Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Mit der Anbringung eines Geländers ist der Wiederaufbau des Bismarckturms nach 17 Jahren abgeschlossen

Historie
Der lange Lichtenberger Atem

Ortsvorsteherin Ellen Thom mit Dietmar Noack, der unmittelbar neben dem Lichtenberger Bismarckturm wohnt.
Ortsvorsteherin Ellen Thom mit Dietmar Noack, der unmittelbar neben dem Lichtenberger Bismarckturm wohnt. © Foto: Thomas Gutke
Thomas Gutke / 29.06.2018, 06:00 Uhr - Aktualisiert 29.06.2018, 06:40
Lichtenberg (MOZ) In Lichtenberg ist vor wenigen Tagen ein Jahrzehnteprojekt zum Abschluss gekommen. 2001 drohte der Bismarckturm, oder das, was davon übrig war, abgerissen zu werden. Doch ehrenamtliche Arbeit, Spenden und ein langer Atem ermöglichten den Wiederaufbau des Wahrzeichens.

Es ist eine bemerkenswerte Geschichte, die zeigt, was Bürger bewegen können: Am 2. Oktober 2001 erhält Ortsvorsteherin Ellen Thom ein Schreiben der Bodenverwertungs und -verwaltungs GmbH. Die Reste des Bismarckturms seien für das Jahr 2002 zum Abriss freigegeben, heißt es darin. Mehr als 55 Jahren ist das schwer beschädigte Bauwerk da schon eine überwucherte Ruine aus Feldsteinen, die höchstens noch als Abenteuerspielplatz für Kinder taugt. Doch trotz des Zustandes reift in Ellen Thom der Entschluss, dieses Stück Ortsgeschichte nicht einfach so mit dem Abrissbagger wegwischen zu lassen. „Ich dachte mir, die Ruine gehört doch zum Dorf“, sagt sie. Das sieht auch eine große Mehrheit der Lichtenberger so. In einer Unterschriftenaktion im November 2002 stimmen die Einwohner klar für den Erhalt. Und noch heute ist die Ortsvorsteherin der Frankfurter Verwaltung dankbar dafür, dass diese den Bürgerwillen aufgreift und das Projekt unterstützt. Ende 2002 kauft die Stadt das Grundstück samt Turmruine. „Damit fing die Arbeit an“, sagt Ellen Thom.

Die Lichtenberger sammeln bei jeder sich bietenden Gelegenheit für die Sanierung. Vier Jahre später kann der Wiederaufbau beginnen. Dank privater Spenden, Einnahmen aus Kuchenbasaren, Schrottsammlungen, Zuschüssen der Stadt und mit der Unterstützung städtischer und privater Unternehmen. In mehreren Bauabschnitten entsteht aus den Trümmern bis 2013 wieder ein Turm. 2014 gestalten die Anwohner bei Arbeitseinsätzen das Umfeld. Ein Jahr später wird der Aufgang zum Bauwerk fertiggestellt. Doch das Projekt zum Abschluss bringen können die Lichtenberger erst dank einer Großspende von Gerhard Wenske, einem emeritierten Professor aus München, der seiner Heimat verbunden geblieben ist. Das Geld ermöglicht den Aufbau einer Sitzgarnitur, die Gestaltung einer Informationstafel und im Frühjahr 2018 die Anbringung eines Geländers. Damit ist das Projekt beendet. Nach 17 Jahren. Einfach bemerkenswert.

„Das mussten wir einfach würdigen“, sagt Ellen Thom. Denn „auf diesen schönen Dorfeingang ist ganz Lichtenberg stolz.“ Vor wenigen Tagen lud der Ortsbeirat daher zu einem kleinen Fest auf die Grünfläche am Turm, die von Dietmar Noack und Heiko Klein, die direkt gegenüber wohnen, gepflegt wird. „Diese Stunde bedeutet uns, mir so viel“, sagte Ellen Thom zur Eröffnung. In 17 Jahren sei nicht nur schöner Anziehungspunkt für Besucher geschaffen, sondern auch ein Stück Ortsgeschichte erhalten worden.

Tatsächlich reicht die Historie des Ortes bis weit ins 17. Jahrhunderts zurück, wie der Informationstafel zu entnehmen ist. Seit 1694 stand hier eine Mühle, die 1861 durch einen Brand so schwer beschädigt wurde, dass sie verfiel. Die Reste der Mühle ließ Rittergutsbesitzer Werner Schulz-Rosengarten nach 1898 zum Bismarckturm umbauen – nach dem Tode des ersten Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck wurden in vielen Orten des damaligen Deutschen Reiches zu dessen Ehren solche Türme und Säulen errichtet oder umbenannt. Die Einweihung des Lichtenberger Bismarckturms erfolgte 1906. „Mit einer Innenhöhe des Turmraumes von nur 4,85 Meter dürfte es sich um einen der kleinsten und schlichtesten Bismarcktürme handeln“, heißt es auf der Tafel, auf der auch eine von Philipp Haucke angefertigte Ätzradierung des Ursprungsturms von 1906 – auf Grundlage einer historischen Fotografie – zu sehen ist.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Turm schwer beschädigt. Einige der Feldsteintrümmer nutzten die Lichtenberger später zum Wiederaufbau ihrer Wohnhäuser. Das Grundstück verwilderte mit den Jahren. Bis Ellen Thom 2001 Post bekam.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG