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Zwei gängige Arten fühlen sich bei Simone Müller in Sandkrug wohl / Die Biologin wirbt dafür, den Tieren Unterschlupf anzubieten

Nistkasten
Wohngemeinschaft mit Fledermaus

Julia Lehmann / 04.08.2018, 06:45 Uhr
Sandkrug (MOZ) Sie sind klein und echte Helden der Lüfte. In Brandenburg fühlen sie sich äußerst wohl – sofern die Bedingungen stimmen. Bei Biologin Simone Müller aus Sandkrug finden Zwerg- und Mückenfledermaus, was sie brauchen. In Wochenstuben ziehen sie ihren Nachwuchs groß.

Ein kleiner, länglicher Kasten aus Holz. Unscheinbar, wäre da nicht dieses feine Fietschen. Es sind Zwergfledermäuse, die sich da hoch oben unter dem Dachgiebel in einer Brutkiste aufhalten und auf die Dämmerung warten. Gegen 21.30 Uhr fliegen sie aus. Zunächst geht es auf Wasser-, dann auf Nahrungssuche.

Die freie Biologin Simone Müller aus Sandkrug (Chorin) hat den Fledermäusen mit einfachen Kästen ein Refugium geboten, das sie tagsüber schützt und wo sie ungestört ihre Jungen großziehen können. Etwa 30 Tiere leben in einer Kiste. Die Tiere sind äußerst nützlich. Etwa 1000 Mücken pro Nacht kann eine einzige Fledermaus fangen. Der Biologin liegt es am Herzen, ein wenig für die Tiere zu werben.

Weil Häuser immer weniger Nistmöglichkeiten bieten, will sie an Hausbesitzer appellieren, diese heimischen Arten auf anderen Wegen zu unterstützen. Das sei mit einfachen Vorrichtungen am Dach möglich. Simone Müller verweist auf das Internet, das etliche Anleitungen bereithalte.

Denn Zwerg- und Mückenfledermaus gehören zwar zu den am häufigsten vorkommenden Arten in Europa, sie zählen aber zu den bedrohten Arten und sind deshalb streng geschützt. Mit einer Flügelspannweite von etwa 25 Zentimetern und nur etwa sieben Gramm Gewicht gehören beide zu den kleinsten Arten.

Simone Müller beschäftigt sich im Grunde schon immer mit den Tieren. Beim Besuch in ihrem Sandkruger Haus zeigt sie eine tote Fledermaus, die man ihr kürzlich gebracht hat, um sie zu bestimmen. Die junge Zwergfledermaus war in der Nähe des Schiffshebewerks in Niederfinow entdeckt worden. Dass Tiere sterben, komme vor, sagt die Biologin. Dass sie den Tieren ein Quartier bei sich zuhause bietet, ist für sie selbstverständlich. „Ich bin bestrebt, mit möglichst vielen Organismen friedlich zusammenzuleben.“

Gut sicht- und vor allem hörbar wird das auch im Garten der Biologin. Hier ist es nicht wie in anderen Gärten. Hier dürfen sich Pflanzen wild ausbreiten. Ein Geschenk an die Natur quasi. Insekten finden hier ein breites Nahrungsangebot, weil Kräuter, Blumen und Gräser wachsen dürfen und nicht dem Rasenmäher zum Opfer fallen. „Wir mähen nur zwei Mal im Jahr“, sagt Simone Müller über sich und ihren Mann. Auf einem kleinen Rasenstück sind derart viele unterschiedliche Pflanzenarten zu finden, wie man es in sortierten Gärten nur sehr selten sieht.

Dementsprechend vielfältig ist auch die Geräuschkulisse. Man sieht sie meist nicht, aber gerade in den Abendstunden beginnen viele der Insekten ein lautstarkes Konzert. Aus allen Büschen und Sträuchern sind sie zu hören. Das ist auch die Zeit, in der die Fledermäuse aktiv werden. Sie mit der Kamera festzuhalten, wenn sie ihre Kiste verlassen, scheint fast unmöglich. Die Tiere sind unwahrscheinlich schnell und wendig.

Die Wochenstuben bestehen ausschließlich aus den Weibchen und ihrer Nachzucht. Auch eine Artentrennung liegt vor. Während sich die Zwergfledermäuse an der Hauswand zur Straße hin eingenistet haben, findet man etwas versteckt an einem Baum im hinteren Teil des Gartens eine weitere Behausung für die Mückenfledermäuse.

Ende Juli verlassen die Jungen nach und nach die Wochenstube. Mithilfe ihres Ultraschalls, den sie für die Kommunikation und Orientierung benötigen, prägen sie sich ihre Umgebung ein. Für die Winterruhe, die etwa fünf bis sechs Monate andauert, suchen die Tiere feuchte und ruhig gelegene Höhlen auf. Im Anschluss kehren sie zu ihnen bekannten Sommerquartieren zurück.

Im Beruf beschäftigt sich die Biologin weniger mit Fledermäusen. Sie hilft in einigen Projekten bei der Vogelberingung. Außerdem ist die gebürtige Bralitzerin (Bad Freienwalde, Märkisch-Oderland) Teil der ökologischen Baubegleitung bei der derzeit entstehenden Eugal-Trasse, die auch einen Großteil von Brandenburg durchquert, verantwortlich. Zudem koordiniert sie die Wasservogelzählung in Brandenburg. Den Fledermäusen an ihrem Haus bietet sie ganz nebenbei eine Unterkunft.

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