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Kletterer befestigen in Luckow die im Herbst von Sturmtief Xavier beschädigte Krönung

Bauarbeiten
Luckower Kirchturm wieder komplett

Kerstin Unger / 17.05.2018, 06:00 Uhr
Luckow-Petershagen (MOZ) Ein kleines Wunder konnten die Einwohner Luckows miterleben. Kletterer haben die vom Sturm beschädigte Turmspitze wieder fest in Position gebracht. Dafür gab es am Montag ein Dankesfest.

Sturmtief Xavier hatte es im Herbst auf die Bekrönung der Luckower Kirche abgesehen. Er rüttelte sie ordentlich durch. Wie  gefährlich die Situation war, hatte damals wahrscheinlich noch niemand vermutet. Ein paar Männer kamen ins Dorf und boten sich an, die Kirchspitze wieder in Ordnung zu bringen. „Wir dachten zuerst an dubiose Leute, die von Haus zu Haus ziehen“, erinnert sich Christian Hänsel. Seine Frau ist im Gemeindekirchenrat. Dann stellte sich heraus, dass es Handwerker wie Dachdecker, Zimmerer und Klempner sind, die gerne Bergsteigen. „Wir hatten schon im Internet nach Industriekletterern gesucht, die uns helfen können. Das geht aber in Luckow nicht“, erzählt Christian Hänsel. Nachdem auch die Versicherung grünes Licht gegeben hatte, ging es los.

Die Männer haben schon am Berliner Dom sowie in Magdeburg und Hamburg gearbeitet. „Es sind ganz bescheidene junge Leute, die mit Seiltechnik arbeiten und ihr Handwerk verstehen“, sagt der Luckower. Er schildert, wie verwegen sie sich Stück für Stück mithilfe von Leitern hochzogen und Lassos wie Cowboys hochwarfen. „Sie sind furchtlos und verwegen, dabei höflich und zurückhaltend. Jeder Handgriff sitzt“, schwärmt Christian Hänsel.

Die Handwerker stellten fest, dass das vier Meter große Kreuz der Bekrönung auf dem Kirchturm in 40 Metern Höhe nur noch an einem 100er-Nagel hing. Es stellte sich auch heraus, dass der Kaiserstuhl, das Gebälk für den Kirchturm, durch die Witterung total verfault war. Die Kugel der Bekrönung war voll Wasser gelaufen.

Über Winter wurde die Bekrönung aufgearbeitet. Selbst die Kugel glänzt wieder golden. In Ermangelung von teurem Blattgold besorgte die Autolackiererei Schneeweiß entsprechende Farbe.

Die Rüstung blieb über den Jahreswechsel stehen. Im Sommer wollten die jungen Männer wiederkommen. Sie kamen bereits jetzt im Mai und befestigten die Spitze sicher und stabil. Mit Seilen zogen sie die einzelnen  Teile hoch.

Die Luckower waren von der Arbeit so begeistert, dass Marita Hänsel meinte, man müsse die Fertigstellung gebührend würdigen. Ein kleines Fest sollte es geben. Da die Männer so oft weg von Zuhause sind und nur an den Wochenenden heim fahren, wurde es auf den Montag gelegt. Pfarrerin Altmut Schimkat hielt eine Andacht und gab einen Abriss über die Geschichte der Kirche. Etwa 20 Luckower erlebten mit, wie die Zeitkapsel gefüllt wurde. Dafür brachten die Männer auch noch zwei Kartuschen mit. Hinein kamen eine Kurzform der Luckower Chronik, die Christian Hänsel erarbeitet hat, der Gemeindebrief, der Lokalteil der MOZ vom 14. Mai, etwas Euro-Geld sowie Zlotys und Groschys. Alle Anwesenden durften sich zudem mit ihrer Unterschrift verewigen, ehe die Kugel mit dem Inhalt nach oben bugsiert wurde. Als sie oben war, spielte Kantor Daniel Debrow auf dem Keyboard.

Es gab auch eine alte Kapsel aus dem Jahr 1992. Die war jedoch nicht in der Kugel, sondern kam  den Handwerkern bei der Demontage entgegen.

„Wir sind so dankbar für die Hilfe“, sagt Christian Hänsel. Die kletternden Handwerksakrobaten haben übrigens nebenbei noch eine Fensterscheibe an der Luckower Kirche ausgewechselt, die Silvester scheinbar jemand zerschossen hatte.

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