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Crussower Betreiber droht zeitweilige Enteignung wegen Errichtung der Eugal-Gasleitung

Energieversorgung
Start von Eugal

Oliver Schwers / 21.08.2018, 21:00 Uhr
Crussow (MOZ) Jetzt geht es los. Die Firma Gascade hat den Planfeststellungsbeschluss für die neue Eugal-Gasfernleitung in der Tasche. Quer durch die Uckermark soll die Trasse führen. Doch es gibt immer noch Unstimmigkeiten mit Bauern, Landeigentümern und dem Flugplatz Crussow.

Schon vor dem endgültigen Beschluss hatten Archäologen den geplanten Streckenverlauf abgesucht. Überall gab es Grabungen auf abgestecktem Gelände. Die schon von der Vorgänger-Opal-Leitung bekannten schwarzen Rohre liegen auf großen Lagerplätzen bereit. Gascade will bauen. Vor wenigen Tagen hat das Unternehmen den Planfeststellungsbeschluss erhalten. Die Firma schließt derzeit Verträge mit den betroffenen Bauern. Denn die haben von Anfang an Krach geschlagen. Aufgrund der Erfahrungen mit Opal und aus dem Autobahnbau der A 20 wissen sie, dass viele Auswirkungen eines solchen massiven Eingriffs in den Boden erst viel später zum Vorschein kommen. „Es gibt jetzt einen Rahmenvertrag zu den Entschädigungen“, informiert Friedhelm Rogasch vom Bauernverband Uckermark. Das betrifft zum Beispiel Drainagen, die gestört werden. Oder andere Eingriffe in den Wasserhaushalt. Noch längst nicht alle Landwirte der Uckermark sollen unterschrieben haben. Etliche Bauern haben sich Anwälte genommen, um nicht wieder am Ende den Kürzeren zu ziehen. „Es sind noch einige Punkte offen“, so Rudolf Hammerschmidt, einer der betroffenen Landwirte aus der Uckermark. Bei Opal war damals die gesamte Bautrasse abgesoffen. Daher soll nun das Wasser im Vorfeld über ein Drainagekonzept ferngehalten werden.

Während der Planungsphase hat es zahlreiche Einwändungen gegeben, auch aus der Uckermark. Ob und wie die bei der Trassenfestlegung berücksichtigt wurden, weiß derzeit nur das Landesamt für Bergbau in Cottbus. Bis jetzt liegen die Unterlagen nicht öffentlich aus, obwohl das Verfahren abgeschlossen ist. Auch die Betroffenen haben daher noch keine Möglichkeit, überhaupt Einsicht zu nehmen.

Vor diesem Dilemma steht Bernd Finkbeiner, Betreiber des Crussower Flugplatzes. Der Bau der Erdgasleitung hat einen Baustopp seiner geplanten Unterstellhalle nach sich gezogen. Obwohl der Landkreis ihm bereits 2015 die Genehmigung erteilte und er mit den Bodenarbeiten begonnen hat, darf er jetzt keine Veränderung mehr vornehmen. Gas geht vor Flugsport. Finkbeiner ist sauer, denn seine Einwände scheinen niemanden zu interessieren. „Man hat mir versprochen, die Belange unseres Vereins ernst zu nehmen“, sagt der Betreiber. Stattdessen hätten sich die Behörden lediglich für die Gasleitungsbauer interessiert. „Gascade hätte Lösungswillen zeigen sollen. Hier läuft ein Pokerspiel gegen uns.“

Die Halle müsste umgeplant werden. Doch der Grundstückszuschnitt gibt das nicht her. Nun schickt er Beschwerden. Eine Petition im Landtag läuft. Eine Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss wird geprüft. Finkbeiner droht die vorübergehende Enteignung der betreffenden Flächen. Das hat ihm Gascade bereits mitgeteilt, weil er sich einem sogenannten Gestattungsvertrag verweigert.

Das Unternehmen sieht sich im Recht. Die Halle dürfe auf vorgesehenem Platz nicht gebaut werden. Nebenbestimmungen enthalte der Planfeststellungsbeschluss nicht. „Das im Allgemeinwohl liegende Interesse an Errichtung und Betrieb der Leitung zur Sicherung der Gasversorgung überwiegt“, heißt es in einer Erklärung von Gascade. Beeinträchtigungen durch eine Verschiebung der Halle würden aber ausgeglichen, sprich bezahlt. Verhandlungen mit dem Betreiber hätten aber zu keiner Einigung geführt. Bernd Finkbeiner ist die angebotene Summe von 5000 Euro viel zu wenig.

Gegen eine Umtrassierung habe es mehrere Gründe gegeben, argumentiert Gascade. Ein Verschwenken nach Osten hätte die Querung eines verrohrten Gewässers sowie die Verlegung über andere bisher nicht betroffenen Grundstücke zur Folge. Ein Schwenk nach Westen würde die Opal-Leitung sowie eine Erdgashochdruckleitung kreuzen.

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