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Gegen den Windkraft-Ausbau hat die Crussower Bürgerinitiative im Bundestag gesprochen

Windenergie
Umzingelung ganzer Dörfer

Sie werden höher und vermehren sich: Überall in der Uckermark wachsen derzeit neue Windspargel aus dem Boden. Bürgeriniativen kritisieren den Vormarsch der gewaltigen Maschinen.
Sie werden höher und vermehren sich: Überall in der Uckermark wachsen derzeit neue Windspargel aus dem Boden. Bürgeriniativen kritisieren den Vormarsch der gewaltigen Maschinen. © Foto: Wilfried Bergholz
Oliver Schwers / 29.06.2018, 06:00 Uhr
Crussow (MOZ) Bis in den Bundestag hat es die Bürgerinitiative „Keine neuen Windräder für Crussow“ gebracht. Sprecher Rainer Ebeling erläuerte dort vor Parlamentariern und Sachverständigen die Sorgen vieler Menschen aus der Uckermark vor weiteren Strommühlen.

Schon vor vier Jahren durfte die Bürgerinitiative im Bundestagsausschuss mitreden. Nun stand sie wieder vor den Parlamentariern. Bei der öffentlichen Anhörung auf Einladung der CDU sollte sie die Situation und die Belastung durch den massiven Zubau von Windkraftanlagen vor Ort schildern. „Für uns ist das wichtig“, sagt Rainer Ebeling. „Beim Netzausbau oder bei erneuerbaren Energien geht es sonst nur um technische Fragen und um die Windlobby. Was aber die Menschen betrifft, fällt komplett unter den Tisch.“

In einer Stellungnahme hat die Bürgerinitiative stellvertretend für viele weitere in der Uckermark die Positionen zusammengefasst. Neben den Sorgen vor gesundheitlichen Auswirkungen und ökonomischen Aspekten ist es vor allem die Ohnmacht, gegen die immer weiter vordringenden Windspargel kaum noch etwas ausrichten zu können. „Der Ausbau der Windkraft geht zu Lasten der Landbevölkerung und die Belastungsgrenzen in vielen Orten ist längst überschritten“, so Ebeling. „Für die Vogelwelt gelten höhere Abstände als für den Menschen, das wird nicht überall verstanden.“

Wie aus der aktuellen Antwort der brandenburgischen Landesregierung auf eine CDU-Anfrage hervorgeht, sind mindestens zehn Orte jetzt schon oder künftig im Winkel von 180 Grad oder mehr von Windkraftanlagen umzingelt. Etliche Fälle davon liegen in der Uckermark. „Dieses Ausmaß hat man vorher nie bedacht. Wir wissen aus einer Umfrage, dass inzwischen 71 Prozent der Menschen die Windfelder ablehnen“, sagt Rainer Ebeling. „Und es sollen immer neue gebaut werden. Wo will man die denn noch hinstellen?“

Tatsächlich hatte sich der Wirtschaftsausschuss des Bundestages zu der Anhörung entschieden wegen eines Gesetzentwurfs der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Erhöhung der Ausbaumengen für Windenergie an Land und Solarenergie. Die Bürgerinitiative schildert den Werteverfall von Grundstücken,  Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes, viel zu geringe Abstände zu Wohnbebauungen. Diskussionen mit Bürgern verliefen nicht auf Augenhöhe, Beteiligungsverfahren seien eine Farce, hat Rainer Ebeling zu Protokoll gegeben. „Das Erschreckende: Weder die Kommunen noch wir Bürgerinitiativen haben eine Chance.“

Seit acht Jahren kämpft Rainer Ebeling mit seinen Getreuen gegen die Übermacht der Windkraft. Ohne nennenswerte Erfolge. „Wir strampeln uns ab, doch gegen landes- und bundespolitische Entscheidungen sind wir machtlos.“ Dennoch sei ihm die Anhörung wichtig gewesen. Immerhin haben einige Abgeordnete den Kontakt gesucht.

„Die Energiewende muss mit den Bürgern gemacht werden“, erklärt der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen. „Gerade beim Windkraftausbau im Land Brandenburg hat man in weiten Teilen bereits die Akzeptanz der Menschen verspielt.“ Zukünftig müssten die Bürger frühzeitig in die Planungen einbezogen werden. „Wie brauchen verlässliche, höhenabhängige Abstandsregelungen zur Wohnbebauung. Windräder im Wald darf es nicht geben. Genauso wenig darf zukünftig Windenergie zugebaut werden, ohne dass die Netze den Strom abtransportieren können“.

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