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Familie Markmann aus Rüdersdorf hat ganz besondere Untermieter

Tierische Unterhaltung
Störchegucken ist besser als Tatort

Irina Voigt / 28.06.2018, 06:45 Uhr
Rüdersdorf bei Berlin (MOZ) Seit 2012 ist Familie Markmann „Gastgeber“ für brütende Störche. Per Webcam und vom Badfenster aus kann sie das Storchenleben live mitverfolgen.

„Die Störche in ihrem Alltag zu beobachten, den An- und Abflug der großen Vögel, das Füttern und das Gedeihen der Jungtiere ist besser als so manch ein Tatort im Fernsehen“, sagt Sylke Markmann.  Und so verbringen sie und ihr Mann Mike tatsächlich so manch einen Abend aus ihrem Badfenster schauend, in Augenhöhe mit dem Storchennest. „Wir warten auch manchmal mit dem Zubettgehen, wenn ein Storch noch nicht zurück ist.“

Angefangen hat es eigentlich mit ihrer eigenen Tierliebe, die sie auf dem großen Areal nahe der Vogelsdorfer Straße gut ausleben kann. Hier fühlen sich auch Schafe und Hühner wie in einem Paradies. Ihre Arbeitskollegen sind es gewohnt, dass Sylke Markmann die Mittagspause nutzt, um daheim vorbei zuschauen und ihre Tiere zu füttern.

„Aber ich brauche die frische Luft nach den Stunden im Büro dringend zum Durchatmen.“ Hier sei die Welt trotz der Nähe zur Autobahn noch in Ordnung, findet die 50-jährige Rüdersdorferin, die sich auch darüber freuen kann, einen seltenen Schmetterling, ein Taubenschwänzchen gesehen zu haben.

„Zu meiner Passion hat mein Mann auch etwas beitragen wollen und zwei Storchenhorste errichtet“, erzählt sie. Und seit sechs Jahren warten nun alle auf die Ankunft der Störche und haben dabei schon eine ganze Menge entdeckt und dazugelernt. „Unsere kommen ganz sicher aus Afrika“, vermutet sie, weil sie immer als letze erscheinen, wenn andere Horste in Hohenstein oder Altlandsberg schon belegt sind. Sie kann inzwischen auch die Rüdersdorfer Störche sehr gut von anderen, fremden, unterscheiden. „Da gibt es immer Gezänk auf dem Horst, wenn sich ein Fremder auch nur nähert.“

So manch eine außergewöhnliche Beobachtung hat sie sie mittlerweile in ihrem Storchentagebuch verzeichnet. Neben den An- und Abflugzeiten, der Eierzahl und den Daten des ersten Ausflugs der Jungstörche sind auch seltene Einblicke gelungen. So, als ein Singvogel sich unvorsichtig dem Nest näherte und kurzerhand als Futter diente. Oder, als der Frost vergangenen Jahr dem Gelege schadete.

Familie Markmann möchte, ihre Begeisterung mit anderen teilen. Am Torfgraben, an den ihr Grundstück grenzt, haben sie einen Rastplatz mit freien Blick auf eines der beiden Storchennester geschaffen. Eine Tafel darunter berichtet aus der Historie und von den aktuellen Ereignissen in lichter Höhe. Damit aber noch nicht genug.

Mike Markmann installierte in diesem Jahr eine Webcam, so dass jeder weltweit am Storchenleben live teilhaben kann. „In der Gemeinde, wo wir das Projekt vorgestellt haben, fand man das zwar gut, aber mehr auch nicht“, sagt Sylke Markmann etwas enttäuscht.

Auf der Internetseite www.torfgrabenstoch.de ist alles nachzulesen und mitzuverfolgen. Und es gibt dort auch eine Möglichkeit der Spende, denn inzwischen ist es nicht nur ein interessantes Naturfreunde-Hobby, sondern auch eine recht beachtliche Geldausgabe geworden.

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