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Nützlinge
Job für „Kollegin“ Biene: Baumschule blüht auf

Eine Hummel fliegt zu den Blüten der Phacelia, die im Blühstreifen in der Baumschule Lorberg wächst. Die Baumschule beteiligt sich an einem Forschungsprojekt für den biologischen Pflanzenschutz. Die Blütenstreifen bieten den sogenannten Nützlingen zusätzlichen Lebensraum und stärken damit den natürlichen Krankheitsschutz der Gehölze.
Eine Hummel fliegt zu den Blüten der Phacelia, die im Blühstreifen in der Baumschule Lorberg wächst. Die Baumschule beteiligt sich an einem Forschungsprojekt für den biologischen Pflanzenschutz. Die Blütenstreifen bieten den sogenannten Nützlingen zusätzlichen Lebensraum und stärken damit den natürlichen Krankheitsschutz der Gehölze. © Foto: dpa/Bernd Settnik
dpa / 19.07.2018, 09:49 Uhr
Tremmen (dpa) Der Sommerwind streift durch den etwa zwei Meter breiten Pflanzstreifen. Blätter wippen. Auf den lila Blüten der Phacelia landen Hummeln, Bienen und Schwebfliegen. In der Baumschule Lorberg in Tremmen (Havelland) sind jetzt die geflügelten „Nützlinge“ unterwegs. Sie helfen in einer der größten Baumschulen Deutschlands beim Kampf gegen Schädlinge.

Extra wurde für sie ein Blühstreifen zwischen den heranwachsenden Linden, Ahornen, Eiben und unterschiedlichsten Kiefern gesät. „Wir haben mit einer normalen Mischung angefangen, mussten aber schon einige Male bereits die Zusammensetzung verändern“, sagt Ronja Lorberg, Sprecherin des Familienunternehmens, das vor gut 175 Jahren entstand. Auf etwa 800 Hektar stehen tausende Bäume in 3000 verschiedenen Arten. Alle drei bis vier Jahre werden sie an einen neuen Standort verpflanzt - es sei, sie werden verkauft.

60 Hektar nehmen bereits die begrünten Streifen zwischen den zum Teil meterhohen Bäumen ein. Dort sieht es wie auf einer idyllischen Wildblumenwiese aus. Buchweizen, Ölrettich mit kleinen Bohnenschoten, gelb blühende Ringelblumen, Kornblumen, Fenchel oder Rotklee sind zu entdecken. Und darauf tummeln sich Insekten. „Die Zeit der Marienkäfer ist für dieses Jahr schon vorbei“, sagt Lorberg. Jetzt sind vor allem Hummeln, Bienen, Flor- oder Schwebfliegen zu entdecken.

Seit 2015 beschäftigt sich die Baumschule mit biologischem Pflanzenschutz in Zusammenarbeit mit der Beuth Hochschule für Technik Berlin. „Wir wollen erreichen, dass die Pflanzen auf natürliche Art gestärkt werden“, sagt Hartmut Balder, Wissenschaftler an Hochschule mit dem Fachgebiet Produktion von Gehölzen für die urbane Pflanzenverwendung. Blühende Untersaaten bieten neben den blühenden Baumschulpflanzen vielen bedrohten Insekten einen neuen Lebensraum, so auch Wildbienen.

Der biologische Pflanzenschutz setzt auf Nützlinge, die Insekten fressen, die die Pflanzen schädigen können. Das sind vor allem Blattläuse sowie Spinn- und Rostmilben. Weniger chemischer Pflanzenschutz ist dann notwendig. Um die fleißigen Helfer anzusiedeln, werden Lebensräume benötigt. „Im Weinbau oder beim Hopfenanbau werden die Erdstreifen schon mit Pflanzen begrünt, die Insekten anlocken“, sagt Balder.

Welche Insekten sind überhaupt da, welche sollen angelockt oder wieder heimisch werden? „Und welche Pflanzen brauchen die zum Überleben“, sagt Balder. Zudem müssten sie gut im märkischen Boden gedeihen.

Für die Brandenburger Baumschule wurden 22 verschiedene Sorten in ganz bestimmten Zusammensetzungen gemixt. „Es kann sein, dass ein oder zwei Sorten wieder hinausfliegen und andere dazu kommen. Wichtig ist der erhoffte Effekt“, sagt Balder.

Die Anzucht mit sogenannten Untersaaten bedeutet für die Baumschulgewächse aber zunächst auch Stress. Sie passen sich damit aber auch besser an spätere Standorte an und haben dann dort weniger Probleme.

Nach Angaben von Lorberg begann die Forschungsreihe 2015 mit diesem Versuch: in eine Reihe kam eine übliche Rasenmischung in die Erde, in die zweite eine artenreiche Kräutermischung und die dritte wurde nur mechanisch von Unkraut befreit. „Schnell stellte sich heraus: die Kräutermischung zieht die meisten Nützlinge und die wenigsten Schädlinge an“, sagt Lorberg.

Mit den Blühstreifen verringert sich in der Baumschule der Pflegeaufwand und die Kosten für Pflanzenschutz. „Und im nächsten Jahr wird sich alles selbst aussäen“, sagt Lorberg.

Die meisten Baumschulen bundesweit säen mittlerweile Zwischenstreifen mit Wildblumen ein, sagt Franziska Weck, Projektleiterin Grüne Städte für ein nachhaltiges Europa im Bund deutscher Baumschulen. Lediglich direkt am Stamm werde das Erdreich meist mechanisch frei von Wildkräutern gehalten. Die ausreichende Versorgung mit Wasser und Nährstoffen solle gesichert werden. „Auf jeden Fall sorgen die Wildblumen für Insektenvielfalt und tragen so zu einer Erhöhung der Biodiversität bei“, sagt sie.

„Wir müssen etwas für Insekten tun und zu mehr Grün beitragen“, sagt auch Balder. Er erwartet sich von dem Projekt Erkenntnisse zur Gestaltung des städtischen Raumes mit Bäumen und Grünpflanzen. In Tremmen stehen mittlerweile auch Bienenstöcke: Die Tiere finden hier bis weit in den Oktober hinein Nektar. Das erhöht ihre Überlebenschancen.

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