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Feuerwehr hat Großeinsatz bei Limsdorf

Waldbrand
Geschmolzene Helme, knallende Munition

Erleichterte Mienen nach dem Einsatz: Der stellvertretende Stadtwehrführer Matthias Reinhold, Haupt- und Bürgeramtsleiterin Joana Götze sowie Stadtbrandmeister Frank Ebert  (v. l.). Ein Scherzbold hat Eberts Einsatzfahrzeug auf der Heckscheibe mit einem Schriftzug versehen.
Erleichterte Mienen nach dem Einsatz: Der stellvertretende Stadtwehrführer Matthias Reinhold, Haupt- und Bürgeramtsleiterin Joana Götze sowie Stadtbrandmeister Frank Ebert  (v. l.). Ein Scherzbold hat Eberts Einsatzfahrzeug auf der Heckscheibe mit einem Schriftzug versehen. © Foto: Bernhard Schwiete
Bernhard Schwiete / 06.07.2018, 07:00 Uhr
Limsdorf (MOZ) Noch bis Donnerstagmittag waren nach dem verheerenden Waldbrand bei Limsdorf die letzten Feuerwehrleute im Einsatz. Geschlafen hatten sie zuvor kaum. Wie Storkows Stadtbrandmeister Frank Ebert sagte, drohte dem kleinen Dorf vorübergehend noch viel Schlimmeres.

Seelenruhig arbeitet Martin Stelldinger am Donnerstagmittag auf seinem Grundstück in Limsdorf im Garten, als sei nichts passiert. Ziemlich genau 24 Stunden zuvor ist sein Gemütszustand noch ganz anders gewesen. Als er am Mittwoch die Sirenen hört, blickt der Rentner über die Felder hinter seinem Anwesen – und erschrickt. Er entdeckt einen brennenden Acker. „Kurz zuvor haben dort noch ein Mähdrescher und eine Strohpresse gearbeitet“, erzählt er. Viel mehr weiß man auch am Donnerstag noch nicht über mögliche Ursachen für den verheerenden Feld- und Waldbrand, der sich in der Spitze auf eine Fläche von 100 Hektar ausbreitet hat.

Gemessen worden ist das mit einem Hubschrauber der Polizei, wie Storkows Stadtbrandmeister Frank Ebert am Donnerstag sagt. Hinter ihm liegt eine kurze Nacht. Zwei Stunden ist er zu Hause gewesen, um Pause zu machen. „Geschlafen habe ich nicht, eher geruht.“ Um 3.30 Uhr habe er sich wieder auf den Weg nach Limsdorf gemacht. Dort halten zu dieser Zeit 20 Feuerwehrleute, die aus Teupitz und Münchehofe im Kreis Dahme-Spreewald angefordert worden sind, die nächtliche Brandwache. Die Flammen sind zu diesem Zeitpunkt endlich gelöscht, der Brandort darf aber noch nicht aus den Augen gelassen werden. „Bei so einem Brand fressen sich die Flammen auch ins Erdreich. Im Boden entsteht dadurch so viel Hitze, dass das Feuer wieder hochkommen kann“, erläutert der Stadtbrandmeister.

Am Donnerstag rücken daher noch einmal etwa 30 Feuerwehrleute an, um letzte Löscharbeiten zu erledigen. Erst gegen Mittag können sich endlich alle am Feuerwehrhaus in der Dorfmitte versammeln, um aufzuräumen. Auch Joana Götze, die als Leiterin des Haupt- und Bürgeramtes in der Storkower Stadtverwaltung für die Feuerwehr zuständig ist, schaut noch einmal vorbei.

Am Mittwoch hat sie sich am späten Nachmittag auf den Weg nach Limsdorf gemacht, um im Führungsstab beim Einsatz mitzuarbeiten. Sie kümmert sich dabei vor allem um Organisatorisches, etwa die Versorgung der Feuerwehrleute mit Essen und Trinken. „Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten war hervorragend“, sagt sie. Auch Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig hat sich am späten Mittwochabend, nachdem die Sitzung der Storkower Stadtverordnetenversammlung beendet war, noch persönlich ein Bild von der Lage in Limsdorf gemacht.

Dort hat vorübergehend noch viel Schlimmeres gedroht, wie Stadtbrandmeister Ebert berichtet. Windböen machen es den Feuerwehrleuten schwer, den Brand unter Kontrolle zu bekommen. Die Kameraden, die auf den Feldern mit Schläuchen hantieren, müssen immer wieder die Flucht ergreifen, um nicht selber von den Flammen erfasst zu werden. Bei Kontrollen der Brandfläche finden die Einsatzkräfte am Donnerstag geschmolzene Einsatztechnik, darunter auch Helme. Zwischenzeitlich befürchten Ebert und sein Stellvertreter Matthias Reinhold am Mittwoch sogar, das Feuer könnte sich so sehr dem Dorf nähern, dass es auf Häuser übergreifen könnte. „Großes Problem war, dass der Wind ständig drehte“, sagt Reinhold. Einsatzfahrzeuge seien auf den Feldern teilweise von Flammen eingekesselt gewesen. Und immer wieder knallt es am Mittwoch auf den Feldern, wenn das Feuer alte Munition entzündet. Daher ist auch der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes in Limsdorf vor Ort.

Dass die Löscharbeiten schließlich doch zum Erfolg führen, ist auch eine logistische Meisterleistung. Aus dem ganzen Landkreis Oder-Spree werden alle großen Tanklöschfahrzeuge angefordert. Doch auch die sind irgendwann leer. Der Wasser-Nachschub kommt aus Feuerlöschteichen und vor allem aus dem Grubensee. Der befindet sich etwa 600 bis 700 Meter vom Einsatzort entfernt. Schläuche werden verlegt, ein Pendelverkehr wird eingerichtet.

Auch Rentner Martin Stelldinger hantiert am Mittwoch an seinem Grundstück. Mit dem Gartenschlauch wässert er den Grünstreifen hinter seinem Gehöft, um dadurch möglicherweise die Flammen abzuhalten, wenn sie näher kommen. „Das hätte vermutlich nichts gebracht. Aber man lässt ja nichts unversucht“, sagt er am Donnerstag, nachdem er vom Feuer verschont geblieben ist.

Von einem „Einsatz, der in die Geschichte eingehen wird“, spricht der stellvertretende Stadtwehrführer Reinhold. „Wir sind an unser Limit gegangen.“ Trotzdem sind die Feuerwehrleute sogar noch zum Scherzen aufgelegt. „Limsdorf 2018 – ich war da“ hat irgendjemand mit dem Finger in den braunen Staub auf der Heckscheibe des Einsatzfahrzeuges von Stadtbrandmeister Ebert geschrieben.

Was die Storkower Feuerwehrleute zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen: Viel Zeit zur Erholung bleibt ihnen nicht. Rund zwei Stunden später, gegen 15.30 Uhr, werden sie wieder zu einem Einsatz gerufen: ein Waldbrand bei Bad Saarow.

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