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Findling vor zehn Jahren beim Pflügen entdeckt / Seit dem Dorfjubiläum repräsentiert er Bornow

Historie
Stein mit bewegter Geschichte

Jörg Kühl / 26.07.2018, 23:00 Uhr
Bornow (MOZ) 565 Jahre gibt es den Beeskower Ortsteil Bornow mindestens, der „neue“ Gedenkstein ist allerdings ein paar Zigtausend Jahre älter. Er hat eine bewegte Geschichte hinter sich, und das im ganz wörtlichen Sinne.

Nach einer eiszeitlichen Wanderung von Skandinaviwen bis ins Brandenburgische war der große Findling, der seit dem Ortsjubiläum in diesem Sommer als Gedenkstein aufgestellt ist, zunächsteinmal ein paar Zigtausend Jahre im Erdreich. Im Jahr 2008, es war ein Septembertag, kam der Riesenfindling sprichwörtlich aus der Versenkung hervor. Der Bornower Landwirt Gerd Wenk stieß damals beim Pflügen auf dem Feld der Familie Lehmann gegen den Stein und ruinierte sich dabei gleich sein Arbeitsgerät, erinnert sich Karl-Heinz Lehmann aus Bornow. Das Trumm, das offenbar nach oben in den Pflughorizont gewandert war, musste also aus dem Acker operiert werden. Diesen Job übernahm Lehmanns Schwiegersohn Kai Lobback ganz sportlich mit dem Spaten. Gerd Wenk schleppte das freigelegte Ungetüm auf einen Feldsteinhaufen nahe der Ackerkante. Dort blieb der Stein zehn Jahre lang unbehelligt liegen. Bornows Ortsvorsteher Gernot Schulze, der als Jäger in Feld und Flur unterwegs ist, kannte den Stein, der ihm wegen seiner Größe nicht unbemerkt geblieben war. Als sich das Dorfjubiläum näherte, kam ihm der Rundfelsen schlagartig in den Sinn: „Der eignet sich doch von seiner Form und Größe her wunderbar als Gedenkstein“. Der Ortsbeirat ließ sich von diesem Gedanken spontan begeistern. Doch wie bekommt man das tonnenschwere Ungetüm von Lehmanns Ackerkante bis an das Dorfgemeinschaftshaus? „Nach langer Überlegung kam uns die Idee: Mann müsste warten, bis der Boden gefroren ist, dann ließe sich der Stein über den Acker schleifen.“ Im März dieses Jahres war es soweit: Der Ortsvorsteher erledigt die Schleifarbeiten mit seinem Traktor.

Bei dem Arbeitseinsatz vor dem Dorfjubiläum, es war ein warmer sonniger Samstag im April, wurde der Stein am Dorfgemeinschaftshaus gemeinschaftlich errichtet. Mit Unterstützung und Technik von der Firma Nick Remus aus Bornow. Steinmetzmeisterin Heike Ferch-Struck  und ein Mitarbeiter beschrifteten den Stein  und befestigten eine Tafel, auf der die Sage der Mittagsfrau nachzulesen ist.  Dabei handelt es sich um eine ziemlich haarsträubende Geschichte einer Frau, die mit Sichel bewaffnet mancherlei Unheil anrichtet. So schneidet sie Frauen aus dem Dorf, die in der Mittagszeit auf dem Feld arbeiten, die Köpfe ab. Kindern wurde geraten, nicht von den reifen Erbsen zu naschen, da sonst die Mittagsfrau zuschlägt.

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