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Siegfried Erkner
Hunderte kamen zur Trauerfeier

Margrit Meier / 15.08.2018, 20:30 Uhr
Rüdersdorf bei Berlin (MOZ) Mehrere Hundert Menschen, die Familie, Freunde, Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie seine Mitarbeiter, haben am Mittwoch Abschied von Siegfried Erkner genommen. Der Unternehmer war 84-jährig am 6. August gestorben.

„Ich hatte ein erfülltes Leben.“ Mit diesem Satz hat Siegfried Erkner die Frage an seine Frau Gisela – „Hatten wir nicht ein schönes Leben?“ – selbst beantwortet. Erfüllt und reich war es, wie Ringo Effenberger in seiner Predigt in der Kalkberger Kirche, in der sich der Verstorbene 1946 taufen ließ, zu berichten wusste.

Es war Siegfried Erkners Wunsch, ausgesprochen an seinem 80. Geburtstag, dass Ringo Effenberger ihn als Pfarrer auf seinem letzten Weg begleitet. Gern hat auch Pfarrer Jens Mruczek diesen Wunsch respektiert und seinem Vorgänger die Predigt überlassen. Effenberger würdigte Siecke, wie Siegfried Erkner von vielen Freunden genannt wurde, als einen vielfältig interessierten, engagierten und durchsetzungsstarken Mann, der diesen Ort und seine Menschen nachhaltig geprägt habe. Diplomatie war seine Stärke nicht, dafür das Vermögen, Menschen zusammenzubringen und sie für seine Ideen zu begeistern.

Geboren im Sommer 1934 in Herzfelde als Sohn eines Kfz-Handwerkers und einer Verkaufsstellenleiterin, gehörten Themen wie Auto reparieren und verkaufen zum allerersten Sprachschatz. Der Krieg zerstörte die Existenz der Erkners in Herzfelde, die sie mühsam in Rüdersdorf wieder aufbauten. Ein Segen war für den jungen Mann damals der „Einbruch“ über das Toilettenfenster zum ersten Sportlerball in Rüdersdorf. Dort traf er auf seine Gisela, die gemeinsam fortan durch dick und dünn mit ihm ging.

Er arbeitete ab 1959 in der Autowerkstatt seines schwer erkrankten Schwiegervaters in der Ernst-Thälmann-Straße 23/24. Die Werkstatt hatte unter Erkners Leitung Kunden bis in allerhöchste Botschafter-Kreise. Was wiederum die Staatssicherheit anlockte. Doch Siegfried Erkner jagte die Herren mit einem derben Satz, wo er sie hinbeiße, wenn sie nicht verschwänden, von seinem Gelände. Aus der Autowerkstatt wuchs nach der Wende ein großes Unternehmen mit mehreren Niederlassungen und in Spitzenzeiten mehr als 300 Mitarbeitern. Siegfried Erkner hat in seinem Sohn Sven und den Enkeltöchtern Maria und Belinda gute Nachfolger gefunden. Und auch sein Herzenswunsch, Urgroßvater zu werden, wurde dem Sponsor von Sportvereinen, der viele Jahre im Bergbauverein aktiv war, erfüllt.

Ein erfüllter Lebenskreis hat sich geschlossen. Der eines Mannes, der nie ein Blatt vor den Mund nahm, sich einmischte und notfalls bis zum Minister marschierte, wenn ihm etwas nicht passte. Erfüllt wurde ihm der Wunsch der Trauerfeier. „Mein Vater wollte, dass das Ave Maria gesungen wird“, erzählte Sohn Sven Erkner. Die Sopranistin Magdalena Ilowska, begleitet von Organist Steffen Schreiner, erfüllte dies. Für Gänsehaut sorgte das Steigerlied, das viele in der Kirche mitsangen.

Als Siegfried Erkners Sarg auf dem Friedhof Schulzenhöhe in die Erde gelassen wurde, spielte der Trompeter Bernd Schütze „My way“, auch ein Wunsch des Verstorbenen. Seine letzte Ruhestätte hat er an der Friedhofsmauer, geschmückt mit einem Portal aus Rüdersdorfer Kalkstein, gefunden. So liegt er nah an seiner Autowerkstatt, mit der alles begann. Hunderte erwiesen ihm die letzte Ehre.

Viele nahmen die herzliche Einladung der Familie zu einem Beisammensein im Landgasthof Zum Mühlenteich in Eggersdorf noch an. Statt Blumenspenden hatte die Familie, auf Wunsch Erkners, der sich um die Jugend und die Bildung mühte, Spenden für den Förderverein zur Errichtung einer evangelischen Grundschule erbeten. Auch da bekamen alle noch einmal ein Original-Zitat zu hören: „Denkt dran, Scheine lassen sich besser zählen als Münzen.“

Sonntag, 10 Uhr, gibt es in der Hoffnungskirche Alt-Rüdersdorf einen Gedenkgottesdienst.

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