stückchen weiter nördlich war ein Urnenfriedhof. Das haben Olga Gabelmann und Marlit Seeger von der Berliner Firma Archaeofakt direkt unter dem alten Straßenpflaster entdeckt. Sie fanden unverzierte Ton-Scherben, ein Urnengefäß mit Leichenbrand und eine Feuerstelle. Die Fundstücke könnten aus der Zeit um 800 vor unserer Zeitrechnung stammen. Im Raum nördlich der Alpen entwickelt sich zu dieser Zeit aus der Urnenfelderkultur die Hallstattkultur. Damit begann die Eisenzeit. „Überraschend sind solche Funde hier nicht“, erklärt Olga Gabelmann.

In der Letschiner Chronik (Band 1) wird der Beginn der Besiedlung des Oderbruchs mit dem Zeitraum 2500 bis 1800 vor Chr. angegeben: „In der Bronze- und Eisenzeit boten niedrige Wasserstände und trockenes Klima günstigere Bedingungen im Oderbruch als zum Beispiel im Mittelalter. Die Besiedlung nahm stark zu. Auf den ausgedehnten Gras- und Buschflächen weideten Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen.“ Tatsächlich entdeckten die Archäologinnen auch Zähne von Nutztieren. Auf urbar gemachten Feldern wurden Getreide- und Hülsenfrüchte angebaut. Erst im letzten Jahrhundert vor der Zeitrechnung wurde das Klima feuchter, die Wasserspiegel stiegen und die Menschen verließen den Siedlungsraum.

Das erklärt auch den Umstand, dass in Kiehnwerder keine Überreste mittelalterlicher Siedlungsstruktur zu finden sind. Erst im Jahr 1752, also kurz vor der Fertigstellung des Neuen Odercanals (1753), wurde geplant, das damals noch Karlswerder genannte Kolonistendorf anzulegen. Erst 1759 wurden die Kolonisten aus der Mittel- und Neumark sowie aus Pommern und Polen dort ansässig. Von ihren Vorgängern ahnten sie vermutlich nichts.

Die heutigen Kiehnwerderaner freuen sich auf ihre neue Straße. Viele Einfahrten, an denen die Anlieger beteiligt werden, sind schon fertig. Oevermann-Polier Alexander Lüben schätzt, dass die Straße Ende August fertiggestellt ist. In den ersten drei Ferienwochen gibt es eine Vollsperrung. Dann wird der neue Belag aufgetragen. Bauarbeitern wie Anliegern wäre es lieber gewesen, wenn die ganze Bauzeit über eine Vollsperrung existiert hätte. So müssen sie zuschauen, wie auch große Landtechnik sich auf der Notstraße durchkämpft.

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