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Bockwindmühle
Brandenburg - ein Mühlenland

Mächtige knarrende Balken, hölzerne Zahnräder und die Präzision des Antriebes. Die Mühle in Ketzür könnte wieder mahlen, dafür fehlt es aber am Geld, an, viel Geld. Die Mitglieder des Mühlenvereins sammeln fleißig Spenden um die Bockwindmühle zu erhalten und hoffen auf einen Geldsegen.
Mächtige knarrende Balken, hölzerne Zahnräder und die Präzision des Antriebes. Die Mühle in Ketzür könnte wieder mahlen, dafür fehlt es aber am Geld, an, viel Geld. Die Mitglieder des Mühlenvereins sammeln fleißig Spenden um die Bockwindmühle zu erhalten und hoffen auf einen Geldsegen. © Foto: Herrmann
Erhard Herrmann / 23.05.2018, 15:24 Uhr
Ketzür „Beeilet euch - Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!“ So hat wohl der Müller damals gerufen als er die Bauern, vollgepackt mit Getreidesäcken, auf dem Weg zu seiner Mühle sah. Wer kennt nicht dieses Sprichwort? Dass es vom Handwerk der Müller herrührt, wissen wohl die wenigsten. Nicht nur deswegen findet am Pfingstmontag der deutschlandweite Mühlentag statt. Vom frühen 15. bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert leisteten Mühlen die Arbeit heutiger Diesel- und Elektromotoren. Mit ihrer Hilfe wurde Wasser gepumpt, Getreide gemahlen oder Holz gesägt. Alles rein ökologisch, mit Wind- und Wasserkraft. Wie immer beteiligte sich auch die Bockwindmühle in Ketzür an diesem Aktionstag. Seit 1862 steht die Mühle auf dem Mühlenberg. Sie ist die Letzte von ehemals drei am Ort vorhandenen Mühlen und die einzige, die im Altkreis Brandenburg noch erhalten ist. „Jede Mühle hat ihre besondere Geschichte. Nie geht es dabei allein um Technikgeschichte, sondern stets auch um Kultur- und sozialgeschichtliche Belange. Das macht auch heute noch die Faszination der historischen Müllerei aus“, erklärte Anna Beck. Sie ist gelernte Müllerin und Vorsitzende des Mühlenvereins, der sich mit viel Engagement um die Erhaltung des Denkmals kümmert. Deutlich kann man in der Ketzürer Mühle noch den Weg vom Korn zum Brot nur durch Einsatz von Naturkraft erkennen. Die heutigen Besucher staunen nicht schlecht über die mächtigen knarrenden Balken, hölzernen Zahnräder und die Präzision des Antriebes. Kein Wunder also, dass es damals dem einfachen Bauern wie ein Hexenwerk vorkam als er sah wie der „eigenartige“ Müller mit Argusaugen minutenlang den Himmel beobachtete. Eine Handbewegung von ihm und die Einzelteile bewegten sich wie von Geisterhand. Löste der der Müller die Bremse, setzte er so das gewaltige Kammrad auf der Antriebswelle in Bewegung. „Das trieb mit seinen Kämmen das Stockrad an, welches den oberen Mahlstein drehte. Der Rüttelschuh schüttelte das Getreide gleichmäßig in das Steinloch“, erklärte die Müllerin den vielen Besuchern. Sie konnten unter ihrer fachlichen Anleitung selbst einmal das Getreide mahlen und erleben, wieviel Mühe und Aufwand ein frisch gebackenes Brot auf dem heimischen Frühstückstisch erforderte. Mit der kleinen Handmühle zudem langwierig. Für 150 Gramm Mehl muss der „Läufer- Stein“ 35 Minuten ununterbrochen gedreht werden. Der große Wunsch der Vereinsmitglieder ist es, dass in der Bockwindmühle bald wieder Getreide mit Windkraft gemahlen wird. „Um die Betriebsbereitschaft wieder herzustellen, braucht die Mühle nicht nur neue Flügel für etwa 60.000 Euro. Insgesamt müssten etwa 100 000 Euro investiert werden“, erklärte Anne Beck. An vielen Orten ist es nur dem ehrenamtlichen Engagement der Mühlenfreunde und den Dorfbewohnern wie in Ketzür zu verdanken, dass Mühlen erhalten werden. Öffentliche Zuwendungen für diese wichtige Denkmalgattung sind rar. Spenden und Besucher sind deshalb willkommen. Von Ostern bis Mitte Oktober kann man die Bockwindmühle unter fachkundiger Führung besichtigen. Informationen zur Bockwindmühle unter www.bockwindmuehle-ketzuer.de.

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